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Paris-Brest
 
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Paris-Brest [Gebundene Ausgabe]

Tanguy Viel
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Verlag Klaus Wagenbach; Auflage: 1. (17. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803132347
  • ISBN-13: 978-3803132345
  • Originaltitel: Paris - Brest
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 359.776 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Tanguy Viel
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Zuweilen erinnert Tanguy Viels Roman an den frühen Beckett oder an Raymond Queneau. Das heißt, er ist zum Schreien komisch, aber der bittere Unterton ist nicht auszublenden, die leise Trauer darüber, dass die Verhältnisse so sind, wie sie sind. Gerade diese Ambivalenz macht die eigentliche Qualität des Romans aus. Deshalb nehme man sich unbedingt einen Tag Zeit, schirme sich gegen den Rest der Welt ab vor allem gegen die Familie! und lese dieses hinreißende Buch.« (Jochen Schimmang FAZ, 28.09.2010)

»Auf gerade einmal 140 Seiten führt uns Tanguy Viel gekonnt in die Irre und hält in jeder Sekunde die bedrückende Atmosphäre dieser Familienband in der bretonischen Einöde aufrecht. Paris-Brest ist ein Meisterwerk der subtilen Komik, das in feinster proust scher Tradition von seiner eigenen Entstehung erzählt.« (Cornelius Wüllenkemper NDR Kultur, 25.08.2010)

»Das wohl erstaunlichste Büchlein des Herbstes.« (Stern, 41 /2010)

Kurzbeschreibung

Die Großmutter erbt viel Geld und eine Putzfrau. Der Vater veruntreut die Kasse des lokalen Fußballvereins. Die tyrannische Mutter bemüht sich um Kontrolle der Situation. Der Bruder hat wenig Talent und ein Geheimnis. Und der Erzähler seinerseits will alles ans Licht bringen. Nachdem seine Familie der Bretagne gezwungenermaßen den Rücken gekehrt und sich im Süden niedergelassen hat, bleibt Louis, der Erzähler, bei seiner Großmutter in Brest und verbringt die Abende mit dem zwielichtigen Sohn ihrer Putzfrau, bei Rotwein und Zigaretten. Ein böser Plan entsteht. Und einmal mehr hört Louis auf seinen vermeintlichen Freund. Im Tonfall eines Geständnisses geschrieben ist dieser Familienkriminalroman ironisch und elegant. Es geht um viel Geld, um bodenlosen Verrat. Genau und schlicht entwickelt der Autor die Geschehnisse, Figuren und das Bühnenbild seiner Geschichte. Mit wenigen, eindrücklichen Strichen baut er eine atemlose Spannung auf, die eines alten britischen Krimis würdig und zugleich voller Humor ist.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ja, es stimmt schon. Die Sprache wirft sich einem nicht an den Hals. Doch wenn man sich darauf einlässt, wird man reich belohnt. Ich hatte Glück. Mir wurde das Buch von einer Freundin geschenkt, bevor ich eine längere Bahnfahrt anzutreten hatte. Und noch bevor diese zu Ende war, hatte ich das Buch auch schon verschluckt. Nicht noch eine Familiengeschichte, dachte ich. Nicht schon wieder. Aber diese ist anders. Leichfüßig. Witzig. Intelligent. Es ist ein Spaß, Zeuge davon zu werden, mit wie wenig Beiwerk der Autor seine Figuren zum Leben erweckt. Eine erholsame Abwechslung nach Jahren gravitationsschwangerer Familiengeschichten, die ich echt nicht mehr lesen mag. Will sagen: Für mich war der Roman eine echte Bereicherung.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Wiederholend, erklärend, scheinbar endlose Einschübe, eine schnörkellose Handlungsführung, sparsame Beschreibungen und eine lapidare Sprache, das zeichnet die stilistische Finesse und virtuose Darstellungsform des französischen Autors aus. Doch Tanguy Viel vermag gerade durch seine Verknappungen und Verdichtungen Räumlichkeiten Tiefe und Plastizität zu geben sowie immer wieder Überraschungsmomente zu erzeugen.

Angelegt sind die 140 Seiten seines neuen Romans als eine Art kommentierte Inhaltsangabe vergangener Geschehnisse. Der mit sich Zwiesprache haltende Ich-Erzählers Louis, der über seine Familie einen Roman geschrieben hat, fährt mit diesem im Gepäck von Paris nach Brest, um eben jene zu besuchen. Kermeur, der verschlagene Sohn der Putzfrau seiner Großmutter, spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Vor allem geht es um Geld. So wie die eine - Louis' Großmutter - durch einen glückliche Zufall zu einem enormen Vermögen kommt, verschwindet im gleichen Atemzug eine nicht minder große Summe aus der Kasse des lokalen Fußballvereins. Dies wird dem Vizepräsidenten - Louis' Vater - zur Last gelegt und er ist gezwungen mit seiner Familie Brest zu verlassen. Nur der siebzehnjährige Louis bleibt im Hause seiner Großmutter wohnen. Und genau dort heckt eben jener Kermeur mit ihm einen perfiden Plan aus.

Neid, Intrigen und Missgunst, vor allem in der eigenen Familie, sowie Heuchelei, Betrug und Erpressung sind einmal mehr Tanguy Viels literarisches Thema. Vor allem die Mutter des Ich-Erzählers, eine kalte, hysterische und stets den guten Ruf wahrende Frau, kommt am wenigsten gut weg. "Paris-Brest" ist in gewissem Sinn eine Familiengeschichte; besser jedoch: eine Abrechnung mit Louis' Familie, verpackt in einer kriminalen Humoreske, die gleichzeitig als fein beobachtete Gesellschaftsstudie fungiert.

Obwohl eine erdrückende Schwere über dem autobiografisch gefärbten Buch liegt, schafft es der französische Autor immer wieder mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie, die vollständige Sezierung seiner Protagonisten zu verhindern und die düstere Stimmung durch bewusstes Konterkarieren zu unterlaufen.
Ein traditioneller Familienroman ist das Buch mit Sicherheit nicht, eher eine Parodie auf selbigen. Hinzu kommt die Raffinesse des Erzählens im Erzählen, ein Roman im Roman, ganz im Sinne eines anderen großen Franzosen - Marcel Proust.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Familie, Geld, Raub und Lebensfragmente

Eine Familiengeschichte der besonderen Art in besonderer Form erzählt Tanguy Viel in seinem neuen , schmalen Buch. Eine Geschichte, die in der gewählten, hoch assoziativen Sprache, sprunghaft den Leser mitten hinein nimmt in die innere Entwicklung und das alltägliche Leben seines Protagonisten Louis. An der Grenze zwischen noch jugendlich und fast erwachsen mit 17 Jahren erlebt Louis zunächst ein notgedrungenes, aber auch innerlich folgerichtiges, Auseinandergehen seiner Familie unter besonderen Vorzeichen. Und beschreibt in fast kühler Weise die inneren Verbindungen, Haltungen und, durchaus, Hässlichkeiten der Familie. Bildhaft und doch oft eher indirekt zwischen den Zeilen heraus fliessend.

Fest innerlich in Brest verwurzelt wird der Vater der Unterschlagung bezichtigt und verlässt mit seiner Frau und seinem jüngeren Kind Brest in Richtung des verhassten Südens. Nicht ganz mittellos, aber doch entwurzelt und mit Einschränkungen nun versehen. Vor allem mit angeschlagenem Ruf.

Ganz anders Louis, der zu seiner Großmutter zieht. Jene Frau, die gerade, nach einer kurzen Ehe mit einem wesentlich älteren Mann mehr geerbt hatte, als Louis Vater unterschlagen haben sollte (eine Ehe, die von vorneherein offen ausgesprochen wie ein Geschäft getätigt wurde. Marie Therese, die Großmutter, erhielt die Offerte des alten Mannes, seine Universalerbin zu werden, im Gegenzug stand die Heirat und das Leben als eine Form der Unterhaltungsdame. Keine Frage, dass sie von Beginn an vorhatte, darauf einzugehen. Aber der eigene Ruf war und ist ebenso wichtig, ein Spannungsfeld, dass unterschwellig durchaus eine Rolle spielen wird).

Eine Familie, die im vermeintlichen Blickpunkt der Öffentlichkeit stand und steht, die Wert auf einen Ruf legt und dennoch ihren Ruf durch die äußeren Ereignisse angeschlagen erleben muss.
Zudem tritt nun in Brest, in der Wohnung der Großmutter, in die Louis nun einzieht, ein verurteilter Dieb hinzu. Sohn der langjährigen Putzfrau des reichen, alten Mannes. Testamentarisch bestimmt muss Marie Therese diese Putzfrau auf Lebenszeit übernehmen.
Der Sohn, ein Schulfreund von Louis, der nach seinem Diebstahl auf Intervention von Louis Mutter die Schule verlassen musste, wird im Folgenden wie ein Zünglein an der Waage die 'andere Seite' des Lebens in den Raum stellen. Hier die auf den Ruf achtende Lebenshaltung der Familie, den höheren Kreisen durchaus zugewandt und dort die geerdete Energie, teils durchaus mit kriminellen Überlegungen.
Zwei Einflüsse, denen Louis ausgesetzt ist und die, letztendlich, zu seiner inneren Emanzipation führen werden.
Jener Louis, der von seiner Mutter beständige Abwertung erfuhr, den Ansprüchen nie wirklich genügte und nun durch den jungen Kermeur auf die Idee gebracht wird, gemeinsam einen Teil des großen Vermögens der Großmutter an sich zu nehmen. Der Auslöser für eine intensive Wendung im Buch, den Bruch des jungen Louis mit seiner Familie und seinem vermeintlichen Freund samt seinem Umzug nach Paris. Alleine. Und beginnt dort einen Roman zu schreiben, dessen Verlauf seiner Familiengeschichte intensiv ähnelt. Ein Manuskript, dass noch Folgen haben wird du als 'Roman im Roman' fungiert.

Einen zwiegespaltenen Eindruck hinterlässt dieser Roman, bei aller Qualität der Sprache, durchaus.
Einerseits versteht es Viel, eine intensive, auch schon rein sprachlich andere, Atmosphäre zu erzeugen. Wie gedrängt in einem unermüdlichen Fluss der Wörter, vielfach wie gesteuert durch Assoziationen und mit äußerst bildreicher Sprache, setzt er seinen Louis in die Welt.

Fragend, zweifelnd, abschweifend, genau beobachtend und sich wehrend.
Einer, der gut drei Seiten benötigt um den einfachen Sachverhalt mitzuteilen, dass seine Großmutter aus finanziellen Erwägungen einen alten Mann heiratete, ohne auf diesen Seiten eine erwähnenswerte innere Spannung der Großmutter zu beschreiben, der aber andererseits diese Entscheidung in ihren äußeren Folgen und Möglichkeiten in jede wichtige Verästelung hinein zu verfolge versteht.
Einerseits intensiv und breit, andererseits mit einem Geiz an Informationen, dass ist der gelungene Spannungsbogen der Form des Buches. Die Geschichte selber allerdings bietet einfach nicht genügend Substanz, um wirklich vollständig bei der Sache zu halten. Sicher, diese eher destruktive Familie, wie anderswo formuliert als 'Ursprung allen Schreckens', das ist interessant und spannend. Die äußeren Ereignisse aber, mitsamt dem kleinen 'Kriminalfall' und anderer Begebenheiten, vermögen es nicht, wirklich intensiv zu fesseln.

Sprachlich anders, spielend, ironisch, assoziativ und bildreich ein Erlebnis. In der Grundidee einer einander nicht wirklich zugetanen Familie interessant, in mancherlei Eckpunkten der Ereignisse aber auch langatmig und teils einfach langweilig bietet Tanguy Viel eine sprachlich mitreißendes Leseerlebnis mit leichten Schwächen im Spannungsbogen der Geschichte selbst.
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