Dieser unscheinbare Film hat es in vielfacher Hinsicht in sich:
1. die Schauspieler:
Sidney Poitier als elegant zurückhaltend präsenter Saxophonist und Paul Newman als Posaunist mit Komponisten-Ambitionen. Zwei absolute Charakterdarsteller in Hochform.
2. Auftritt von Louis Armstrong - kein Kommentar, alleine deshalb ist der Film ein absolutes Muss!
3. Filmmusik und alles Spielstücke der Jazzband von... kaum zu glauben... DUKE ELLINGON! Bereits in der ersten Szene wird man von "Take The A-Train" mitgerissen. Natürlich darf auch "Mood Indigo" und "Sophisticated Lady" nicht fehlen! Die Musik unterstreich perfekt das Blues-Feeling, das durch die satten Schwarzweissbilder rüberkommt.
Ich hatten den Film vor vielen Jahren im TV gesehen und auf Videokassette aufgenommen. In schrecklicher deutscher Synchronisierung, vor allem der Versuch, Louis Armstrong einzudeutschen ist mehr als peinlich. Jetzt endlich - dank Amazon - als 1A DVD in bester Bild und Tonqualität, in englischer Sprache. Sicher: das ist Strassenenglisch und etwas schwer zu verstehen, aber nach ein paar Mal ansehen klappt es schon.
Der Film fängt in prägnanten Schwarzweiss-Bildern und atmosphärischer Dichte die Pariser Altstadt und das Leben ihrer Bewohner ein.
Im Mittelpunkt eine wohl typische Kellerkneipe, in der die Band eines amerikanischen Posaunisten (Paul Newman) Abend für Abend spielt. Er kann sich als Musiker im Pariser Mikrokosmos eben einfacher behaupten als in den grossen USA und hat sich ein geregeltes Leben aufbauen können - jedoch davon getrieben, mehr zu erreichen. Verbissen versucht er zu komponieren (den "Paris Blues") was aber nicht so recht klappen will und ihn deshalb frustriert und verunsichert.
Dann gibt es da seinen Freund und Kollegen, den Saxophonisten (Sidney Poitier), der Paris aufgrund der liberaleren Einstellung zur sog. "Rassenfrage" gegenüber den USA bevorzugt. Hier ist er einfach ein "Musiker" und kein (Filmzitat:) "Neger-Musiker" der sich entsprechend gewisser Vorgaben und Erwartungen zu verhalten hat.
Bis dann durch das Eintreffen von 2 attraktiven amerikanischen Touristinnen und von Louis Armstrong (beide im selben Zug!) das Leben der Musiker gründlich durcheinander gerät und deren Prinzipien in Frage gestellt werden: der "King of Jazz" selber bringt klar zum Ausdruck, dass man Musik besser nicht schreibt sondern spielt, und die nette Lehrerin (afro-amerikanischer Abstammung) verunsichert unseren Saxophonisten, ob er sich nicht aus seiner Pariser Komfortsituation herausbewegen sollte um an den Veränderungen in seiner Heimat mitzuwirken...
Volle Sternezahl für einen Film der süchtig auf mehr macht...