"Manchmal klage ich mich an, unfähig zu sein, zu lieben. Vielleicht trifft dies zu, aber einige Menschen zu erwählen und ihnen treu das Beste von mir zu bewahren, was immer sie auch taten - dazu war ich sehr wohl fähig."
Sieben Jahre wärt sie nun schon, mein Passion, und ich glaube, dass sie mich ein Leben lang begleiten wird - Die Passion, die den Namen Albert Camus trägt und die mich sowohl zu Tränen, als auch zu Ideen, als auch zu Einsichten geführt hat.
Wahrscheinlich hat jeder so seine großen Helden unter den Schriftstellern und es liegt mir fern Camus zu einem allumfassenden zu machen. Das hätte er nicht gewollt, er, der er gegen jede Form von Totalität und zwang war. ("Wonach der Eroberer der Rechten oder der Linken trachtet, ist nicht die Einheit, denn die Einheit besteht vor allen Dingen aus der Harmonie der Gegensätze, sondern die Totalität, denn sie bedeutet die Ausmerzung der Unterschiede.")
In seinen Schriften atmet man einen naiven, utopischen und doch warmen Geist. All die großen Realisten mögen wenige Blößen haben, aber sie haben auch ebenso wenige Ansatzpunkte. Bei Camus kann man ansetzen und man kann ihn lieben, ohne, dass man abstrakt werden muss. So klingen denn seine zehn Lieblingswörter, die er bei einer Umfrage nannte, sehr populär: "Die Welt, der Schmerz, die Erde, die Mutter, die Menschen, die Wüste, die Ehre, das Elend, der Sommer, das Meer." Dies alles soll gewiss nicht andeuten, dass er nicht ernst zu nehmen ist. Eigentlich sind es gerade Denker wie er, wie Emerson, wie Kafka, die zu uns in Bildern sprechen und uns somit sehr nahe kommen.
"Wie sollte ein Schriftsteller Marschbefehle geben, während er tagtäglich Vorwärtsgehen lernt?"
Diese Biographie ist eine Schatzkiste und vor allem ist sie die beste, die ich bisher gelesen habe. Sie schafft es, sich gleichsam mit dem Werk, dem gesellschaftlichen Leben, aber auch mit den Beziehungen und Motiven von Camus auseinanderzusetzen. Oft zu Wort kommt dabei Camus selbst, aber auch Sartre und Simone de Beauvoir, deren gemeinsame Zeit ich noch nie so umfangreich und eindrucksvoll geschildert sah, ist sie doch meistens nur eine Fußnote und wird oft nur am Gipfel, nämlich dem Zerwürfnis von Camus und Sartre, aufgezeigt.
Camus wird hier auch nicht mit schneeweißer Weste entlassen. Doch zeigt auch dieses Portrait einen Menschen, der mehr als jeder andere (für mich) einer reinen und freundlichen, einer humanen Existenz glich. Ein Zitat von Meister Eckhard, so gehoben es auch sein mag, trifft am Besten, was für ihn zählte: "Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gegenübersteht, das notwendigste Werk ist immer die Liebe."
Und Camus wusste etwas, was sich jeder klarmachen sollte, "...nämlich dass es an den Menschen mehr zu bewundern, als zu verachten gibt."
Dieser Schriftsteller, Denker und Mensch, der viel zu früh aus seinem Leben und auch aus seinem Werk gerissen wurde, schrieb einmal in sein Tagebuch: "Ich erbitte ein einziges, und ich erbitte es demütig, obwohl ich weiß, dass es ungeheuerlich ist: gelesen zu werden mit Aufmerksamkeit."
Mit dieser Bitte wird man nach dieser Biographie wohl keine Probleme mehr haben.