John Cales epochale Arbeit mit Velvet Underground in den 60ern überschattet bis heute sowohl sein avantgardistisches Frühwerk als auch das meiste, was er nach seiner Velvet-Zeit gemacht hat, darunter Geniestreiche wie die Island-Trilogy (1974/5), das brutale Livealbum Sabotage (1979) und die unfassbar traurige Music For A New Society (1982). Das gilt nicht für Paris 1919, wohl sein eingängigstes und gleichzeitig schönstes Album, das seit seinem Erscheinen 1973 immer wieder auf diversen Bestenlisten landet. Zurecht, denn dieses kurze, melancholische Album, das fast völlig auf Cales sonst oft dokumentierte Vorliebe für genialen Lärm und Dirtyass RocknRoll verzichtet, wird mit jedem Hören nur noch besser und schönere Melodien hat Cale nie geschrieben. Die Songs wirken gleichzeitig persönlich und durchweht von Themen der Entfremdung und Einsamkeit, nirgends stärker als in Titellied Paris 1919 und der unvergesslichen, von Sunset Boulevard inspirierten Schlussnummer Antactica Starts Here, wozu die ingeniösen Arrangements ebenso beitragen wie Lowell Georges feine Slidegitarre.
Was dieses Reissue essentiell macht ist neben dem besseren Klang und dem bisher unveröffentlichten, sehr guten Outtake Burned Out Affair die Tatsache, dass es noch einmal alle Songs in teilweise stark abweichenden Demo- und aternativen Versionen enthält, das Titellied sogar in 2 verschiedenen, ein String Mix und eine schöne Soloklavierversion. Besonders toll und vielleicht stärker als das Original auch der Drone Mix von Hanky Panky Nohow, aber jede einzelne Alternativversion ist hier ein willkommener Bonus zu diesem kurzen, wunderbaren Album.