Zwei Jahre lang begleitete mich mein erster Pilzführer auf spätsommerlichen Spaziergängen in die Wälder. Zunehmend häufiger kam es vor, dass der eine oder andere Fruchtkörper nicht bestimmt werden konnte und daher im Wald stehen bleiben durfte - schlicht und ergreifend deswegen, weil er nicht in meinem Führer enthalten war. Ein umfangreicheres Bestimmungsbuch musste her. Meine Wahl fiel auf Pareys Buch der Pilze. Wie die beiden vorherigen Bücher konzentriert es sich auf "typische" Pilze, also solche, deren Fruchtkörper mit dem unbewaffneten Auge sichtbar in Hut und Stiel gegliedert und deren Hymenium (die sporenbildende Fruchtschicht der echten Pilze) aus Lamellen, Röhren oder Stacheln aufgebaut ist. Dennoch unterscheidet sich dieser Bestimmungsführer grundsätzlich von allen anderen: Sage und schreibe 1500 in Europa vorkommende Pilze sind in diesem Buch beschrieben. Trotzdem bleibt der Pareys handlich und kann unschwer im Rucksack oder Sammelkorb mitgeführt werden. 1400 sehr ansprechende Illustrationen betonen die charakteristischen Merkmale der reifen Pilzfruchtkörper in einer Weise, wie es einer Fotographie nur selten gelingt. Die kompakten Texte geben Hinweise zu Größe, Geruch, Vorkommen und so weiter. Zusätzlich halten sie Informationen über mikroskopische Merkmale parat und zu jeder vorgestellten Pilzart gibt es eine kleine Sporenskizze. Wer also glücklicher Besitzer eines Mikroskops ist, der kann die Zuverlässigkeit seiner Artbestimmungen damit wesentlich erweitern. Es ist noch kein Pilz-Experte vom Himmel gefallen. Aber mit etwas Erfahrung, lassen sich viele der formenreichen Blätterpilze auf den ersten Blick als Täublinge, Milchlinge, Schleierlinge und so weiter identifizieren und danach bis zur Art bestimmen. Allen anderen hilft bei der Bestimmung der Großgruppen der am Anfang dieses Buches abgedruckte, dichotome Schlüssel. Für die besonders artenreichen und damit schwierigen Gruppen (zum Beispiel Trichterlinge, Ritterlinge oder Schleierlinge) enthält der Pareys auch noch Gattungsschlüssel. Das Buch befriedigt auch einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch. Die Gliederung dieses Bestimmungsbuches entspricht im Wesentlichen den natürlichen Verwandschaftsverhältnissen. Leider konnte ich über den Autor nicht viel mehr in Erfahrung bringen, als dass er 1925 das Licht der Welt erblickte, zu einem der führenden europäischen Blätterpilz-Spezialisten wurde und noch 2002 über neue Gattungen der Russulales (Täublinge) veröffentlicht hat. Sein Standardwerk "Mushrooms and Toadstools of Britain and Northwestern Europe" wurde in mehre europäische Sprachen übersetzt.