Dieses Buch entspricht ein bisschen dem Klischee, das Laien mit Design verbinden: Es sieht hübsch aus, ist aber unpraktisch, so wie Designermöbel, auf denen man unbequem sitzt oder hübsche Küchengeräte, die zum Grauen werden, sobald man sie reinigen muss.
Inhaltlich kann man das nicht behaupten. Die Informationen sind umfangreich, systematisch zusammengestellt und ausführlich dargestellt. Es bietet einem einen guten Überblick, was Existenzgründung mit sich bringt, woran man denken sollte und was man wissen muss. Man kann es sowohl zum Durchlesen als auch zum Nachschlagen verwenden. (Über die Richtigkeit der Informationen kann ich mir kein Urteil bilden, weil ich mich erst selbständig machen will. Aber einen guten Überblick bekommt man auf jeden Fall.)
Und im Gegensatz zu vielen anderen Büchern zum Thema Existenzgründung, dreht es sich direkt um die Zielgruppe der Designer, was ein großer Vorteil ist. Es richtet sich auch in erster Linie an Designer, die sich gleich nach dem Studium selbständig machen wollen, nicht erst nach einigen Jahren Berufserfahrung, weshalb letztere Perspektive manchmal etwas zu kurz kommt.
Im Gegensatz zu den anderen begeisterten Rezensenten finde ich die Gestaltung aber unbrauchbar und - im Gegensatz zum Inhalt - praxisfremd.
Ich weiß nicht, wer auf die Idee kommt, zusammenfassenden Texte und Checklisten in oranger Neonfarbe zu drucken (hier auf den Fotos wirkt das Ganze deutlich dunkler als in meiner Ausgabe). Das ist kontrastarm, leseunfreundlich, unpraktisch für den eigenen Textmarker und wohl auch nicht herauskopierbar (habe es aber nicht probiert).
Der Checklistenteil ist außerdem in Form von Zwischenseiten aus dünnem Papier in anderem Format in das Buch integriert. Zusammen mit den Fallstudien, die ebenfalls ein anderes Format haben, lässt sich deshalb das Buch nur sehr unpraktisch durchblättern, weil sich die Seiten immer bei diesen Zwischenteilen öffnen. (Leichtes Durchblättern wird aber auch durch den festen Kartonumschlag so gut wie unmöglich gemacht.)
Nett wäre es auch gewesen, wenn man in so einem Arbeitsbuch ein Lesezeichen in den Buchrücken integriert hätte.
Das beiligende Poster ist mehr ein Gimmick ohne wirklichen Nutzwert - und auch wieder in Neon gedruckt.
Weniger erzwungenes "Gestalten des Gestalten willens" und mehr gestalterischer Nutzwert wäre hier meiner Meinung nach deutlich mehr gewesen.
Mein Vater, selbst jahrzehntelang freiberuflicher Designer, kommentierte nur knapp: "Ein Buch, das gestalterisch so schlimm ist, kann inhaltlich nicht sonderlich praxistauglich sein."
Aber vielleicht gehören wir da auch einfach nicht zur Zielgruppe hippe Designstudenten/"Agenturcrowd", die Flash-Seiten, auf denen es richtig abgeht, für das Nonplusultra der Webgestaltung halten, egal ob das die Zielgruppe der Site auch so sieht. Wenn man nach den anderen Rezensionen hier geht, gefällt es ja offensichtlich.
Nachtrag, 15. Mai: Als Ergänzung kann ich das etwas allgemeinere
Praxisbuch für Freiberufler: Alles, was Sie wissen müssen, um erfolgreich zu sein von Svenja Hofert empfehlen.