Ich hatte kaum Erwartungen an dieses Buch, da mir Tine Wittler, die ich bislang nur aus der Glotze kannte, eher unsympathisch war. So fing ich mit kritischer Einstellung zu lesen an und erwartete die übliche Frauenlektüre mit den üblichen Witzen über Frauen- und Männerklischees im oberflächlichen, schon zu oft gehörten humorvollem Stil. Doch weit gefehlt. In diese Riege reiht die Autorin sich nicht ein. Ihr Buch ist absolut unterhaltsam und humorvoll geschrieben und die Überlegungen, die sie sich macht, haben Tiefgang und sind realistisch. Die arbeitslos gewordene Protagonistin möchte sich nicht sofort um einen neuen Job bemühen, sondern gönnt sich die ersten Wochen nach der Kündigung eine Ruhepause. Trotz ihrer vielen Versuche der Ablenkung wird sie immer wieder mit dem Thema Arbeitslosigkeit konfrontiert und muss sich damit auseinandersetzen, wobei ihr nicht sehr der Sinn danach steht. Als selbst arbeitslos Gewordene habe ich mich in vielem in diesem Buch wiedergefunden. Die Fragen, die Marnie Hilchenbach sich stellt, habe ich mir so auch schon alle gestellt. Direkt nach der Kündigung befindet sie sich zwischen dem Wunsch erstmal alles sacken zu lassen und ein wenig die Freiheit und Freizeit zu genießen und den Ängsten (ihren und denen Außenstehender, z.B. ihrer Eltern), irgendwann ohne Geld dazustehen. Aber eigentlich möchte sie sich damit in ihrem momentanen Zustand nicht zuviel befassen. Zum Schluß wird ihr jedoch klar, dass alle Überlegungen und Gedanken einen kaum weiterbringen, sondern man muss, das, was man tun möchte, einfach tun, sonst wird man nicht vom Fleck kommen. Dieses Buch nimmt dem Umgang mit dem Thema Arbeitslosigkeit die Schwere und hat mich motiviert, mich an neue Vorhaben heranzuwagen und nicht alles so ängslich und düster zu sehen. Das hat Tine Wittler sicherlich vor allem durch ihren lockeren Ton geschafft, denn Tipps gibt sie natürlich nicht, denn schließlich handelt es sich hier um Fiktion und nicht um einen Ratgeber. Seit diesem Buch ist mir Tine Wittler sehr sympathisch.