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Parallelgeschichten [Gebundene Ausgabe]

Péter Nádas , Christina Viragh
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Produktinformation

Autorenporträt Jetzt reinlesen [PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 1728 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 3 (16. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498046950
  • ISBN-13: 978-3498046958
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,2 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.316 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Péter Nádas
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Zwanzig Jahre nach seinem international gefeierten Buch der Erinnerung legt Péter Nádas sein Opus maximum vor. Als die Parallelgeschichten 2005 in Ungarn erschienen, wurden sie als ein «Krieg und Frieden des 21. Jahrhunderts» begrüßt. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Joggen im Berliner Tiergarten eine Leiche. Mit dieser kriminalistischen Szene beginnt der Roman, eröffnet zugleich aber auch die weitgespannte Suche nach dem düsteren Geheimnis einer Familie. Es ist die Geschichte der Budapester Familie Demén und ihrer Freunde, deren persönliche Schicksale mit der ungarischen und deutschen Vergangenheit verknüpft werden. Die historischen Markierungen sind die ungarische Revolution 1956, die nachrevolutionäre Zeit, der ungarische Nationalfeiertag am 15. März 1961 und, rückblickend, die Deportation der ungarischen Juden 1944/45 und die Vorkriegszeit der dreißiger Jahre in Berlin. Der Roman entwirft ein Panorama europäischer Geschichte, in einer überwältigenden Fülle von Geschichten, die keine realistische Konstruktion zu einer Story vereinen könnte. Die eine große Metaerzählung des Romans jedoch bilden die Geschichten der Körper, die für Nádas zum Schauplatz der Ereignisse werden. Der männliche und weibliche Körper und seine Sexualität prägen die Lebenswirklichkeit der Personen, sie sind das «glühende Magma», das «in der Tiefe ihrer Seele oder ihres Geistes ruhende Zündmaterial», das die Parallelgeschichten zur Explosion bringt. Aufgrund seines analytischen Scharfblicks und der Kraft seiner Personengestaltung stellt die internationale Kritik Péter Nádas neben Proust. Wenn dessen großer Roman am Beginn einer literarischen Moderne steht, dann mag diese in den Parallelgeschichten ihre Vollendung finden.

Über den Autor

wurde 1942 in Budapest geboren und mit 16 Jahren Vollwaise. Nach einem Chemiestudium arbeitete er als Fotoreporter und Journalist. 1967 veröffentlichte er einen ersten Band mit Erzählungen. Sein erster Roman, Ende eines Familienromans (1979), wurde in Ungarn erst Jahre nach seiner Vollendung publiziert, da Nádas der Zensur als unerwünschter Autor galt. 1986 erschienen sein opus magnum Buch der Erinnerung. Nádas wurde u.a. mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1991), dem Kossuth-Preis (1992) und dem Leipziger Buchpreis (1995) ausgezeichnet. Er lebt in Budapest und Gombosszeg.

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Format:Gebundene Ausgabe
Péter Nádas ist 20 Jahre nach seinem Opus Magnum "Das Buch der Erinnerungen" das Unglaubliche gelungen, und er hat sich mit "Parallelgeschichten" noch einmal - bei weitem - selbst übertroffen.

Was wir hier vorliegen haben, ist m.E. einer der größten Romane aller Zeiten und wird wohl - und diesmal ausnahmsweise zu Recht - einmal mehr mit Proust & Co. verglichen werden, aber auch, wie zu hoffen ist, breiter als Nádas' bisheriges Werk rezipiert (und nicht, wie bisher, dem engeren Kreis von literarischen FeinschmeckerInnen und LiteraturkritikerInnen vorbehalten).

Die Erzählung mäandert über historische Zeiten (des 20. Jahrhunderts) und geographische Räume (Europas) hinweg, subtile Kriminalgeschichten wechseln sich mit Liebes- und Sexualdramen, Vivisektionen politischer Diktaturen und persönlicher Machtspiele und mehr ab. Ein regelrechtes Figurenarsenal wird dargeboten, wobei keine der Figuren an Kontur einbüßt, sondern sich im Gegenteil psychologisch messerscharf vor dem historischen Panorama des Romans (von der Nazi-Rassengenetik der frühen 30er-Jahre, über die ungarische Revolution von 1956 und das nachfolgende kommunistische Regime bis zum Nachwende-Deutschland) abzeichnet.

Die Narration ist erzähltechnisch hochkomplex und zugleich perfekt ausgeführt, sodass - ebenso wenig wie die Figuren selbst - auch die LeserIn sich nie in den episodisch verknüpften Erzählsträngen verliert. Kritisch anzumerken ist vielleicht nur, dass das Schlusskapitel recht unvermittelt einen neuen Strang aufnimmt und der Roman etwas unerwartet abbricht (eine narrative (Anti-)Strategie (?), die schon beim "Buch der Erinnerungen" ähnlich vorlag).

Nicht zuletzt finden wir hier die wohl größten (und wohl auch explizitesten und längsten der jüngeren europäischen Literatur) Beschreibungen erotisch-(homo und hetero-)sexueller Begegnungen, stets stilsicher am feinen Grat zwischen Pornographie und Psychologie - eine literarische Auseinandersetzung mit Sexualität, wie man sie noch nie gelesen hat.

Die Qualität der Übersetzung ist noch im Detail zu prüfen (ich habe das ungarische Original 2005 gelesen), die Übersetzerin Christina Viragh ist jedenfalls eine versierte Übersetzerin zahlreicher wichtiger ungarischer Autoren (Kertész, Kosztolányi, Krasznahorkai, Szerb), von daher ist diesbezüglich Gutes zu erwarten. Jüngst hat sie auch den renommierten Leipziger Buchpreis für die Übersetzung erhalten. (Siehe dazu auch meine ausführliche Reaktion auf einen Kunden-Kommentar betreffs der Übersetzung.)

Ein Roman als Parallgeschichten darüber, wie sich die kollektive (Schreckens-)Geschichte des 20. Jahrhunderts in die Körper von Individuen einschreibt.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"Es ist mir das Gleiche, woher ich ausgehe; denn dort werde ich auch ankommen." Dieses, dem Roman vorangestellte Zitat des griechischen Philosophen Parmenides, drückt in einem Satz den Duktus des epochalen Opus Maximus von Péter Nádas aus. Der ungarische Autor hat sich in seinen "Parallelgeschichten" wirkungsvoll der Denkweisen dieses Vorsokratikers bedient. Denn genau wie Parmenides geht es Nádas darum, die Alltagswahrnehmung der Welt als eine Scheinwahrheit aufzudecken, während die wirkliche Welt ein unveränderliches, ungeschaffenes, unzerstörbares Ganzes sei.

18 Jahre schrieb der ungarische Autor an diesem Dickicht aus Lebensgeschichten, die in ein globales Ganzes eingewoben sind. Der Leser trudelt aus dem Berlin der Wendezeit, nach Budapest ins Jahr 1961, fällt zurück in grausam-erschütternde Schilderungen der letzten Tage des 2. Weltkrieges oder findet sich gar in der k. u. k.-Zeit Österreich-Ungarns wieder. Als "gehörten zu jeder Einzelheit weitere hundert Einzelheiten, als erheische jeder Satz eine Erklärung und als enthülle er mit jeder Erklärung ein hochbrisantes Geheimnis, während er seine eigenen Geheimnisse für sich behielt." Alle Personen, die auf latente Art durch ihre Vergangenheit miteinander verbunden zu sein scheinen, leiden an unterschiedlich ausgeprägten Arten von Verfolgungswahn. Ihr zwanghaftes Sichverstecken, ihre berechtigte oder ungerechtfertigte Angst oder Rastlosigkeit haben nur ein Ziel: den Wunsch nach Spurenlosigkeit, spurlos unter den Menschen zu verschwinden. Dabei ist der Tod immer allgegenwärtig. Sei es der gleich zu Beginn des Romans von einem jungen Mann gefundene Tote, die Verbrennenden eines hektisch aufgegebenen Konzentrationslagers oder aber die Niedergeknüppelten des ungarischen Aufstands von 1956.

Ein weiteres wichtiges Augenmerk richtet Péter Nádas auf Körperlichkeiten, gepaart mit einem sensiblen olfaktorischen und visuellen Gespür. Manche Beschreibung rund um das männliche Geschlechtsorgan oder aber die minutiöse Beschreibung eines Beischlafes über 70 Seiten mögen den Leser irritieren. Allerdings gleiten sie niemals ins Pornographische ab, sondern gleichen eher einer Offenlegung tabuisierter Ästhetik: Lust und Schmerz als Einheit, sich kreuzende Qualen und Glücksgefühle, "kein Unterschied mehr zwischen Innen- und Außenwelt (...) im chaotischen Reich der unbekannten Handlungen und heimlichen Antriebe". Nádas zeichnet eine ungeheure Neugier aus, auf das, was den Menschen verbindet, "und ob das, was sie verbindet auch haltbar ist und sie vor der zähneklappernden Einsamkeit bewahrt". Zumeist bleiben die Schicksale seiner oftmals egozentrischen Figuren im wahrsten Sinne des Wortes Parallelgeschichten. Nicht Liebe und Erfüllung wird ihnen zugegen, sondern Leere und Sehnen. Einzig Klára und Kristóf (das offensichtliche Alter Ego des Autors, bei dessen Schilderungen von der ansonsten auktorialen Form abgewichen und in die Ich-Form gewechselt wird) können sich aus dem lähmenden zwischenmenschlichen Befremden herauslösen.

"Ich trage Leute in mir, die nicht ich sind, und blicke mit ihnen in Zeiten und auf Orte zurück, die es für mich gar nie geben konnte, oder ich blicke in Zeiten voraus, die ohne mich für niemanden kommen würden." Péter Nádas beschreitet viele ineinander verschlungene, verkettete Pfade. Wege, die sich manchmal kreuzen, manchmal nur berühren, mal vertraut, dann wieder völlig fremd sind, letztendlich aber trotzdem von einem Menschen zum anderen hinüberführen. Er offeriert eine "Topographie der unverständlichen Sehnsüchte, der auf dieser dreckigen Erde hinterlassenen Spur gehätschelter Phantasien und unerfüllter Wünsche." Am besten kann man die Struktur des Romans vielleicht mit einem Film vergleichen, der manchmal reißt, dann wieder an ganz anderer Stelle aufblitzt und weiterläuft. Ein Film über das vergangene Jahrhundert, über die Menschheit, über "verflochtene Iche".

Der Text liest sich trotz dieses Figurenkonglomerates, der mitunter mitten in einem Satz wechselnden Zeit- und Handlungsebene, ausnehmend gut. Mit ein bisschen Konzentration verliert der Leser auch niemals die Orientierung. Dies ist zu einem nicht unerheblichen Anteil das Resultat der hervorragenden Übersetzung durch Christina Viragh, die dafür völlig zu Recht den Preis der Leipziger Buchmesse 2012 erhielt. Ihre kongeniale Übertragung erhält die feinen Spannungen und Schattierungen des Tonfalls, das "Summen und Rauschen der klatschenden Erfülltheit, Leere, Dichte, Fläche der Welt", mit der der Autor das epochale Werk durchzogen hat. Vielleicht sollte sich der Leser ganz auf die Fühler seiner Fantasie verlassen, um die situativen Wechsel einer Szene "unbeschadet zu überstehen". Wer allerdings "ungeschützt" in diesen literarischen Koloss hineinsieht, gerät unweigerlich in ein Labyrinth, aus dem er, wenn er nicht aufpasst, nicht wieder herausfindet. Denn: "So viele aufeinanderfolgende, sich berührende Veränderungen vermag der Blick nicht aufzunehmen. Und das Bewusstsein schnappt leer nach Luft, wenn es über der schaurigen Tiefe nichts zum Erfassen hat."

Péter Nádas' "Parallelgeschichten" zeigen die "Schönheit und Schrecklichkeit der zwischenmenschlichen Osmosen, des Identitätstausches und der wechselseitigen Zersetzung". Es ist ein Buch, das den Zusammenhang zwischen dem Individuellen und Geschichtlichen erspürt. Ein Buch, das das Fühlen und Denken gleichermaßen anregt. Denn vielleicht ist das ganze Leben nichts anderes als eine spezifische Sinnestäuschung, da "sich die Welt in noch so vielfältiger und reichhaltiger Gestalt präsentieren mag, sie ist letztlich doch einfach ein Gesamt, ein Haufen immer gleicher Materialien..." Oder um noch einmal mit Parmenides zu sprechen: "Das Sein ist ungeworden, und unzerstörbar ... es war nicht und wird nicht sein, denn im Jetzt ist es als Ganzes, Zusammenhängendes."
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66 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Redundant 5. März 2012
Format:Gebundene Ausgabe
Ich oute mich hier als Kostverächter neuerer ambitionierter Literatur, das tut mir leid.
Peter Nadas Buch jedoch empfand ich als derartig zäh und banal, dass ich an mir selbst zu zweifeln begann: können all die Kritiker irren?
Sie irren wohl nicht, und die "Parallelgeschichten" mögen einen Platz im Olymp bekommen, neben Proust, neben Joyce, who ever.
Da dieser Ort der kleinen Freizeitkritiker aber auch mir eine Stimme lässt, nur noch so viel dazu:
Es gab keine Seite, auf der ich sozusagen "reingekommen" wäre, spannungslos und so bemüht "schonungslos" war die Diktion. Die vielen detaillierten Beschreibungen von Gräueltaten und menschlichen Genitalien etwa waren auf die Dauer nichts weiter als redundant und ich machte das, was kein Autor sich wünscht, ich fing an Seiten zu überschlagen.
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