Ich spiele Mount & Blade schon seit 2 Jahren in der Betaphase und bin immer noch begeistert. Es gibt kein vergleichbar realistisches und vielfältiges Spiel in der Mittelalterszene, dass den Kampf so gut herüberbringt und einem derart viele Optionen ermöglicht.
Es beginnt bereits bei der Waffenauswahl: Von Steinen und Knüppeln, über Messer, Dolche, Spieße, Lanzen, Streitkolben, allerhand Schwerter und Säbel, bis hin zu Wurfspeeren, Bögen und Armbrüsten. M&B bietet das ganze Arsenal von 500 Jahren Mittelalter.
Was seinerzeit praktisch einmalig war und auch heute noch in den wenigstens Rollenspielen möglich ist, ist der Kampf zu Pferde. Man kann sich auf den Kampfkarten völlig frei in allen Gangarten mit seinem Zossen bewegen und sämtliche Waffen auch vom Rücken des Rosses einsetzen. Die Steuerung der diversen Pferde ist intuitiv und meines Erachtens sehr gelungen.
Die Verwaltung des Charakters ist Rollenspiel-typisch und bedarf keiner großartigen weiteren Beschreibungen, außer dass man hier nicht nur seine persönlichen Skills verbessert, sondern auch seine Reitkünste, wie ebenso Talente die die gesamte Party -, also die Gruppe des Spielers, betreffen.
Leider stellt der überaus gelungene Kampfpart, den momentan (da Betaphase) zweifellos stärksten Teil des Spieles. Wirtschaft und Handel, sowie Quest sind zwar vorhanden, jedoch recht eintönig und sorgen nicht wirklich für eine Alternative zum Kampf. Die meiste Zeit ist man auf der Suche nach neuen Helden für seine Gruppe, sowie Söldnern aus den Tavernen der Städte und Freiwilligen vom Land, um seine Privatarmee zu vergrößern. Um dann Banden von Piraten, Räubern, Banditen, Deserteuren, u.ä. aufzuspüren und den garaus zu machen. Schließt man sich einem der Königshäuser Calradias an, so können auch feindliche Armeen und Karawanen überfallen, sowie Dörfer geplündert werden. Sogar das Belagern und Besetzen von Burgen und ganzer Städte ist möglich.
Sollte sich an den Quests und der allgemeinen Stimmung der Welt außerhalb des Kampfgeschehens bis zur finalen Version nichts mehr ändern, so bliebe M&B auf Dauer jedoch eher nur zur Kurzweil geeignet. In ein- bis zweistündigen Sitzungen, Ausrüstung und Gruppe verbessern, leveln und Mobs vernichten. Aber auch darin kann ein gewisser Dauerspaß liegen.
Sounds und Musikuntermalung sind recht bescheiden. Die Grafik ist (mittlerweile) ansehnlich, wenn auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Gerade bei den Nahkämpfen wünscht man sich spritzende Funken, wenn Klingen aufeinander klirren, oder stylische Gore-Effekte wie in Dark Messiah. Das würde dem Kampf mehr Stimmung und Intensität verleihen.
PRO:
+ Einmaliges und realistisches Kampfsystem
+ Riesige Waffen-, Rüstungs- und Pferdeauswahl
+ Interessantes setting
+ Große persönliche Freiheit
CONTRA:
- Wenig Stimmung und Spieltiefe
- Dürftiger Sound und Soundtrack
FAZIT:
Gerade aufgrund des faszinierenden Kampfsystems, dass auch den berittenen Kampf unterstützt, ist Mount&Blade ist eine Erfrischung im sonst doch monotonen Rollenspiel-Genre. Die Welt Calradia lässt gängige Rollenspielelemente wie Magie und Fantasiewesen, die sonst schon zum Standardrepertoire zählen, zur Gänze vermissen und wirkt dadurch sehr erwachsen und realistisch und geht auf diese Art seinen ganz eigenen Weg. Allerdings fehlt dem Spiel in der 0.960 Beta-Version noch einiges an Spieltiefe und Stimmung. Daher wird es auf Dauer langweilig. Nichts desto trotz lädt es immer einmal gerne zu einer kurzen "Metzelei" ein die auch mal die ein oder andere Stunde länger dauern kann, als man ursprünglich geplant hatte.
Für Rollenspieler meine wärmsten Empfehlungen. Unbedingt kaufen und reinschauen!