Crusader Kings 2Um das Spiel angemessen bewerten zu können, muss man sich vor Augen halten, was das Spiel ist. Crusader Kings II bedient eine Nische für komplexe Strategiesimulationen ähnlich wie Hearts of Iron, Victoria oder eben der Vorgänger Crusader Kings. Diese Spiele sind grafisch nicht sehr aufwendig, aber zweckmäßig, bieten dafür aber einen Umfang und ein Mikromanagement, was andere Spiele oftmals auslassen. Wer sich also auf solche Strategiesimulationen einlässt, der sollte damit rechnen. Wer ein Spiel alá Medieval Total War II oder Mount&Blade erwartet, wird hier nicht glücklich.
Kommen wir also zum Spiel:
Im Gegensatz zum Vorgänger wurde die Grafik massiv aufgehübscht - die Auflösung wurde erhöht, die Symbole sind fein gezeichnet und die Charaktere werden nun realistischer dargestellt. Schön ist, dass die Charaktere sich nun entsprechend ihres Alters, ihres Ranges und ihrer Position äußerlich verändern. So werden die Haare grau, wenn man alt wird, junge Damen kommen nach der Hochzeit unter die Haube und Charaktere in geistlichen oder militärischen Positionen werden entsprechend dargestellt.
An der Karte selbst hat sich nicht allzu viel verändert, außer dass die Grafik sehr viel schöner aussieht. Mit verschiedenen Filtern kann man sich neben direkten Vasallen, Königreichen, Religionsverbreitungen etc. auch sogenannte De-jure Reiche anzeigen lassen - also beispielsweise Herzogtümer, deren Grafschaften zwar De-jure zu ihnen gehören, aber aufgrund von Heirat/Erbe/Vasallenstatus etc nun zu einem anderen Herzogtum gehören.
Der Soundtrack wurde ebenfalls überarbeitet und überrascht durch seine wunderbare Qualität und seine atmosphäischen mittelalterlichen Klänge - insgesamt sehr gut passend als Hintergrunduntermalung.
Worum es geht, wurde in anderen Rezensionen ja bereits besprochen, aber ich will nochmal darauf hinweisen, dass man 3D-Schlachten und frei dreh-/zoombare Schlachtfelder-/Stadtansichten hier vergeblich sucht. CKII ist mehr eine Tabellenschlacht in der unglaublich viele verschiedene Faktoren aufeinander wirken und sich beeinflussen - und das darf der Spieler nicht nur sehen, sondern auch aktiv ändern und mitgestalten. Deshalb gibt es Tabellen, Listen und weitere Übersichten, wo man durch den Klick auf ein "+" oder "-" teils riesige Veränderungen im ganzen Reich verursachen kann. Aber es sei gesagt, dass diese Tabellen/Listen usw. sehr übersichtlich gestaltet wurden und auch grafisch sich dem Spiel angepasst haben. Als Profi empfindet man das nicht als lästig, sondern als angemessen.
Kommen wir zu einigen Negativpunkten:
- die deutsche Lokalisierung ist sehr schlecht. Trotz Patches gibt es in den Nachrichtenfenstern Formulierungen, die einen nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Verzweifeln bringen, wenn man nicht verstehen kann, was das Spiel von einem will. Einfach weil manche Übersetzungen so erscheinen, als kämen sie direkt von Babelfish
- die Heraldik: Bei aller Liebe zum Spiel und zu der Masse an Herzogtümern/Grafschaften/Baronien usw. aber historische Wappen sind leider nicht immer verbreitet. Es gibt sie - sehr oft sogar, aber es gibt auch absolut fantastisch anmutende Wappen, die alle Regeln der Heraldik sprengen (Bsp: Brauner Adler auf blauem Grund, oder roter Löwe auf rosa(!)/blau geteiltem Schild). Sowas ist gruselig und eigentlich unnötig.
- Anfänger, die keines der vorher genannten Spiele kennen, werden sich von der Fülle an Einstellungsmöglichkeiten erschlagen fühlen - trotz Handbuch und trotz Tutorial. Mein Tipp: Schaut euch auf Youtube ein Let's Play zu Crusader Kings II an ... da lernt ihr am meisten.
Fazit:
Das Spiel ist ein Spiel für Profis und Fans von Hearts of Iron und Victoria, die einen mittelalterlich historischen Hintergrund mögen. Und wer sich mit Genealogie, Stammbäumen und Erbfolgeregelungen auskennt und Lust verspührt zu intregieren, um seine Ziele zu erreichen, Land und Güter zu gewinnen und seine Familie in wichtige Positionen bringen will, der wird sich hier zu Hause fühlen.
Für den Rest: Lieber Hände weg, oder erstmal bei Youtube reinschnuppern.