Zunächst einmal etwas Vorgeschichte:
Mit dem Indie-Entwickler Frictional Games habe ich zum ersten Mal durch die Freeware-Demoversion von Penumbra Bekanntschaft gemacht. Während dieser Zeit war ich eigentlich dabei, Dead Space durchzuspielen und trotzdem...als ich die Penumbra-Demo nach einer Dead Space-Session (alleine, nachts, mit Kopfhörern, im Dunkeln) startete, musste ich nach etwa 5 Minuten wieder aufhören. War mir einfach zu viel Horror für einen Abend, obwohl ich nur bis zum ersten Gegner gekommen war.
Einige Zeit später erfuhr ich, dass die Penumbra-Macher ein neues Spiel, "Amnesia", als Download veröffentlichen. Ich habe es mir nach kurzem Überlegen bei Steam gekauft und bis zum jetzigen Zeitpunkt nur 54 Minuten gespielt. Um ehrlich zu sein: Es war mir viel zu gruselig, teilweise so unheimlich, dass ich kaum länger als 25 Minuten am Stück durchgehalten habe. Fürs erste schob ich das Spiel auf die lange Bank.
Zum Jahreswechsel nach 2011, am Sylvesterabend, habe ich mir dann in einem Spontanentschluss die Penumbra-Collection, bestehend aus Overture, Black Plague und Requiem, gekauft.
Zum eigentlichen Spiel:
Penumbra ist ein Physik-basiertes Horror-Adventure, in dem man aus der Ego-Perspektive alle nötigen Handbewegungen mit der Maus nachahmen muss. Sprich: Man trägt Kagel, schiebt Kisten, hebt Gegenstände auf, fügt sie irgendwo ein, trägt sie irgendwo hin, wirft Sachen herum, schleicht, versteckt sich, rennt weg und löst eine Menge Rätsel. Diese sind entweder mit Hilfe von Physik oder mit Menschenverstand lösbar (z.B. Morsekodes anhand eines Musters übersetzen, um einen Zahlenkode zu bekommen, Chemikalien nach einer Anleitung mischen usw.). Mir haben die Rätseleinlagen viel Spaß gemacht, sie sind logisch, immer lösbar und frustrieren eigentlich niemals.
Außer den Rätseln, der 3D-Grafik und der Physik-Engine gibt es noch das eigentlich relevante Element: Die Story und der damit verbundene Horror.
Philipp, ein junger Mann, dessen Mutter gerade verstorben ist, bricht nach Grönland auf, um Hinweisen bezüglich seines verschwundenen Vaters nachzugehen. Er landet letztlich in einer alten, verlassenen Mine tief unter Schnee und Eis und steigt (gezwungenerweise) immer tiefer hinab. Mehr will ich dazu nicht verraten. Allerdings bedeutet eine solche Story zugleich drei Dinge: Dunkelheit, eklige Gegner und eine Einsamkeit, die man in kaum einem anderen Spiel empfindet. Dadurch, dass man alle Handbewegungen mit der Maus imitieren muss und das Ganze aus der Ego-Perspektive sieht, taucht man unweigerlich komplett ein und fühlt sich wirklich komplett hilflos, verlassen und ausgeliefert. Dazu kommt, dass Philipp bei unangenehmen Situationen lauter atmet und beim Anblick der teils gräßlichen Monster sich nach einer gewissen Zeit aus jeder Deckung erhebt und losschreit. Frictional Games gelingt hier eine wunderbare Immersion, die ihresgleichen sucht.
Kämpfe gibt es nur im ersten Teil, Overture, wobei man da wirklich nur an ein oder zwei Stellen die schwer zu handhabende Waffe (Hammer, Spitzhacke etc.) schwingen muss. Ansonsten ist Penumbra ein Schleichspiel, vergleichbar etwa mit der Thief-Reihe.
Die Story erstreckt sich über alle drei Teile und ich empfand sie als durchdacht, mitreißend und faszinierend. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass der dritte Teil "Requiem" völlig ohne Gegner und Inventarrätsel auskommt. Hier beschränkt man sich auf die Physik-Rätsel.
Wer Adventure-Fan ist und mit Horror sowie manchmal actionreichem Gameplay etwas anfangen kann, greift hier unbedenklich zu (man sollte aber des Englischen mächtig sein). Ebenso jeder, der nach einem qualitativ hochwertigen Spiel jenseits von Genregrenzen sucht. Wer hier einen Survival-Shooter mit High-End-Grafik oder ein lustiges Point'n'Click-Adventure erwartet, wird enttäuscht.
Die Spielzeit fiel bei mir folgendermaßen aus:
- Overture: ca. 6 Stunden
- Black Plague: ca. 5 Stunden
- Requiem: ca. 3 Stunden
Penumbra ist gruselig, anspruchsvoll und macht viel Spaß, wenn man die Nerven dafür hat (man sollte auch die Bildschimanweisungen befolgen, also Licht aus, Kontrast hoch, Gamma runter, Kopfhörer auf!).
Wenn Sie sich mit der Penumbra-Reihe anfreunden können, sollten Sie außerdem das erwähnte "Amnesia" spielen und generell den Entwickler Frictional Games im Auge behalten.