Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Buch, das den Leser in seinen widersprüchlichen Bann zieht und ihn zwingt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, 27. Mai 2009
"Fünf Seiten gebe ich dem Leser", so lässt der Verlag den bekannten Autor Thomas Brussig im Klappentext sagen. "Wenn er sich bis dahin nicht von diesem Buch losreißen konnte, wird er von einem Sog verschlungen, einem Sog aus Amoralität, Lügen und Schamlosigkeit."
In der Tat, so erging es auch mir, als ich begann dieses Buch zu lesen. Seine Geschichte einer Wiederbegegnung mit der eigenen Vergangenheit ist schnell erzählt: der Protagonist des Buches, Alexander Böhm wartet gerade an einer Tankstelle auf einen weiteren Autostopp, der ihn nach München bringen soll, von wo er am nächsten Tag mit seiner Freundin nach Portugal fliegen will.
Doch es kommt anders. Ein Freund aus längst vergangenen Zeiten hält an, Alexander steigt ein und nun beginnt eine lange Reise in das verminte Feld der eigenen Vergangenheit. Die beiden fahren nach Weiden in die Oberpfalz, die alte Heimat. Dort treffen sich die alten Kumpels mit frischen und jungen Mädchen einmal im Jahr an einem See, dem Paradiso. Schon auf der Fahrt dorthin, erst recht aber, als sie dort angelangt sind, erinnert sich Alexander an viele nicht eben rühmliche Dinge in seinem Leben und das, was dort geschieht, hat alles den Charakter von Dekadenz und Zerstörung.
So weit so gut. Ich habe mich schon während der Lektüre gefragt, was das Buch zu einem solchen Pageturner macht. Natürlich ist es das Thema, das es im Leben jedes Lesers gibt, die eigene zum Teil vergessene, zum Teil verdrängte Vergangenheit, Erinnerungen, die mit einem Heimatort verbunden sind, der bei der Rückkehr nicht mehr der ist, der er war. Und auch die Menschen nicht. Denn alles, auch man selbst, hat sich verändert.
Es ist aber auch etwas Subtiles, das ich mir lange nicht eingestehen wollte. Das Egomane, das den Erzählstil und die Sprache des Ich-Erzählers einfärbt, ist etwas, was in bestimmten Dosen, natürlich nicht gerne eingestanden, wohl in jedem vorhanden ist.
Dem Autor ist es jedenfalls gelungen, mit seiner Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart den Leser geradezu zu zwingen, sich auch mit seinem eigenen Leben und dessen Schatten zu konfrontieren. Und das macht gute Literatur aus, oder ?
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Das ist Dermatop für die Seele", 26. März 2009
(S.67)
Ein bisschen wie die Abenteuer von Fritz the Cat gemischt mit einer Gestalt, die aus einer Story von Heinz Strunk entsprungen sein könnte..
Wobei aber Alex Böhm, der erfolglose Filmstudent in Potsdam doch näher an die Realität rankommt. Schließlich hat er sich recht und schlecht in seinem Leben eingerichtet, das ganze wird durch etliche wohldosierte Halbwahrheiten in erträglichen Bahnen gehalten. Er erzählt von großen Drehbuchprojekten, ein Thema mit dem er aber eigentlich längst abgeschlossen hat, und wechselt auch gerne mal die Identität, etwa wenn er sich um sich bei einem Ego-Kunst-Projekt einer Hippiebraut und verkrachten Medizinstudentin den Namen eines (vielversprechenden ;) ) polnischen Kommillitonen an der Filmhochschule gibt um sich nicht komplett zu blamieren.
Nein sagen ist nun wirklich nicht seine Stärke und das führt natürlich hier zu allerhand drolligen Verwicklungen, die darüber hinaus sehr aus dem Leben gegriffen sind. Hinzukommen Hautprobleme und ein sehr flatteriges Nervenkostüm, sowie etliche Begegnungen mit unsympathischen und merkwürdigen Leuten..scheinbar alltägliche Probleme - aber grade soetwas will man doch lesen, oder? Mein mieser Alltag ist allemal eine lustige Geschichte wert, so von aussen betrachtet.
Also zur Rahmenhandlung: Der Held der Story studiert Potsdam an der Film-Uni, will mit seiner neuen Freundin, für die er die alte hat sitzen lassen, nach Portugal in den Urlaub fliegen. Sie wollen sich in München treffen. Auf dem Weg dahin gerät Alex aber zufällig in seine alte Heimat Weiden in der Oberpfalz und hier lebt doch tatsächlich die Jugend wieder auf und vermischt sich mit den Dummheiten der Gegenwart. Es ist ja immer sehr interessant, was aus den ganzen alten Freunden und Bekannten von früher geworden ist - blöd nur wenn es plötzlich zur Konfrontation kommt und man selbst doch zu nicht geringem Maße in das vermeintlich Unglück dieser Menschen verstrickt ist - oder wenn man, wie Alex, nie gelernt hat Nein zu sagen.
Den vorläufigen Höhepunkt nimmt die Geschichte an der namensgebenden Baggerkuhle Paradiso, wo eine Fete mit "coolen Leuten" steigen soll...das kommt einem doch alles sehr bekannt vor.
Jedenfalls, ich glaube die Paradiso-Story passt sehr gut in das heutige Lebensgefühl der Menschen zwischen 20 und 35. Eingesponnen in ein Netz aus Halbwahrheit und Vermeidungsverhalten beschreibt Thomas Klupp, der Autor, sehr echt, die Schwierigkeiten des modernen Zusammenlebens in der schwierigen Melange aus Familie, Freunden, Bekannten und dann auch auch noch Beziehung...Eine Figur, die einem sofort sympathisch sein muss, man wird sich darin wiederfinden und hier ist das eine sehr sehr lustige Begegnung.
Ein Jugendroman für Erwachsene -
Das Buch für den Sommer 2009.
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11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
eine Anleitung zur Wut, 29. April 2009
Ich habe es wirklich versucht. Ehrlich. Gelesen von vorn bis hinten, durch. Und man ist dabei, bleibt dabei. Schon, weil es alle 3 Seiten um Sex geht, oder Gedanken daran, Phantasien darüber, wenigstens die Möglichkeit dazu. (Schließlich trifft unser Held auf seiner Reiseetwa ein halbes Dutzend mehr oder weniger willige Frauen, über die sich zu spekulieren lohnt. So viele Feuchtgebiete. Kassenschlager.) Ok, denk ich; bin ja selber Mann. Kann man noch was lernen.
Aber die Vorschusslorbeeren versprechen ja mehr. Neue Stimme, neue Literatur. Ich habe sie nicht gefunden. Wie so oft: Schöne Sätze, denkenswerte Gedanken. Aber ehrlich: Die hätte ich lieber in einem anderen Buch gelesen.
Mein Problem sind zwei:
1) Die Gewalttat des Alex Böhm - er verprügelt seinen ehemaligen Freund Simon, der ihn "entlarven" will auf das Übelste - bricht für mich das Buch. Mag ich diesbezüglich langweilig sein, aber die Bereitschaft, mich mit ihm auseinanderzusetzen bleibt, während Alex seine Reise fortsetzt, beim malträtierten Simon im Wald. Punkt. (Selbsteinwand: Die Wut, die ich auch Protagonist, Autor und mich selbst, nicht klarzukommen, entwickle kann man als kreative Energie des Buches verstehen. Für mich ist sie unbefriedigend, weil restlos destruktiv. Ich habe lange gewartet, keine produktive Deutung des Verlaufs kommt in Sicht. Der Handlungsverlauf bleibt leer.)
2) Der so genannte Blender "Jedermann" Alex Böhm ist ungeheuerlich lang verstehbar, denkt, was - gewollt - (hin und wieder) auch ich denken würde, ist hochgradig selbstreflexiv und selbstkritisch und aus dieser Haltung heraus auch kritisch anderen gegenüber. Dass er aus dieser Haltung heraus jedoch absolut keine Konsequenzen für sich selbst zieht, ist die "große" Leistung des Buches: das Porträt eines Egomanen eben. Und damit ein Porträt, das ich nicht wirklich glauben kann; in dem vieles, was dem Kopf von Alex entspringt für mich (leider erst) nachträglich zum Autorkommentar reift und zum Betrug an mir als Leser wird.
Keine Frage: Ein Buch, über das man reden und trefflich streiten kann. Aber ich bleibe dabei: Über das Redenswerte hätte ich lieber in einem anderen Buch gestritten.
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