Vorbemerkung: Diese Kritik stammt ursprünglich vom 8. Januar 2006 und bezog sich auf die "Ltd. Edition" (Digi-Pack) des Albums. Da diese Version mittlerweile "out of print" ist, stelle ich die Rezi an dieser Stelle erneut ein, damit sie nicht völlig untergeht. Vielleicht war das Review ein "Tick" zu enthusiastisch formuliert (die Begeisterung, sorry!), aber mit dem Abstand von 10 Monaten kann ich sagen, dass sich meine Meinung zu dem Album in keinster Weise geändert hat! Lediglich zwei Dinge sind nachzutragen: 1. Die erfolgreiche Tour mit KROKUS ist mittlerweile vorüber, und 2. ja, die Scheibe wurde auch ein kommerzieller Erfolg! Platz 45 bedeutete für AXXIS die höchste Chartplatzierung seit "The Big Thrill" von 1993. Auch dazu noch einmal herzlichen Glückwunsch! Am 8. Januar 2006 las sich das Ganze so:
Give me back the paradise, give me what i want!. Diese Prophezeiung von AXXIS aus dem Jahre 1990 erfüllt sich für Anhänger des melodischen Power-Rocks nun mit "Paradise in Flames"! Nach insgesamt 8 unterschiedlich gelungenen AXXIS-Studioalben - an denen ich eigentlich auch immer mal was zu nörgeln hatte - nun ein Album der Dortmunder, das nach etlichen Durchläufen nur ein Prädikat zulässt: GENIAL!
Rückblende: Vor exakt zwei Jahren veröffentlichten AXXIS mit Time Machine ihr erstes Album auf dem neuen Label AFM Records, dessen Auftaktsongs schon einmal Großes erahnen ließen. Angel Of Death sowie der Titeltrack zeigten AXXIS von einer neuen, härteren und atmosphärischeren Seite. Dazu zwei weitere Knaller direkt im Anschluss alle vier Bestandteil einer Promo EP weckten in mir damals große Hoffnungen. Der Rest des Albums ist meinen hohen Erwartungen dann leider nicht so ganz gerecht geworden. Durchaus solides Handwerk, aber leider nichts, was dauerhaft in den Gehörgängen (oder auch im Live Set) verweilen wollte. Es wirkte vieles zu bemüht, zumal es ähnliche Songs von AXXIS schon besser gegeben hatte. Insofern war meine Erwartungshaltung dieses mal deutlich geringer. Auch den Album-Titel Paradise in Flames sowie das Artwork fand ich zunächst nicht übermäßig originell.
Aber erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt. Nach mehrfachen Durchhören der Soundfiles hier auf Amazon kehrte die Hoffnung zurück ... hey, das Album könnte in der Tat ein richtig Geiles geworden sein!? Nun sagen diese 30-Sekunden-Schnipsel in bescheidener Qualität zwar nicht alles - aber sie vermitteln doch einen recht guten Eindruck, in welche Richtung es musikalisch in etwa gehen könnte.
Seit einigen Tagen läuft die neue CD nun bei mir auf heavy rotation - und was soll ich sagen? Die positiven Hoffnungen nach den Ausschnitten sind sogar noch übertroffen worden! Was AXXIS auf Paradise In Flames für ein musikalisches Feuerwerk abbrennen, hat es in dieser Form lange nicht gegeben! Oder anders ausgedrückt: das Album macht über die volle Distanz so weiter, wie es Angel Of Death und der Titeltrack des Vorgängers Time Machine bereits angedeutet hatten. Sprich: es geht ab wie Hölle! Abseits des instrumentalen Titel-Intros sowie der traumhaft schönen Piano-Ballade Dont Leave Me (Gänsehaut pur!) wird auf den weiteren Songs des Albums gerockt, als ob es kein Morgen gäbe! Spielwitz, gelungenes Songwriting, eine satte Produktion mit abwechslungsreichen Arrangements und tollen Chören - und vor allem jede Menge TEMPO machen diese Scheibe zu einem echten Juwel! Jeder Durchlauf verlangt nach Repeat, da die Produktion mittlerweile so detailverliebt ist, dass es auch nach mehrfachem Hören - am besten LAUT! - immer wieder Neues zu entdecken gibt.
Darüber hinaus ist sicherlich erwähnenswert, dass der markante Gesang von Bernhard Weiß nun durch die zusätzlichen Lead Vokals der gut aussehenden Sängerin Lakonia ergänzt wird eine ganz neue Facette nach 17 Jahren AXXIS. Lakonia zeichnete bereits für einige Backing Vokals auf Time Machine verantwortlich und wurde im Laufe der vergangenen zwei Jahre sukzessive ins Bühnenprogramm und in die Band integriert. Ihre Stimme erinnert tatsächlich an Within Temptation & Co., und in Verbindung mit den neuen Hochgeschwindigkeits-Rockern erinnert das ganze Album auch ein wenig an NIGHTWISH-Klassiker wie Oceanboarn oder Wishmaster. Natürlich klingen AXXIS immer noch wie AXXIS , nur eben durchgehend schneller, bissiger noch ein Spur mystischer als bisher. Und im direkten Vergleich von Paradise In Flames mit dem erfolgreichen Debüt Kingdom Of The Night von 1989 hört sich letzteres nun auch schon ein wenig hausbacken an.
AXXIS entwickeln sich also weiter - und das ist klasse! Mittlerweile in kleineren Schritten als früher schließlich hätte das Voodo Vibes-Debakel von 1997 damals fast das Aus für die Band bedeutet. Aber nachdem insbesondere Angel Of Death vom letzten Album bei alten & neuen Fans so gut ankam, hat man sich jetzt tatsächlich getraut, ein vollständiges Album mit dieser Atmosphäre einzuspielen und das Gaspedal weiter durchzudrücken. Dies unterstreicht auch ein Statement von Bernhard Weiß bezüglich der neuen Songs: "Die müssen eben stimmen und knallen. Nur dass wir vor 15 Jahren einen ganz anderen Maßstab in dem gehabt haben, was man allgemein so als 'knallend' empfunden hat."
Ob und wie kommerziell erfolgreich diese neue Scheibe wird, ist im Vorfeld natürlich schwer zu sagen. Es wäre der Band sehr zu wünschen, die offensichtlich viel Herzblut und Leidenschaft in diese Produktion investiert hat. Über die volle Distanz ist Paradise In Flames mit das Beste, was die Band in ihrer Karriere abgeliefert hat. Quasi kein Ausfall das gabs nicht mal auf Klassikern wie The Big Thrill oder dem tollen 2000er Comeback Back To The Kingdom. Von daher also eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für dieses gelungene Album! Wer aus den Soundfiles hier so viel Erfreuliches heraushört wie ich es vor einigen Wochen getan habe, der wird das komplette Album definitiv nicht bereuen! Anspieltipps? Ganz schwer, da wirklich ein Stück besser abgeht als das andere. Aber das i-Tüpfelchen ist sicherlich der Kracher Passion For Rock (Passion for Life), der in gewisser Weise auch die Einstellung von AXXIS zur Musik und zu ihren Fans beschreibt schließlich entstand der Song mit tatkräftiger Unterstützung einiger Fans der Band, die den bombastischen Chor am Schluss der Nummer eingesungen haben. Wie sagt man dann in solchen Momenten? Ganz großes Kino!
Zu guter letzt auch noch der Hinweis, dass AXXIS im Mai 2006 gemeinsam mit den Schweizer Metal-Urgesteinen von KROKUS im Rahmen einer Double Headliner Tour die Republik rocken werden! Wer AXXIS nur einmal LIVE erlebt hat und auch nur einen Funken Humor in sich trägt der weiß, dass diese Konzerte unvergessliche Erlebnisse sind. Wäre Bernhard Weiß nicht so ein genialer Metal-Shouter und Songwriter er hätte auch locker eine Karriere als erfolgreicher Comedian machen können. Der Mann ist auf der Bühne eine echte Show. Also nicht verpassen, wenn Paradise In Flames demnächst auch LIVE gezündet wird ... es lohnt sich!