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Einmal in Felicitas Hoppes Roman
Paradiese, Übersee unterbrechen der Ritter und der Pauschalist ihre fantastischen Fahrten, um sich ganz dem Kartenspiel hinzugeben. Dieses Spiel ist ein Spiegel der Geschichte selbst: "Sinnlose Reihen und Folgen von Farben, Bildern und Zahlen, die einen Gewinn versprechen, der aus nichts besteht als aus Illusion, aus leblosen Königen, Damen und Buben". Dann reisen die Helden weiter, durch die Zeiten und die Kontinente, aber ohne Ziel und Hoffnung auf ein gutes oder schlechtes Ende. Es ist eine Reise "ohne Plan, ohne Auftrag": eine Geschichte, die man nirgends greifen kann, sondern die tief hineinführt ins Herz der reinen Literatur.
Der Pauschalist, heißt es in Hoppes Paradiese, Übersee, war "verliebt in Vergleiche und in das Motiv des Verrats", und verwandelte alles, "was ihm zu nahe trat oder auf eine bestimmte Weise lästig wurde, zum Motiv oder Bild, gelegentlich auch zur Metapher oder zu einem Symbol". Hoppe jedoch macht den Fehler ihres Protagonisten nicht. Stattdessen hat sie ein fast schwereloses, fantasievolles Kabinettstück vorgelegt, das Gewinn nicht nur verspricht, das nirgendwo im Sinn romantischer Dichtung symbolschwanger auf etwas anderes verweist, sondern -- wenn auch mit romantischen Motiven -- nichts sein will als unterhaltsame, intelligente, spielerische, kurzweilige Literatur. Nach Picknick der Friseuse und Pigafetta ist der Berliner Autorin mit ihrem Reise-, Künstler-, Ritter- und Vexierroman wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Sehr zu empfehlen. --Stefan Kellerer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2003
Ungewöhnlich und überaus geglückt findet Rezensent Tilman Spreckelsen Felicitas Hoppes neuen Roman, der seinen Informationen zufolge "dezent an die Artusepik anknüpft" und das Leben unterwegs als Normalfall entwerfe. Die Geschichte einer Gruppe von Reisenden, die "in Indien oder Luxemburg diffusen Zielen folgen", findet der Rezensent verblüffend stilsicher und mit jener "gediegenen selbstverständlichen Diktion" erzählt, die komische und tieftraurige Momente gleichermaßen abbilden konnte. "Eine Sprache von hoher Schönheit", lobt der Rezensent in den Himmel, Klippen, an denen er sein Interesse "durch allzu viele Wendungen" in der Handlung und "die Preisgabe aller Wahrscheinlichkeit" beim Erzählten bedroht sah, habe die Autorin stets "glänzend" gemeistert und so im Gegenteil sein Interesse des Rezensenten weiter vertieft. Schließlich hat Spreckelsen auch das Romanpersonal in sein Herz geschlossen: einen sanftmütigen Ritter, ein "Pauschalist" genannter mitreisender Journalist, ein Zimmermädchen, welches "in Lissabon ins Geschehen" eingreift. Sogar ein sprechender Hund ist dabei, ein Reiseleiter namens "der kleine Baedecker", ein gewisser Doktor Stoliczka sowie eine Räuberbande, die, wie wir lesen, zwischen Straßburg und Kalkutta ihr Unwesen treibt. Zwischen ihnen und beiläufigeren Passagen des Romans fand der Rezensent das Beziehungsnetz in "beeindruckender Dichte" geknüpft.
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 22.02.2003
Lothar Müller äußert sich wohlwollend über Felicitas Hoppes Ritterroman "Paradiese, Übersee", lässt sich aber zu keinem expliziten Lob hinreißen. Wie mit ihren früheren Büchern, meint Müller, beweise Hoppe auch mit diesem Virtuosenstück, in dem ein Pauschalist und ein Ritter, ausziehen, um unterwegs zu sein, dass sie sich nicht durch den landläufigen literarischen Realismus verführen lasse oder gar durch das kunstlos Autobiografische. Nein, ihre Geschichten und Sätze ähneln ihm eher einer Kette von Zügen, "die jeden Leser matt setzen, der nicht mit höchster Aufmerksamkeit den verwirrenden Rochaden, verrätselten Anspielungen und erzählerischen Finten zu folgen bereit sei".
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