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"Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will", schrieb Cees Nooteboom in seinem wundervollen Roman
Rituale. Das muss auch Erik Zondag aus
Paradies verloren feststellen, weil ihm die ebenso kurze wie seltsame Begegnung mit Alma, der jungen, deutschstämmigen Brasilianerin, nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Als er sie zum ersten Mal sieht, kauert sie auf dem Boden eines Schrankes, mit großen Flügeln auf dem Rücken -- als Statistin bei einem Engel-Kunstprojekt im australischen Perth. Nach einer Nacht am Strand entschwindet sie engelsgleich bereits wieder aus seinem Leben.
Paradies verloren ist ein kurzer Roman über flüchtige Begegnungen, rätselhafte Liebesverhältnisse und die Macht der Sehnsucht. Zum Beispiel nach der Ferne, wie bei Alma. Oder nach einer Begegnung, die die eigene, schal gewordene Existenz umzustülpen verspricht, wie beim resignierten Literaturkritiker Zondag. Dass Nooteboom in seinem neuesten Roman vor allem andeutet und Spuren legt, statt dem Leser alle Fragen zu beantworten, verleiht der Geschichte den Reiz der Unergründlichkeit. Und andererseits kann Nooteboom in Paradies verloren -- der Titel ist eine Anspielung auf John Miltons monumentales Versepos aus dem 17. Jahrhundert über den Sündenfall -- seiner bekannten Begeisterung für Engel Ausdruck verleihen. Glücklicherweise ist diese aber weniger esoterischer als poetischer Natur. Alma nimmt ihre Flügel bald ab und entpuppt sich als durchaus irdische, wenn auch eigenartige Frau. Besser als in eine junge Frau kann sich der Autor naturgemäß in den alternden Literaturkritiker einfühlen, der im zweiten Teil des Romans im Mittelpunkt steht. Von diesem Erik Zontag und seinem Kuraufenthalt in einem Tiroler Bergdorf hätte man gern noch mehr gelesen, hier gelingen Nooteboom wunderbare Passagen voll tragikomischer, gelassener Lebensmüdigkeit.
Obwohl durchaus lesenswert, kann Paradies verloren die Zweifel nicht gänzlich zerstreuen, ob Cees Nooteboom dereinst nicht doch vor allem als einer der besten Reiseschriftsteller -- man denke nur an Im Frühling der Tau oder Der Umweg nach Santiago -- in Erinnerung bleiben wird. --Christian Stahl
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»Sehr, sehr, sehr poetisch und wunderschön.
Es ist was für den Kopf und für die Seele ...«
(Elke Heidenreich )
»Erst einmal und vor allem eine Liebesgeschichte. Weit hergeholt? Oh, ja! Aber hautnah herangebracht. Die Geschichte einer großen, unstillbaren Sehnsucht. Kompliziert? Aber einfach zu lesen. Auch wenn sich der Anfang erst vom Ende her erschließt. Alles glasklar. [...]
Der holländische Großmeister präsentiert ein Alterswerk, das ihn auf der Höhe seines ganzen Könnens zeigt. Mit Anmut und mit Übermut kommt er hüpfend über die Berge, mit einer schwebenden Leichtigkeit und so, als wäre es ihm alles gerade erst eingefallen, entwickelt er ... ein grandioses Stück Literatur.« (
Frankfurter Rundschau )
»Das Beste, was Gott für die Literatur hat tun können, war die Vertreibung aus dem Paradies, meint Cees Nooteboom. In seinem kleinen eleganten Roman läßt er zwei junge Frauen im Australien der Aborigines nach dem Garten Eden suchen. Ein kurioses Engel-Festival in Perth verleiht den Teilnehmern wie der Phantasie Flügel und wird zum Fixpunkt von geistreichen Bemerkungen über die Literatur und die Liebe.« (
Focus )
»Zwei Frauen, die nach Australien reisen; ein älterer Mann, der wahrhaftig seinem Engel begegnet: Eine wunderbar erzählte, geheimnisvolle Geschichte.«
(
Die Zeit )
»Nooteboom ist ein, im eigentlichen Wortsinn, wundervolles Buch gelungen. Elegant, mit leichter Feder geschrieben, wie wir es von ihm gewohnt sind, und voller Andeutungen, die literarischen Anspielungen reichen von John Milton bis Thomas Bernhard. Mit feiner Ironie überspielt er immer wieder die Grenzen zwischen Imaginärem und Alltäglichem, ohne sich dabei in Tiefsinn zu verlieren. ... auf unterhaltsame Weise die Phantasie beflügelt und einmal mehr zeigt, dass Paradiese in den Köpfen von Autoren und uns, ihren Lesern, entstehen - unter Palmen oder auch im Strandkorb eine ideale Lektüre.«
»Eine zarte Liebesgeschichte, eine ethnologische Expedition, ein literarisches Vexierspiel: All das und noch viel mehr steckt in diesem locker-leichten Roman, der den Niederländer erneut in Bestform zeigt.« (
Der Bund )
»Ein eleganter, gelungener Roman. Geheimnisvoll, facettenreich und sehr lesenswert.« (
Elsevier )
»Die Nooteboom-Lektüre bietet eindrucksvolle Impressionen aus Australien, subtile Psychogramme mehr oder weniger gestrandeter Figuren, humorvolle Sottisen über den Literaturbetrieb und eine höchst einfühlsame Liebesgeschichte, in der der erotische Funke auch auf den Kopf überspringt.«
(
Hannoversche Allgemeine Zeitung )
»Cees Nooteboom ist kein Autor, der seine Geschichten einfach weggibt. Er selbst ist das Ich und das Du, er mischt sich ein, er leitet seinen Leser an. Daraus bestehen Nootebooms Erzählungen: aus Täuschung, Sensibilität und Eitelkeit, aus Gelehrigkeit und Raffinesse, aus Erfahrung und Fantasie. Und aus einem großen Wissen.« (
Münchner Merkur )
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.