Hildesheimers einziger Roman (im engen Sinne)präsentiert die Lebensgeschichte des Malers Anton Velhagen, aus der Ich-Perspektive erzählt, und die zeitlich parallelen Abschnitte der seines Onkels Robert Guiscard, eines genialen Fälschers, bis zu dessen verfrühten Ende. Der Text führt zahlreiche Motive und Themen der "frühen" literarischen Schaffensperiode Hildesheimers in einer Kulmination von Lieblosen Legenden, Theaterstücken und Hörspielen zusammen, insbesondere die Satire auf den Kunstbetrieb und seine Betreiber und Kritiker, die skurrilen und verschrobenen Vewandten mit ihren nischenartigen Existenzformen und die Kritik faschistoider Staatsstruktur und zugehöriger Unmenschen. Dieser Spott, der aus Distanz entsteht (V. Jehle) wird zusammengehalten von einer unbändigen Fabulierlust und einer meisterhaft präzisen, beherrschten, von Pointen durchsetzten Sprache, die sich leicht und harmlos gibt, aber voll ist von zahllosen ironischen Brechungen und Anspielungen. Die Person des erfolgreichen Flaneurs, der stets eine überlegene Distanz bewahrt und diese zuletzt durch Rückzug in eine selbstgewählte Isolation demonstriert, wird hier von Hildesheimer zum letzten Mal in dieser Form als Held gewählt, bevor er in eine nächste Phase der nunmehr zurückgezogenen, aber von ihren Erinnerungen geplagten Reflekteure eintritt. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund erscheint "Paradies der falschen Vögel" heute nicht mehr ganz aktuell, garantiert aber aufgrund seiner literarischen Qualitäten weiterhin höchstes Lesevergnügen.