Ein Opfer der Schwierigkeiten, die der Katholizismus mit der Moderne hat, hat das vorliegende Buch geschrieben.
Hubertus Mynarek schreibt als Priester und Theologieprofessor 1972 einen offenen Brief an Papst Paul VI und beklagt darin das Zölibat, sowie ein allgemeines Demokratiedefizit in der Kirche. Noch im selben Jahr tritt er aus und heiratet. Seitdem veröffentlicht er kirchenkritische Literatur.
In diesem Buch nimmt er sich beide Volkskirchen des dt. Sprachraums vor, denen er nicht einmal die Existenz Jesus von Nazareths als historische Tatsache zugesteht. Das Christentum sei, wegen des Dogmas von der Trinität, auch nicht wirklich eine monotheistische Religion, was zumindest das Judentum und der Islam von sich behaupten könnten. Von daher greift er den Vernunftbegriff Benedikts und sein Gottesbild in dessen Regensburger Rede vom 12.09.06 an. Die schlechte Meinung von der menschlichen Vernunft, welche nicht als "Magd der Theologie" auftrete, teile er sich, nebst einer leidverherrlichenden Kreuzestheologie, mit keinem Geringeren als Martin Luther. Im übrigen sei das Abendmahl ein kannibalistischer Ritus. Von einem Theologen erwarte ich Kritik dann doch auf etwas höherem Niveau.
Hubertus Mynarek möchte den Papst entzaubern und die Koryphäe der Theologenzunft als biederen Handwerker ausweisen, was ihm nur unzureichend gelingt. Stattdessen kloppt er das Christentum in die Tonne. Der amtierende Papst wird sowohl als solcher als auch als Präfekt der Glaubenskongregation ("Inquisitor") ab 1981, an den sattsam bekannten üblichen Baustellen nicht ohne Grund entscheidend für den Reformstau mitverantwortlich gemacht. In seiner Enzyklika "Deus Caritas Est" könne der Papst nur "theologisch abgehoben" über die Liebe referieren. Seine Ausführungen entbehrten der Empirie. Daß auch Hans Küng, Kommillitone und Konzilskollege, späterer theologischer Gegner Benedikts, von Herrn Mynarek sein Fett abkriegt, beweist aber die aufgezeigte Stoßrichtung des Buches. Zudem: Was erwartet er in einem päpstlichen Lehrschreiben zu finden? Its the theology, stupid!
Der Autor wird dem Papst biographisch nicht gerecht. Kein Wort über Benedikts Zeit als Schüler im katholischen Bayern über dieses Attribut hinaus, übrigens auch kein Wort dazu, daß sich die Schulzeit des späteren Kirchenführers fast komplett mit der Nazizeit deckt, was sicher ebenso Einfluß auf seine Gesinnung erlangt haben dürfte, wie seine religiöse Überzeugung und seine kritische Einstellung zur Studentenrevolte. Fast schon komisch mutet dann an, daß Herr Mynarek die, gern konstatierte, Weltfremdheit des Papstes auch daran festmacht, daß dieser den "FIFA-Weltfußballer des Jahrhunderts," Pele, nicht einordnen kann, als ihm der Brasilianer 28 Jahre nach Beendigung seiner Laufbahn vorgestellt wird.
Benedikt XVI steht einer Institution vor, die ein seltsames Talent dazu hat, sogar hauptberufliche Anhänger zu erklärten Gegnern zu machen. Hinterher ist man sich dann keiner Schuld bewußt, wenn auch das Evangelium von Jesus Christus Schaden nimmt.
Ohne Zweifel tut es das, wenn in einer Kirche des Gottes, der die Liebe ist, Dinge wie der Fall Mynarek zuhauf vorkommen. Es würde ausgezeichnete Auslegung dieser Schriftstelle bedeuten, wenn dem Bischof von Rom unter bezug darauf endlich klar würde, wie sehr er sich gerade als Theologe während der letzten 40 Jahre schuldig gemacht hat. Trotzalledem schüttet Herr Mynarek das Kind in diesem Buch mit dem Bade aus. Es ist nicht wirklich Benedikt, den er hier der Scharlatanerie zeiht, sondern seine Religion, das Christentum. Dieses jedoch zurück bis zu dessen Gründervätern, Jesus und Paulus. Sagt er ersterem nur sinngemäß einen ambivalenten Charakter nach, nennt er letzteren einen "genialen Erstfälscher." Die Stiftung einer Religion durch Paulus sei nicht im Sinne des Nazareners gewesen.
Das vorliegende Buch von Herrn Mynarek ist eher eine grundsätzliche Kritik des Christentums, als eine Entzauberung des Pontifex Maximus, welcher ihm weitgehend als Sündenbock dient, dem er die Allerweltserklärung "Früher Wachhund, heute Hirte" nicht zugutehält, den er hier auch mit "Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI" bezeichnet. Ein Ausdruck aus der Kriminalistik also, wie schon bei Paulus.
Ein Schelm der Böses dabei denkt!