Beim Lesen dieses herrlichen Dings habe ich teils laut aufschreien müssen vor Lachen, so dass mich die Leute in der Bahn verwundert ansahen. Und das passiert mir eher selten. Für mich ein klares Indiz, dass Stefan Keller mit seinem teils sehr feinen, teils etwas schroffen Humor alle erdenklichen Humorzentren aktiviert. Er zieht alle Register, allerdings nicht ohne zwischendrin immer wieder ernstere Klänge und Themen anzuschlagen, die vor allem mit dem Vatersein, der teils absurden Geschwindigkeit unserer Welt, Heimat und Identität zu tun haben. Alles beginnt im Flieger auf dem Weg nach Malle zu seiner Familie. Er lässt im Kopf die vorausgegangenen Geschehnisse Revue passieren und stellt so sich und die anderen Protagonisten vor, wie auch Prude seine Schwiegermutter, die mir besonders gefallen hat und klärt die Frage, was seine Familie zum Auswandern bewogen hat. Natürlich hat er von Malle eine gewisse Vorstellung, eine, die viele mit ihm teilen. Ballermann lässt grüßen. Doch was er antrifft hat erwartungsgemäß nichts damit zu tun, allerdings auch nicht mit dem was man stattdessen erwarten würde, also dem Gegenteil. Keller spielt geschickt mit den Erwartungen des Leser, übergeht Stereotypen und wartet mit einer Überraschung nach der anderen auf. Zunächst schildert er den Alltag mit seinen Zwillingen in Palma, wo er vor allem mit Pau, seinem Vermieter und "Maria und Josef", der Kindergärtnerin zu tun bekommt. Dann zieht die Familie aufs Dorf, nach Alaro. Auf diese Weise bekommt der Leser einen guten Überblick wie unterschiedlich sich auf Mallorca leben lässt. In Alaro dann, nähert sich die Familie den Mallorquinern deutlich mehr an, und umgekehrt. Die Familie zieht in ein Spukhaus und bekommt es mit schrägen Nachbarn, Tieren und einem grauenhaften, kalten Winter zu tun, was man sich in Deutschland ja kaum vorstellen kann. Dann gerät er noch an einen Vorzeige-Mallorquiner Jaume, der seine Frau anmacht und ihn den letzten Nerv kostet. Das Ende ist dann filmreif. Mir gefiel besonders gut, dass die Mallorquiner nicht als Hinterwäldler oder sonst was dargestellt wurden. Natürlich gibt es Unterschiede, und Keller macht keinen Hehl daraus, doch vermeidet er Wertung und oder packt diese subtil zwischen die Zeilen. Es handelt sich explizit nicht um einen Reiseführer, der irgendwelche Wandertipps o.ä. beinhaltet. Ich denke, der Titel "Mallorca für Fortgeschrittene" bezieht sich eher auf die extrem "fortgeschrittene" Nähe zum Alltag auf Mallorca. Das hier ist saukomische, intelligente Unterhaltung auf hohem Niveau und sicher eines der besten Bücher, die ich seit längerem gelesen habe. Ein Muss für Mallorcafans, Eltern und Leute, die gerne Lachen. Unbedingt kaufen !!!!