Häufig wird das 20. Jahrhundert als Atomzeitalter oder als Jahrhundert des Automobils bezeichnet. Sicher haben diese beiden technischen Errungenschaften das zurückliegende Jahrhundert geprägt, aber man kann es auch als eine Epoche der Farbe ansehen, denn mit der Bilderwelt wurde die Farbe zum prägenden Entwicklungselement des 20. Jahrhunderts. Fotografie, Film, Mode, Werbung, Design ... sind da nur einige Beispiele.
Das Pantone Matching System, das 1963 von einem amerikanischen Unternehmen ent-wickelt wurde, hat wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung. Längst hat sich das Farbsystem in der Grafik- und Druckindustrie durchgesetzt und ist weltweit im Einsatz. Für Designer, Künstler und Produzenten rund um den Erdball ist Pantone der maßgebende und universell anerkannte Standard für exakte Farbkommunikation.
Nun liegt im DuMont Buchverlag das "Pantone-Farbbuch" vor, das die Geschichte und Evolution der Farbe im 20. Jahrhundert erzählt. Neue Materialien und Technologien kamen auf den Markt, von Lacken bis zu Kunststoffen und Pulverbeschichtungen. Die Farbe hat der Kunst und dem Design im 20. Jahrhundert neue kreative Dimensionen eröffnet.
Der reich illustrierte Bild-Text-Band erlaubt einen umfassenden Farb-Blick auf sämtliche Dekaden des vergangenen Jahrhunderts. Die Farbexperten Leatrice Eisemann und Keith Recker, die seit Langem mit Pantone zusammenarbeiteten, präsentieren mehr als 200 stilprägende Kunstwerke, Produkte, Dekorationen und Modeschöpfungen. Sie machen dabei mit den dominierenden Farbpaletten der einzelnen Jahrzehnte bekannt. Das Spektrum reicht von der Art déco am Beginn des Jahrhunderts über die Bauhaus-Jahre der 20er Jahre oder die Hippie-Bewegung in den wilden 70er Jahren bis zur Graffiti-Kunst der 90er Jahre.
Neben den künstlerischen Aspekten lassen die zahlreichen Abbildungen auch die wich-tigsten gesellschaftlichen Veränderungen erkennen. So fand die unterschiedliche Haltung zum Krieg ebenfalls ihren Ausdruck in der Farbe. Die Veränderungen in der Ästhetik, wie sie sich über das gesamte Jahrzehnt darstellten, sind für den Leser im Rückblick beeindruckend. Diese Verbindung von historischen und künstlerischen Ereignissen macht den Reiz und den Gewinn dieser 200 Seiten aus.
Fazit: In informativen Texten und wunderbaren Abbildungen wird ein Jahrhundert als farbliche Entwicklung beleuchtet.
Manfred Orlick