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In Pantoffeln durch den Terror: Das Revolutionstagebuch des Pariser Bürgers Célestin Guittard
 
 
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In Pantoffeln durch den Terror: Das Revolutionstagebuch des Pariser Bürgers Célestin Guittard [Gebundene Ausgabe]

Raymond Aubert , Klaus Harpprecht , Michael Naumann , Claudia Preuschoft
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 429 Seiten
  • Verlag: Ab - die Andere Bibliothek; Auflage: 1., Aufl. (2. Dezember 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 382186222X
  • ISBN-13: 978-3821862224
  • Originaltitel: En pantoufles sous la terreur
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 12,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 237.253 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein einmaliges privates Zeugnis aus den Pariser Revolutionsjahren Es ist kaum zu begreifen, dass dieses einzigartige Dokument bislang noch nicht ins Deutsche übertragen wurde: das Revolutionstagebuch des Bürgers Célestin Guittard, der seinem Namen gern ein vornehmes »de Floreban« anhängte. Er war 66 Jahre alt, als er mit seinen Aufzeichnungen über den Alltag in jenen Jahren des Aufbruchs und des Terrors begann. Der wohlgelaunte Witwer im besten Mannesalter, mit guten Renten versehen, wusste die Gunst einer hübschen und pikanten Dame namens »Dasel«, nicht halb so alt wie er, durchaus zu schätzen und versah die Tage des gemeinsamen Vergnügens stets mit einem Kreuzchen. Er beschrieb die Jakobiner-Versammlungen und den ersten öffentlichen Gottesdienst der Protestanten und vermerkte die Einführung der Brotkarten und die Ausgabe von Personalausweisen mit demselben Stoizismus wie die Erfindung der Guillotine und, dann doch etwas erschüttert, Namen und Stand der vielen Geköpften. Für die Andere Bibliothek traf Wolfgang Müller, lange Jahre Herausgeber der Rowohlt-Monographien, eine Auswahl der Texte und leitete sie ein. Claudia Preuschoft übersetzte die Tagebucheinträge. Der Historiker Volker Ullrich, Autor von glänzenden Studien zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, rückt in seinem Essay die Notizen des »Bürgers« aus dem täglichen Leben während der Französischen Revolution in den großen Zusammenhang und erschließt damit die historische und mentalitätsgeschichtliche Bedeutung dieser unschätzbar originellen Chronik.

Über den Autor

Dr. Volker Ullrich, geboren 1943, studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie. Er ist Redakteur im Ressort Literatur der ZEIT und hier verantwortlich für das 'Politische Buch'.

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thorsten Wiedau HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Jahre 1791 bis 1796 in deren Verlauf sich die Französische Revolution in ihrer ganzen Grausamkeit aufschwang und umfassende und tiefgreifende Änderungen in Frankreich und danach in Europa hervorriefen, lassen sich nicht besser beschreiben als durch die geradezu sachlich-nüchterne Brille des Célestin Guittard. Er kommentierte teils so lakonisch eben jene Ereignisse als seien es Meldungen aus dem Radio oder Fernsehen ohne Wirkung auf seine eigene Situation. IN PANTOFFELN DURCH DEN TERROR beschreibt somit die Säuberung Frankreichs von monarchistischen Kräften, die Endchristianisierung weiter Landesteile und die brutale Gewalt, welche die neuen Kräfte alsbald selbst der unsäglichen Maschine (der Guillotine) zum Fraß vorwarf.

Dieser 300. Band der Anderen Bibliothek aus dem Hause Eichborn zeigt erstmals in Deutscher Sprache dieses lange verschollene Manuskript des Bürgers Guittard, welches uns einen ganz unverhohlenen und neugierigen Blick in das Räderwerk der Revolution in Frankreich werfen lässt.

Am Anfang nur langsam läuft die Guillotine am Ende immer schneller und Dutzende von Menschen werden ihr täglich zugeführt. Bürger Guittard notiert es kommentarlos und man wird die Zweifel nicht los, dass sich hier etwas ganz Schreckliches ereignete. Männer, Frauen, Adlige und Geistliche, die Revolution frisst auch ihre eigenen Kinder, zudem gibt es Hungersnöte und Währungsänderungen, interne und externe Kriege und am Ende lag Frankreich in Scherben.

Der Bürger Guittard notiert aber ebenso das Wetter und weitere Ereignisse des Tages, lässt uns an seinem Privatleben teilhaben und wir erahnen sogar ein Stückchen von seinem privaten Liebesleben. Das Leben geht weiter auch in Zeiten der Revolution und Guittard eilt hindurch, sprichwörtlich in Pantoffeln.

IN PANTOFFELN DURCH DEN TERROR ist ein außergewöhnliches und zeitgeschichtliches Dokument und kein Belletristik Roman, es soll nicht gefallen, so war es wahrscheinlich auch nicht geschrieben worden - es notiert die Ereignisse und lässt uns somit an der Revolution ein Stückchen teilhaben.

Für die einfachen Bürger war es eine Qual und ebenso wie Guittard strampelten sich viele andere ab, Passierscheine und Ausweise zu bekommen. Das Essen war knapp und für jedes Dokument musste bezahlt werden. Konnte man keine Bürgen benennen, gab es auch keine Dokumente und war man Bürge, lag man auch schon fast auf der Guillotine.

Das Buch IN PANTOFFELN DURCH DEN TERROR herausgegeben von Wolfgang Müller zeigt uns eine historisch sehr wichtige Zeitspanne in Frankreich. Diese sechs Jahre beginnen abrupt und sie enden auch so - das Fenster das dadurch aufgestoßen wurde, lässt uns nur erahnen was damals vor sich ging - tauschen möchte ich mit Célestin Guittard auf gar keinen Fall.

Empfehlenswert!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Witwer von 66, also im besten Mannesalter, gut versorgt, er besitzt unter anderem haitianische Aktien, und besten mit zwei hübschen Damen gleichzeitig liiert - der Bürger Célestin Guittard führte eine Art Tagebuch, in dem er nicht nur das genossenen Glück mit seinen Damen mit einem Kreuzchen versieht. Er notierte auch sonst so alles, was ihm auf- und einfiel.

Das ist an sich noch nichts Besonderes, wäre Bürger Guittard nicht Augenzeuge großer historischer Ereignisse und Umbrüche gewesen. Und das zu Zeiten der Französischen Revolution. Diesem aufmerksamen Beobachter alos entging nichts. Nicht die Hinrichtungen auf der Place de Gréve, er schmähte die Opfer gar. Und nicht die Einnahme und Wirkung von Abführmitteln. Auch das Wetter war ihm wichtig. Notierte er doch von Tag zu Tag und zu Beginn jeder Eintragung - zum Beispiel - "Therm. 24. Mittags Wind; es war sehr warm und trocken". Er klagte über Schmerzen und Würmer und Läuse, ließ uns teilhaben an seinem ersten Austerngenuss (mit Salz und Pfeffer), "aber das ist nichts für mich". Und. und, und...! Teilweise sind die Notate auch noch mit herrlichen kleinen Grafiken "verziert".

Auch an seiner ausgiebigen Zeitungslektüre lässt er uns teilhaben. Und hat eine Meinung dazu: sei es zur Tabakssteuer oder zum Eid der Priester auf die Verfassung, sei es zur Hinrichtung von der Prinzessin Lamballe, einer Freundin von Marie Antoinette, der man den Kopf abschnitt, weil sie "sich mitschuldig gemacht hat am Verrat der Revolution". Der erste Gottesdienst der Protestanten in Paris wurde ebenso vermerkt wie die Einführung der Brotmarken. Und schließlich fallen die großen Revolutionäre selbst unter dem "Rasiermesser der Revolution", wie er etwas süffisant anmerkt.

Er war in jedem Fall ein ehrenwerter Mann - dieser Bürger Guittard, Jahrgang 1724. Er lebte ab 1769 in Paris, wurde 1783 Witwer. Die Tagebucheintragungen beginnen am 26. Januar 1791 und enden am 15. Mai 1796 mit dem Eintrag: "Therm. 15. Wind aus West und Südwest. Es hat am Morgen und 2 Mal am Nachmittag ein wenig geregnet."

Es sind Alltagsgeschichten, die dem Leser nicht viel Neues über die Französische Revolution, durch die Guittard sich, wie der schöne Titel lautete, "Auf Pantoffeln durch den Terror" bewegt. Und doch ist sein Tagebuch ein beredtes Zeugnis über das Leben der Menschen, besser: der Bürger in der Revolution; über seine Ansichten, über seinen Opportunismus und seine political correctness. Und damit ein Zeitzeugnis von hohem Rang.

Die Einleitung des Herausgebers Wolfgang Müller und Nachwort, ein wunderbarer Essay von Volker Urich, sind äußerst informativ. Und da Buch ist - bibliophil gesehen - einfach schön. Ein Lesevergnügen der Extraklasse.
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