Unter meinen Anthologien ist mir diese vielleicht die liebste. Kennengelernt habe ich sie, als ich mich eingehend mit dem Nil, dem König der Flüsse, befasst habe.
Eigentlich vereint der Fluss als Metapher alles in sich, eine Vielfalt, die sich in der Gliederung des Inhalts dieser Anthologie wiederspiegelt: Zeit/Vergänglichkeit/Dauer, heilige Flüsse/Mythen, Leben und Erotik, Größe und Kraft (Ströme), Tod und Lethe, Grenze, Reise, nicht zuletzt Kultur.
Der Fluss ist der Inbegriff des Wassers und in ihm finden sich entsprechend auch alle Eigenschaften des Wassers, wie sie Ambrosius im Hexaemeron, dem Kommentar zum Sechstagewerk der Schöpfung, beschrieb (Hexaemeron zu Gen I.10): ut aquis nihil utilius, nihil pulcrius: ita & admirabilius esse nihil (...) Nilum ex omnis aquis me elegisse non mirabitur, qui omnia pene omnium aquarum miracula in uno contineri Nilo audiverit. = wie nichts nützlicher, nichts schöner als Wasser ist, so ist auch nichts bewundernswerter (...) Der Nil scheint mir aus allen Wassern herauszuragen, da er beinahe alle deren Wunder umfasst.
In dieser Anthologie nun scheinen mir alle (literarischen) Wunder des Wassers in Form von Flüssen erfasst. Und wie man niemals in den selben Fluss ein zweites Mal wieder steigen kann, findet man in diesem Band immer wieder etwas Neues: Texte von Heraklit bis Hesse, Ludwig Tieck, Paul Fleming, Hölderlin, Mark Twain, Brecht, Trakl, Celan und vielen anderen; - Panta Rhei.