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Bitte einzutreten ins noble Hamburger Hotel Atlantik. Hier, genauer, vorwiegend unten an der Bar, logiert der Dauergast. Der Godfather des Deutschrock plaudert aus dem Nähkästchen. Bruder Erich gebührt die Ehre, den Präsidenten auf die Schiene gehoben zu haben, als er den stillen Elfjährigen aus seinem "Onanierzimmer" in eine Dixielandband nötigte. Aus Klein-Udo wurde ein veritabler Drummer. Wer ahnt z. B., dass unser Mann in Klaus Doldingers Tatort-Titelmelodie den nicht unkomplizierten Rhythmus vorantrieb? Doch zu dieser Zeit winkte bereits "Onkel Pö", das damalige Herzzentrum des Deutschrock.
Der Rest ist (nicht nur) Rockgeschichte, erzählt im vertraut-amüsanten Nuscheljargon. "Rudi Ratlos", "Elli Pyrelli", "Gene Galaxo", skurrile Udo-Kopfgeburten marschieren noch einmal auf. Die Legende des Hutes wird gelüftet, der Lederjacken- und Schalmeientausch des etwas anderen DDR-Botschafters mit Honecker ist natürlich ebenso Thema wie Udos Kampfansage gegen die "braune Pest" Anfang der 1990er-Jahre, Alkoholexzesse, Herzinfarkt und Kräuterzigarette. Genüsslich widmet sich der notorische Eheverweigerer und Freigeist seinen amourösen Fingerübungen, in deren Verlauf der unbedarfte Leser einiges aus der heftigen, aber kurzlebigen Liaison mit Nena, einer Sternenkollison der besonderen Art, erfahren darf.
Lindenberg-Land, eine seltsamer, höchst eigener Eierlikörchen- und Schampus-Kosmos. Anfälle von Zaghaftigkeit haben Deutschlands ehemaligen Nummer-eins-Rocker bekanntermaßen noch nie getrübt. Nur gelegentlich gerät sein selbstreferenzieller Ton doch ein wenig ins sprachliche Tiefland eines Dieter Bohlen. Doch dem Mann wird verziehen. Er war und bleibt wichtig! Hut ab! Ey, Alter, jetzt aber locker bleiben. --Ravi Unger
Schon früh zeigte sich das Trommler-Talent des Zweitgeborenen der Lindenberg. Wahrscheinliche hatte ihm Vater Gustav die musikalische Begabung einfach vererbt. Nicht nur, dass der Vater wegen allzu viel aufgegebner Träume zum Alkohol griff und öfters auf dem Tisch mit dem Kochlöffel dirigierte, die Familie Lindenberg war überhaupt außergewöhnlich, für die spießigen 50er Jahre allemal. Udo, der Rebell, geht in seinen Lebenserinnerungen mit Gutstav und Hermine, seinen Eltern, ungewöhnlich liebevoll und zärtlich um. Auch mit Frauen, die ihm wirklich wichtig waren, scheint er anständig umgegangen zu sein. Z. B. Manu, die Göttin aus Ost-Berlin. Er wollte sie rausholen, war zutiefst verletzt, als er von ihrer IM-Tätigkeit erfährt.
Lindenberg ist hat immer wieder mit der DDR Kontakt aufgenommen. Die Neugierde führte ihn regelmäßig ins Experiment der anderen Gesellschaftsordnung. Sein Song Sonderzug nach Pankow ermöglicht ihm 1984 einen Auftritt im Palast der Republik in Ost-Berlin, allerdings nicht vor seinen Fans, sondern vor Blauen Hemden. Die versprochene Tournee wurde ihm verweigert. Neben dem Engagement für die Freiheit in der DDR, unterstützt er Greenpeace, Amnesty International, die UNICEF, die Drogen- und Aids-Hilfe und Aktionen gegen die Rechte Gewalt. 2000 gründete er sein Projekt Rock gegen Rechte Gewalt. Und dann ist er auch noch Vollblut-Musiker, Rockn Roller mit Hang zum Perfektionismus und zum Suff. Die Zusammenbrüche, der Herzinfarkt und der Absturz wundern deshalb wenig, waren sozusagen vorprogrammiert.
Charakteristisch für den Allrounder scheint auch eine schier unerschöpfliche Abenteuerlust, das Suchen nach Neuem zu sein. Nach seiner musikalischen Rockn Roller-Periode machte er sich daran, das großartige, musikalische Erbe der 20er Jahre neu zu entdecken. Eine Telefonfreundschaft mit Marlene Dietrich gehört genauso in dieses Kapitel wie die Atlantic Affairs-Tournee (2002) mit neu vertonten Liedern von deutschen Emigranten. Im Laufe der Jahre hat Udo Lindenberg mit vielen Musikern und Künstlern zusammengearbeitet: Mit Peter Zadek machte er 1978 die Dröhnland Symphonie, mit Eric Burdon, David Bowie oder Gianna Nannini ist er aufgetreten.
Fazit: Eine neue Autobiografie! Dieses Mal erfreulicherweise von einem, der wirklich was zu sagen hat. Der Blick hinter die Legende macht eines deutlich: Udo Lindenberg ist nicht richtig einzuordnen, er lässt sich nicht vereinnahmen. Und es klingt gut, wenn er verkündet als Kontrastprogramm zur allgemeinen Dummdreistigkeit weiter machen zu müssen.
Gekürzte Autorenlesung/Lesung, Spieldauer: ca. 200 Minuten, 3 CD. Auch als MC erhältlich. --culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
GELUNGEN,
Rezension bezieht sich auf: Panikpräsident. Die Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ich kein Buch wie man es erwartet hat. Es zeigt eine kindliche Nachkriegsgeschichte auf und ist spannend,traurig,witzig und macht zugleich Mut. Es zeigt auf wie schwer es Udo L. aus Gronau hatte ,der zu werden den inzwischen ein jeder kennt. Man sieht den Menschen Lindenberg nachher ganz anders,viel normaler und ist doch beeindruckt mit welchem Willen er seinen oft steinigen Weg gegangen ist. Hut ab und fünf Sterne für Udo und den Autoren Kai Herrmann.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lindenbergs bestes Buch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Panikpräsident. Die Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Tatsächlich: dieses Buch hält, was der Werbetext des Verlages versprach:Udo Lindenberg gewährt in seinen Memoiren Blicke hinter die Fassade, an der er selbst seit über 30 Jahren feilt. Jeder weiß, dass Lindenberg nicht frei von Peinlichkeiten ist und in seiner Selbstinszenierung oft übers Ziel hinausschießt: Dieses Buch aber ist anders: möglicherweise liegt es am Aufschreiber Kai Hermann. Da wird die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, den alle nur Matz nennen und der im muffigen Nachkriegswestdeutschland aufwächst, das schwierige Elternhaus, Alkoholprobleme, Liebesleid und natürlich deutsche Musikgeschichte werden lebendig. Mit viel Witz und Fähigkeit zur Selbstkritik erzählt Lindenberg die Geschichte seines Erfolges, offen aber diskret den anderen Beteiligten gegenüber. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hinter'm Horizont immer weiter,
Rezension bezieht sich auf: Panikpräsident. Die Autobiografie (Gebundene Ausgabe)
Jetzt hat es also auch unser Udo geschafft. Nur nicht abschrecken lassen von dem etwas platten Titel. Der Inhalt ist dafür um so origineller, wenn auch für hartgesottene Fans vieles schon bekannt sein dürfte. Vor allem hat so einer wie Udo wirklich das Recht seine Autobiografie zu veröffentlichen, weil der Mann eigentlich schon längst hätte tot sein müssen. Wer Ihn allerdings auf der aktuellen Jubiläumstour live erlebt hat, kann es kaum glauben, wie fit sich der 57-jährige körperlich und stimmlich präsidentierte. Hoffentlich hat er den Kampf gegen den Alkoholzombie endgültig gewonnen. Dann könnte die Geschichte noch eine Fortsetzung bekommen, denn die Welt braucht viel mehr authentische Menschen wie Udo, die ihre Seele nicht um jedenPreis verkaufen, um sich dem totalen Kommerz hinzugeben. Er macht Texte, von denen die besten das sagen, was man selbst nicht beschreiben kann. Und dieses Gefühl wird man auch beim Lesen des Buches permanent nicht wieder los. Danke Udo, für 30 Jahre panische Zeiten! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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