David Fincher hat es einmal mehr geschafft, seinem Ruf als Regisseur des Morbiden, des Radikalen, des Unkonventionellen gerecht zu werden: Wie schon bei "Sieben" oder "Fight Club" ist auch "Panic Room" ein ausergewöhnlich geschnitztes Stück Film, wenngleich er nicht ganz die Eleganz der Vorgänger erreicht.
Wieder hinterfragt Fincher bestimmte (verdrängte) Aspekte der Gesellschaft, zuletzt ("Fight Club") die Fun- & Konsumgesellschaft, diesmal der Wunsch nach Sicherheit, nach Schutz vor (dem) Außen. Wie schon bei "The Game" oder "Alien 3" steht auch bei diesem Film Finchers düstere Bildsprache im Zentrum des Films, kombiniert mit sensationell schwebenden und gleitenden Kamerafahrten durch das Haus, das zur Falle wird. Eine Falle, in die Mutter und Tochter geraten, während das Haus von drei kaltblütigen Gangstern eingenommen wird, die sehr differenziert dargestellt sind. Scriptautor David Koepp ("Spiderman") hat hier gute Arbeit geleistet und das allgemeine Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung in das Zentrum des Films gestellt.
Doch der vermeintliche Schutz wird plötzlich zum Albtraum, in dem man selbst gefangen gerät. Die Sicherheit, der Schutz wird zur Falle, aus dem man nicht mehr entkommt.
Fincher wollte "Panic Room" ursprünglich digital drehen (wie George Lucas "Episode II"), beließ es dann aber doch bei konventionellem fotochemischen Prozeß weil man, wie er in einem Interview betonte, "einfach mehr Kontrolle über die Farben hat". Allein dafür gebührt ihm ein cineastischer Orden, zeigt es doch sein Verständnis vom Fach und die Liebe zum Detail.
Ein göttlicher Vorspann (unverkennbar mit Hommagen an Alfred Hitchcock und Saum Bass), düstere Optik im gesamten Film, die verstörende Inszenierung und eine ordentliche Portion Gewalt fesseln über die gesamte Länge des Films. Subtilität herrscht beim Sounddesign vor, dazu gesellt sich ein herrlich dunkler Score von Howard Shore. Und, auf der darstellerischen Seite, eine gewohnt souverän agierende Jodie Foster. Gutes Kino also, sicherlich nicht Finchers bester Film, aber weit über üblichem Hollywood-Durchschnitt.
Die vorliegende Special Editions bietet auf zwei weiteren DVDs interessante Einblicke in den Entstehungs- und Postproductionprozeß von "Panic Room", darunter z.B. die Möglichkeit, einige Sequenzen aus mehreren Kameraperspektiven zu betrachten, die Programmierung der digitalen Effekte, sowie einen Storybord - Rohschnitt - fertiger Film Vergleich. Ganz besonders interessant ist auf der dritten DVD das Kapitel "Super 35", welches sich mit den Vorteilen dieses speziellen und von Regisseuren wie David Fincher oder James Cameron bevorzugten Filmformats beschäftigt.