Wie sich aus dem Nachspann ergibt, wurde dieser "Erotik-Thriller" Ende der neunziger Jahre im Auftrag des ZDF und ARTE rekonstruiert. Jedoch muss man wieder einmal feststellen, dass deutsche Produktions- und Vertriebsfirmen es offenbar lieber der ausländischen Konkurrenz überlassen, solche äußerst bedeutenden Filme auf den Markt zu bringen. In Großbritannien, in den USA, aber auch in Spanien oder in Brasilien erfahren die Meisterwerke des deutschen Stummfilms offenbar eine größere Wertschätzung als in ihrem Herkunftsland. Umso mehr Dank gebührt der britischen EUREKA, die sich schon mehr als einmal um (deutsche und internationale) Stummfilmklassiker verdient gemacht hat (siehe auch Murnaus "Sunrise"). Der Film (131 min.) wird in einer sehr guten Bildqualität präsentiert und beeindruckt darüberhinaus über eine gelungene Filmmusik, die ebenfalls in guter akustischer Qualität zu hören ist. Sehr informativ ist das 60-minütige Bonusmaterial, das eine Dokumentation über den Film und ein Porträt der amerikanischen Hauptdarstellerin Louise Brooks enthält. Höhepunkt des Filmes ist sicherlich die letzte Episode, in der Lulu verarmt auf dem Dachboden eines Londoner Stadtviertels lebt (besonders beeindruckend die Bilder von den nächtlichen Londoner Docks) und schließlich Jack the Ripper zum Opfer fällt, der von Pabst als ein gebrochener Mann, der nur zwanghaft handelt, dargestellt wird. Alles in allem eine gelungene Herausgabe eines atmosphärischen dichten Meisterwerks.