Aus der Amazon.de-Redaktion
Zu Anfang versucht der Autor noch, den Leser durchaus stimmungsvoll mit einer Buch-im-Buch-im-Buch-Verwirrstrategie aufs Glatteis zu führen. Tommy Thomson, ehemaliger Ghostwriter des erfolgreichen Groschenroman-Autors Dr. Luther Flag, erinnert sich am Ende seines Lebens an jene Geschichte, die sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs zugetragen hatte. Ein windiger Anwalt hatte ihm damals den Auftrag erteilt, die Lebensgeschichte eines gewissen Marcus Garvey niederzuschreiben. Garvey stand im Verdacht, seine Arbeitgeber, die beiden aristokratischen Kongoeroberer Richard und William Cravers im Dschungel getötet zu haben. Der lange Treck, die bis aufs Blut gequälten Träger, die Lichtung mit ihrem verheißungsvollen Goldschatz, die sadistischen Brüder als düstere Symbole einer menschenverachtenden Kolonialzeit. Sehr stimmungsvoll, das Ganze. Dann aber!
Die fast schon gewohnte Piñol-Volte: Aus einem Erdloch in der frisch ausgehobenen Goldgrube hüpft ein engerlinghaft schneeweißes Wesen. Gestatten, Herr Tekton. Bewohner des Tiefgeschoßes! Extrem unfreundlich! Wenig später gesellt sich Amgam, ein weibliches telleräugiges Zwei-Meter-Gegenstück hinzu, um die (weißen!) Expeditionsteilnehmer erotisch zu unterweisen. Dem Leser schwant wo zwei sind, müssen noch mehr sein! Schon im Rausch ließen solche Momente literarisch anspruchsvollere Gemüter eher zusammenzucken, sich gar im falschen Film wähnen. Ade, oh Land des großen Joseph C.. Herbei, ihr Herren Spielberg, Wells, Verne & Co. Herbei, ihr filmischen Versatzstücke von unterirdischen Großreichen und kosmisch kruden Kriegs-, Lebens- und Liebesweisheiten. So sehen wir betroffen, dass wir erneut feststellen dürfen: Albert Sánchez Piñol ist ein merkwürdiger Autor. -- Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Nach dem Spiegel-Bestseller Im Rausch der Stille bricht Albert Sánchez Piñol in den Kongo auf: eine spannende Reise in die Landschaft einer mythischen Schuld.