Nachdem ich schon von "Im Rausch der Stille" total begeistert war, habe ich nicht lange gezögert mir das zweite Meisterwerk von Sanchez Pinol zu gönnen - und es ist wirklich wieder ein Meisterwerk geworden. Fast doppelt so dick wie der erste Roman geht es nun auf eine Reise in den unergründlichen Dschungel des Kongo und hinab in die Abgründe der Erde - und natürlich auch in die Abgründe menschlichen Handelns.
Mehr nicht zur Geschichte, eine Einführung ist hier ja bereits zu finden.
Alle Personen werden wieder unheimlich kontrastreich und feinfühlig gezeichnet, Sanchez Pinol nimmt kein Blatt vor den Mund noch ist irgendeine Eigenschaft zu skurril für seine Charaktere, was wieder einmal den Roman sehr dicht macht. Jede Figur hat seine eigene Geschichte und all diese Geschichten kommen nicht zu kurz, vor allem nicht jene der beiden Hauptfiguren Thomson und Garvey. Beide sind letztlich tragisch, aber gleichzeitig komisch und ergänzen sich an vielen Stellen, logisch, da beide ja aufeinander treffen. Hierbei prallen immer wieder Gegenwart und Vergangenheit aufeinander, da sozusagen eine Geschichte in der Geschichte erzählt wird. Doch das ist wunderbar gelöst, da Thomson quasi als auktorialer Erzähler den Leser dabei an die Hand und somit mit sich nimmt. Witzig und interessant sind immer wieder seine Anmerkungen zu den Geschehnissen im Kongo, aber auch zur Lebensgeschichte von Garvey.
Das mag jetzt hier auf den ersten Blick ein wenig verstrickt und unlogisch anmuten, ist aber unheimlich flüssiger und voller Roman! Wer den ersten Roman schon verschlungen hat, sollte hier nicht zögern. Der Roman ist wieder einmal wunderbar beklemmend gelungen und zieht einen förmlich in die Geschichte. Natürlich ist die Geschichte zuweilen arg skurril, trifft unbewusst, oder gerade deswegen, aber so genau den Nerv des Lesers und macht Lust auf mehr.
Ein düsteres und trotzdem gewitztes Buch, dessen Geschichte bis zur letzten Silbe fesselt!