Meine alte Mini-DV Kamera ist kaputt gegangen. Irgendwas ratterte am Kassettenlaufwerk rum, bis schließlich lila Balken im Film waren und auch eine Reinigungskassette nicht mehr half. Nach einigem Probieren entpuppte sich ein Wackelkontakt am Bildkopf. Kapitaler Totalschaden in Sachen Videotechnik.
HD wollte ich nicht, weil ich kein Vertrauen in dieses format habe. Da ist einfach zu viel Chaos und Formatkrieg und am Ende ist es doch nicht schärfer als SD und es passt nicht auf eine DVD. Also ein SD-Camcorder sollte es sein.
Schließlich wurde es dieser hier. Und was soll ich sagen?
Für den Preis ist der einfach gut. Sicher nicht die Oberliga, aber den 8 Jahre alten, einst teuren, MiniDV-Camcorder schießt das Ding knallhart gegen die Wand.
Das Gerät liegt gut und griffig in der Hand. Das ist wichtig, weil es sonst schnell verwackelt.
Bildqualität:
Diese ist hervorragend, auch wenn in sehr dunklen Bereichen manchmal unscharf. Das Bild wird im MPEG2-Format gespeichert und nicht in einer dieser modernen, nahezu unverschneidbaren Superformate. Die Bitrate kann bis auf 8000 kbps hochgesetzt werden, was man unbedingt tun sollte, weil sonst das Bild grisselig wird. Komprimieren kann man später immer noch und wenn man einen größeren Chip einbaut, dann gibt es keinen Grund mehr, etwas anders als diese Einstellung zu verwenden. Ärgerlicher wäre es, ein schönes Video mit zu wenig Bitrate in den Händen zu halten.
Einige schrieben hier von Schlieren bei Bewegungen und schlechten Farben etc. Das liegt meine Erachtens nur an fehlendem Hintergrundwissen, denn das ist keinesfalls ein Fehler, sondern gewollt. Nennt sich "interlacing" oder auf Deutsch "Zeilensprungverfahren" und ist ein Teil der deutschen Fernsehnorm PAL. Und es handelt sich hier immerhin um eine solche Kamera. Wer das nicht will, kann mit den meisten Videoprogrammen sein Video deinterlacen und das Problem ist weg. Das hängt einfach damit zusammen, dass der TV sein Bild anders zeichnet als der PC. Wenn man deinterlaced, sieht es am PC besser aus, dafür aber büßt der Film am TV Qualität ein.
Das Format ist 16:9 anamorph, kann aber auf 4:3 umgestellt werden.
Tonqualität:
Das Mikro ist sehr empfindlich und zeichnet den Ton im MP2-Format bei 48 KHz auf. Der Ton ist Stereo, was auch ganz gut funktioniert. Leider werden gelegentlich Kamerageräusche mit aufgezeichnet, die sich aber gut entfernen lassen. Rauschen ist nahezu nicht vorhanden. Stattdessen ein leises Fiepsen bei 4KHz, das sich mit entsprechenden Kerbfiltern zu 100% entfernen lässt.
Bild und Ton stecken in einem .MOD-Container. Ich kannte .MOD eigentlich nur als Trackerformat, aber scheinbar ist das auch ein Filmformat. Bild und Ton sind so beschaffen, dass man sie direkt und ohne Verluste zu einer DVD verwursten kann.
Zoom:
Dieser ist sehr weit ausfahrbar - zu weit! Denn ab dem oberen Drittel verliert sie mit Vorliebe ihren Fokus. Aber das ist sowieso in den Bereichen nicht mehr sinnvoll. Zurückfahren lässt sie sich sehr weit, also man muss nicht allzu weit zurückgehen, um etwas in der direkten Nähe zu filmen. Das war bei meiner Mini-DV immer ein Problem.
Belichtungs- und Blendenautomatik:
Taugen nix! Meine Versuche, damit draußen zu filmen, endeten in überbelichteten und flauen Aufzeichnungen. zumindest die Belichtung sollte man auf 1:50 oder 1:100 belassen, alles andere führt zu Rucklern. Die Blende sollte man, wenn man Zeit hat, von Hand einstellen, damit der blaue Himmel nicht weiß wird, sobald man etwas nach unten schwenkt.
Manuelle Einstellungen sind gut über einen kleinen Hebel zu bedienen. Nur sollte man dies während der Aufzeichnung vermeiden, weil das zu Verwacklern und Knackgeräuschen führt.
Bildstabilisator:
Funktioniert gut, da habe ich nichts zu bemängeln. Bei zu scharfen Schwenks wird gemeldet, dass die Stabilisierung das nicht ausgleichen kann.
Fokus:
Verliert nur selten bei normalen Lichtbedingungen. Bei Dämmerlicht scheidet er häufiger davon. Auch dieser ist manuell einstellbar, was aber nur bei dem Mitschneiden von Fahrten auf der Straße zu empfehlen ist.
Weißabgleich:
Da gibt es verschiedene Weißabgleiche, wovon einige vermint sind. Man sollte es z.B. tunlichst vermeiden, mit der Wolkeneinstellung im Novembernebel rumzufilmen, wenn man keinen Grünstich wie ein veralgtes Aquarium möchte. Die ist wiederrum drinnen wieder wunderbar, weil sie das gemütliche Glühbirnenlicht betont. Ich verwende aber eigentlich nur die Einstellung Sonnenschein und sage dann dem Schneideprogramm, welche Farbe der Himmel hatte, wenn es mal nicht so aussieht, wie es aussah.
Das Display ist hell genug, um auch im Sonnenschein sichtbar zu sein.
Automatikprogramme:
Es gibt verschiedene Automatiken für drinnen, draußen, bei Regen, am Strand usw. Die habe ich allerdings nie benutzt, weil ich damit nicht zurecht komme.
Einfach auspacken und drauf los filmem bescherte auch mir ein schlechtes Bild. Aber wenn man sich in die Einstellungen reinfummelt, wirds auch mit der Bildqualität.
Nun ist der Film im Kasten, nun muss er da aber wieder raus, weil sonst ist er irgendwann mal voll und man will ja auch mal auf dem großen Bildschirm was gucken. Man kann die Filme direkt am Fernseher gucken, indem man ihn mit dem beigelegten Chinch-Adapter anschließt. Dann hat man allerdings nur analoge Qualität. Besser ist der Umweg über den PC und von da auf eine DVD. Dazu schließt man den Camcorder mit einem USB-Kabel an. Die Filme sind als Dateien auf dem Camcorder zu finden, lassen sich allerdings nur kopieren und nicht löschen. Das ist irgendwie ärgerlich, weil so muss man den Chip umständlich über das Cam-Menü leeren anstatt alles mit der Maus zu markieren und zu entsorgen.
Der Akku hält übrigens nicht allzu lange. Das finde ich nicht so gut.
Dieses leichte Klötern im Inneren hängt übrigens irgendwie mit der Optik zusammen. Es ist auch nur im ausgeschalteten Zustand zu hören.
+ Bildqualität im manuellen Modus
+ Tonqualität
+ Fokus
+ Rohmaterial im DVD-Format
+ Bildtabilisator
+ Zoom
- Automatiken
- Schwächelt bei zu wenig Licht
- Umständliches Löschen von Altmaterial
- Kurze Akkulaufzeit von weniger als 1h
- seltsame Weißableichmodi