Voraussetzungen
Seit vielen Jahren Panasonic-Nutzer, NV-S70, NV-SX50, NV-DS8 und SDR-S9. Filme hauptsächlich Famliie und Freunde. Die Videos sollten direkt aus der Kamera archiviert werden. Nachdem ich mich nun fast viel zu eingehend mit den aktuellen und auslaufenden SD-Camcordern auseinandergesetzt habe, werde ich wohl nun auch den Sprung auf HD machen, da sich leider die Technik der SD-Camcorder offenbar nicht weiterentwickelt, sogar noch eher was weggelassen wird, aber mehr dazu weiter unten.
Die Qual der Wahl...
Bleibt man bei Panasonic, macht es einem der Hersteller wirklich nicht leicht, zumal die Vorjahresmodelle noch erhältlich sind (zumindest März 2011). Ich hatte eher zufällig in einem FAchmarkt die SDR-S50 gesehen und war doch begeistert, dass diese Kamera doch eher wie meine alten Modelle aussieht und sich ebenso wertig anfühlt, abgesehen von der SDR-S9. Alleine der bessere Zoom-Hebel regte meine Kaufneugier an, wie auch der wieder hinten angebrachte, wechselbare Akku. Nur welches Modell ist das Richtige? - Die Modelle von 2010 SDR-S50, T50 und H85 werden nun abgelöst durch S70, T70 und H100. die H-Modelle haben eine Festplatte, die T-Modelle einen (unsinnigen) Flash-Speicher von "nur" 4GB, die S-Modelle kommen ganz ohne aus. Im Ergebnis denke ich, wäre ein integrierter Festspeicher die bessere Alternative, ist doch eine Festplatte nicht unbedingt unempfindlich und man hört ja auch die Laufgeräusche etwas.
H85 oder H100?
Im Netz findet man derzeit noch keine weiteren Informationen zu den Modellneuheiten. Betrachtet man die Panasonic-Webseite und vergleicht akribisch die Datenblätter, finden sich offenbar keine wirklichen Unterschiede. Bei der H100 ist die Taste für die MP4-Aufnahme verschwunden, folglich kann diese Kamera nur in MPEG-2-Format aufnehmen, die Software liegt nun in Version 3.5, statt 3.0 vor. Verwundert hat mich, dass die Verschlusszeit bei der H100 etwas kürzer sein soll, was aber eigentlich für Dämmerung nicht wirklich hilfreich ist. Nach langem Hin- und Hertesten und Mailen mit Panasonic Deutschland stellte sich heraus, dass die längste Verschlusszeit bei allen SD-Camcordern 1/25 beträgt, nicht 1/30 wie bei den Vorjahresmodellen. Einzig muss die automatische Langzeitbelichtung im Menü aktiviert werden, da der Camcorder ansonsten nur 1/50 als längste Belichtungszeit wählt. Ob eine noch längere Belichtung Sinn macht, kann ich nicht sagen, man sieht zumindest mehr, aber die Qualität dürfte an allen Ecken und Kanten mangeln.
Handhabung
Da ich sehbehindert bin, kann ich die Bildqualität nicht wirklich beurteilen, möchte diesen Punkt daher vernachlässigen. Die Handhabung und Bedienerführung ist intuitiv, ein Joystick navigiert durch die Menüverzweigungen. Wer mit Camcordern noch keine Erfharung hat, wird ohne Handbuch nicht zurecht kommen, wer Panasonic gewöhnt ist, fühlt sich schnell wie zuhause. Wie auch bei den Vorgängern gibt es hier leider wenig dedizierte Tasten für Funktionen (z. B. Blenden, Shutter/Iris, Fokus, diese konnte ich an den älteren Modellen noch menüfrei bedienen. Dies geht bei dieser leider nur über den Joystick. Wer kleinere Hände hat, wird die Festplatte irgendwann verflucen. Die S70 und &70 haben eine etwas ergonomischere, rechte Gehäuseseite, so dass die Finger besser an der Cam anliegen. Die Festplatte im 1,8"-Format steht ein Bißchen oben über, so dass die Finger über eine Kante wollen. Das hat mich anfangs im Vergleich zur S50/S70 gestört, aber da die rechte Seite gerade gebogen ist, liegt sie dafür auch stabil in der Hand.
Bildwandler
In einer Rezension zu einer der älteren Modelle schrieb ein Anwender, dass der Bildsensor offenbar im 4:3-Format vorliegt. 4:3 war früher Standard, meine NV-DS8 hatte die Möglichkeit, im Menü das Bildformat umzustellen. Der Sucher im 4:3-Format zeigte fortan schwarze Streifen oben und unten. Mich hatte damals schon gewundert, warum das Bild nicht kleiner wurde, sondern nur abgedeckt. Heute habe ich es verstanden, als ich gesehen habe, was die Kameras heutiger Baureihen machen, die ja einen ähnlichen Wandler benutzen, jedoch aber auch Displays in 16:9. Das Bild zeigt im 4:3-Modus links und rechts wie erwartet Streifen. Schaltet man in 16:9 um, wird das Bild randfüllend gestreckt, oben und unten allerdings wird es abgeschnitten, da es ja sonst horizontal verzerrt würde. Das zeigt ganz klar, dass die vertikale Auflösung reduziert wird. Wer 16:9 nutzen möchte, hat allerdings keine andere Wahl, da er spätestens im Rechner überlegen muss, ob er eierförmige Gesichter haben möchte oder lieber oben und unten etwas wegschneidet. Bedenkt man nun, dass die Auflösung heutiger Displays deutlich höher ist, würde ich bei Heimvideos lieber den Rand links und rechts in Kauf nehmen. Tatsächlich bekommt man im 16:9-Modus nicht mehr ins Bild, da ja das Objektiv horizontal stets das gleiche einfängt (beachte Vorhang oben und unten). Auch der 78x-Zoom findet sich hierin begründet, im 4:3-Modus macht sie nämlich nur 70x. Logisch, da - wie oben beschrieben - das Bild in 16:9 ja vergrößert dargestellt wird, wenn auch auf Kosten der vertikalen Auflösung.
Nebenbei: Früher waren LC-Displays zur Bildkontrolle ein Extra, was sich die Hersteller bezahlen ließen. Panasonic baute erst in den großen Modellen ausklappbare Displays ein, die NV-DS8 gab es auch als NV-DS11, aber 300-500 Mark teurer, hattee dafür aber auch Sucher und farbdisplay. Warum es heute umgekehrt ist, liegt wohl in der günstigen Herstellungsmöglichkeit von LC-Displays. Sucher wären mir allerdings bedeutend lieber.
Tonqualität
Weshalb ich überhaupt immer mal nach Camcordern geschaut habe, ist die vergleichsweise schlechte Tonqualität der S9. Sehr mittenlastig, im Hochtonbereich eher dumpf, jedes Nokia-Handy nimmt Ton besser auf (das Nokia N8 sogar in Stereo). Aus diesem Grund war für mich der Audiotest sehr wichtig, zumal mich auch interessiert hat, ob die Festplatte hörbar ist. Ich war sehr positiv überrascht, da sowohl Objektivgeräusche, als auch Festplatte, relativ unhörbar sind. Bei normaler Geräuschkulisse (Zimmerlautstärke) fällt kein akustisches Eigenleben der Kamera auf, die Festplatte scheint gut gekapselt. Man sollte auch bedenken, dass bei Cameras mit Bandlaufwerken immer etwas hörbar war, auch das Eigenrauschen der Mikrofone sorgt ohnehin für einen gewissen Grundpegel. Wer hier mehr erwartet, sollte doch zu einem Gerät mit externem Mikrofonanschluss greifen. Um so erstaunt hat mich, dass die Objektivgeräusche bei der eigentlich baugleichen S70 (ohne Festplatte) um so deutlicher hörbar sind. Fertigungstoleranz oder Defekt? - Bei der H100 jedenfalls alles bestens.
Nachbearbeitung
Die Dateien werden als MPEG-2 auf der Festplatte bzw. Speicherkarte abgelegt. Um diese in den PC als MPEG-Files zu bekommen, kann man entweder die mitgelieferte Software nutzen, oder man nimmt ein Tool wie SDcopy, was die Aufgabe des Kopierens oder Umbenennens übernimmt. Der Vorteil bei der Festplatte ist, es lassen sich auch VIdeos archivieren und sie bietet genügend Platz, SD-stressfrei zu filmen, ohne dass man an Speichergrenzen käme. Ich hatte schon geschluckt, als ich sah, dass eine SD-XC-Karte mit 64 GB von Panasonic ca. 400 Euro kosten sollte, da ist das Preis/Leistungsverhältnis hier deutlich besser. Videos lassen sich übrigens auch direkt in der Kamera nachbearbeiten, teilen oder löschen. Eine Kopierfunktion, um beispielsweise Clips von Platte auf SD und umgekehrt zu verschieben, habe ich nicht gefunden. Ist eine SD-Karte eingelegt, wird die Kamera als zwei Laufwerke am PC erkannt, so dass über den Explorer direkt darauf zugegriffen werden kann.
Fazit
Da ich die Bildqualität bewußt ausgeklammert habe und mich mehr auf andere Punkte konzentriert habe, scheint diese Kamera für mich ein solides und qualitativ gutes Gerät zu sein. Vor Allem die optimale Tonqualität ist für mich ein klares KAufkriterium. Wer sie noch bekommt, sollte die SDR-H85 bevorzugen: MPEG-4-Aufnahme zusätzlich, ansonsten alles identisch, außer die etwas ältere Software. Mir persönlich hat jedoch der Test gezeigt, dass es sich doch lohnt, sich mit AVCHD auseinanderzusetzen, zumal die Camcorder inzwischen bezahlbar sind und die Sensoren auch eher an das heran kommen, was man von alten Camcordern gewohnt ist. Ich finde es schade, dass Panasonic nicht wenigstens 3CCD-Sensoren einbaut und kein adäquates Modell zur SDR-S150 mehr anbietet.