So etwa alle 4 oder 5 Jahre wird bei mir ein neuer Camcorder fällig, und das seit etwa 1990. Der letzte gehörte bereits zur Mini-DV-Fraktion, es war ein JVC GR-DVP3E, ein winzig kleiner "Einchipper". Von diesem war ich schon eine sehr gute, nahezu sendefähige Bildqualität gewohnt. Ich wollte nun noch eine gewisse Steigerung, zumal mir nach der Anschaffung eines Breitbild-TV auch das Feature eines echten 16:9-Bildes wichtig war. Es dauerte nur ein, zwei Tage, bis ich mich nach der Recherche im Netz für den 320er Panasonic entschieden hatte. Inzwischen habe ich ihn und habe ihn auch schon ausgiebig getestet.
Ich versuche mich so kurz wie möglich zu fassen: Die Bildqualität, und die ist immer das vorherrschende Merkmal, wenn ich ein solches Gerät bewerte, ist über jeden Zweifel erhaben! Ein Unterschied zum professionellen SD-Fernsehen ist definitiv nicht mehr auszumachen. Die Farben sind äußerst naturgetreu, vor allem, wenn man gelegentlich den manuellen Weißabgleich bemüht. Auch sind sie angenehm zurückhaltend, keine übertriebene Sättigung. Grüntöne kommen geradezu sensationell natürlich. Die Auflösung ist so hoch, dass man beim Filmen eines 90m entfernten Hauses in kürzester Brennweite noch die Dachpfannen erkennen kann. Das Leica-Objektiv ist sicher - neben den 3 CCD-Chips - mit für diese Spitzenqualität verantwortlich. Zu bemängeln ist aber, wie bei fast allen Consumergeräten, die zu lange Anfangsbrennweite von equiv. 41mm, die kaum in den Weitwinkelbereich reicht. Durch das 37mm-Filtergewinde ist die Adaption handelsüblicher Weitwinkelvorsätze aber kein Problem. Ich habe ausgezeichnete Erfahrungen mit einem 0,6-fach-Vorsatz von Kodak gemacht, der eigentlich für digitale Fotokameras entwickelt ist. Bis in die Ecken scharf, kaum Farbsäume!
Der AF arbeitet schnell und präzise. Bei ausreichend Licht kennt er auch keine Unsicherheit bei der Scharfstellung. Das Tolle: man kann bis zur Frontlinse rangehen. Per Menü lässt sich auch Telemacro aktivieren!
Die Qualität der auf SD-Karte speicherbaren Fotos ist "so-lala". Gegen eine "echte" Digicam mit mehr als 2 MP kommen diese Bilder nicht an, aber für gelegentliche Schnappschüsse mag es reichen.
Die eingebauten Mikrofonkapseln sind ausgezeichnet gegen Körperschall gedämpft, keinerlei Laufgeräusche aus dem Camcorder-Inneren trüben den recht guten Ton. Nur bei Wind, schon ab Stärke 3, wird lautes Donnern hörbar, das sich durch ein zuschaltbares Tiefenfilter etwas dämpfen lässt. Ein externes Mikro lässt sich nicht anschließen, ebenso kein Kopfhörer. Hier hat man eventuell am falschen Ende gespart, zumal nur zwei Buchsen und ein paar cm Draht notwendig wären, um dieses Feature zu realisieren...
Bei schwachem Licht arbeitet der Dreichipper ganz ordentlich, das Rauschen ist erträglich, Wunder sollte man aber nicht erwarten.
Von der Ausstattung her ist der GS320 ziemlich abgemagert, allerdings werden die meisten Filmer zugeben müssen, dass sie die bei anderen Kameras zahlreichen Gimmicks wie Überblend- und Digitaleffekte kaum benutzen. Sowas fügt man tunlichst erst beim Schnitt am PC ein. Immerhin sind Blende, Fokus, WB und Shutter manuell einstellbar. Zusätzlich gibt es eine handvoll Motivprogramme.
Der Camcorder ist eindeutig auf optimale Bildqualität hin entwickelt, dafür bekommt man woanders für unter 500 Euro auch nichts besseres!
Die Bedienung ist ok. Leute mit großen Händen könnten bei dem einen oder anderen Knöpfchen Probleme bekommen, ich habe keine. Für die Navigation in den Menüs ist ein kleiner Joystick an der Rückseite zuständig, der leicht mit dem Daumen bedient werden kann. Beim Zuklappen des LCD-Suchers und/oder des Monitors schaltet sich der Camcorder automatisch aus, wenn er auf "Aufnahmepause" steht, beim Aufklappen wieder ein. Praktisch! Das passiert aber nicht, wenn das Band läuft.
Der mitgelieferte Akku mit 640 mAh ist allerdings ein Witz. Damit kann man, realistische Bedingungen vorausgesetzt (Ein- und ausschalten, zoomen, mal mit, mal ohne Monitor) kaum mehr als 20 Minuten Band bespielen. Es empfehlen sich zwei oder drei Akkus der nächsten Größe (bei Fremdfabrikaten 1400-1600 mAh). Es gibt auch noch dickere mit 3000 mAh, die stehen aber sehr weit vor (Sucherbenutzung wird bereits schwierig) und machen den Camcorder hecklastig. Originalakkus sind unverschämt teuer, no name-Typen vom Versandhandel oder Ebay sind für 5-15 Euro zu haben.
Das mitgelieferte Schnittprogramm ist brauchbar, für erste Versuche oder nicht überzogene Ansprüche mag es auch auf die Dauer befriedigen.
Kurz und gut: der Panasonic NV-GS320 ist ein Camcorder mit sehr guter Bildqualität zu einem bisher nie dagewesenen Preis, der demjenigen Filmer gefallen wird, der auf übermäßig viele Gimmicks und (leider) auch auf ein externes Mikro verzichten kann, weil er die Filme sowieso am PC nachbearbeitet. Oder jemandem, der einfach unbeschwert filmen will und sich über die überragende Bildqualität freuen will. Ich bin jedenfalls begeistert.
Mein Tipp: kaufen!