Vater des Gedanken bei der HX-WA-10 war sicherlich eine Kamera zu entwerfen, die gute Fotos und Videos in gleicher Qualität liefern und obendrein Wasserdicht sein sollte. Zum Teil ist dies sicherlich gelungen...
Der Wunsch scheint so einfach: Foto, Video, Wasserdicht, Robust, Handlich, günstig. Und doch scheint es keinen Hersteller auf der Welt zu geben, der eben alle diese Wünsche zur vollen Zufriedenheit in ein Gehäuse zu zaubern vermag. Zummindest nicht zu diesem Preis.
1. Die Tonqualität
Mit 256kbit/s 48Khz und Stereo wird im AAC-LC Codec aufgezeichnet. Eigentlich ok, aber die Rauschunterdrückung hat man offenbar einfach vergessen. Und so klingt es zum Schluss wie in guten alten Schallplatten-Tagen, wenn man sich das Up-to-Date-FullHD Video auf dem heimischen Flachbildschirm ansieht. Das ist einfach unnötig und auch technisch nicht nachzuvollziehen.
2. Der Zoom
Für progressive Videos: 41,5mm - 498mm (entsprechend KB)
Für interlaced Videos: 41,5mm - ca.300mm (KB)
Für Fotos: 41,5mm - max.208mm (KB)
Was diese Trennung soll? Das frage ich mich allerdings auch - In den technischen Daten taucht davon nichts auf. Fakt ist allerdings, daß die Kamera "zurückrutscht", sobald man versucht bei vollem Zoom ein Foto zu machen. Je nach Einstellung ist das Maximum 208mm (KB). Bei voller 16MP-Auflösung sind es sogar nur 192mm. Bei Interlaced-Videos, also vor allem bei 1080i60 lassen sich ebenfalls die 498mm nicht komplett nutzen. Irgendwo bei 300mm oder noch weniger ist Schluss. Ich kann mir diesen Umstand absolut nicht erklären, aber er scheint von Panasonic so gewollt.
3. Die Bedienbarkeit
Frikelig ist garkein Ausdruck. Ich habe bislang gut 20 Digitalkameras mein eigen nennen dürfen, aber so eine schlechte Bedienbarkeit habe ich noch nicht erlebt. Das liegt nicht am Menü selber, sondern an der Hardware zur Navigation. Versenkte Microschaltwippen sorgen für ordentlich Frust beim Einstellen. Da kann man sich nur damit trösten, daß es dank der intelligenten Automatik auch nur selten nötig ist, das Menü aufzurufen. Dennoch, Videos anschauen, verwalten, löschen usw... wird zur Geduldsprobe auch für zierliche Finger. Hier liegt der Fokus eindeutig auf der Prämisse wasserdicht zu sein.
Abgeschaut von Sanyo's Xacti wurde das gesamte Design und demnach auch das der Video/Foto- und Zoomtaste. Allerdings hat man es etwas verschlechtert. War es bei Sanyo's Xacti ohne weiteres möglich diese auch mit dem Skihandschuh zu bedienen, geht dies bei der HX-WA10 definitiv nicht mehr. Schade, denn die Idee, Hauptbedienelemente schnell und einfach zugänglich zu machen ist meiner Ansicht nach ein Schritt in die richtige Richtung.
4. Der Bildstabilisator
Die HX-WA10 verfügt nur über einen EIS (Elektronischer Bildstabilisator) und keinen OIS (optischer Bildstabilisator). Der direkte Vergleich mit einer TZ-22 (OIS) fällt niederschmetternd aus. Während die TZ-22 das Bild harmonisch festhält ohne es fest zu tackern. Versagt der EIS bei der HX-WA10 im vollen Zoom quasi komplett. Selbst mit geübter ruhiger Hand wird ein Zoom immer von enormem Zittern begleitet und an weiche Schwenks im Vollzoom ist garnicht zu denken. In vielen Fällen fährt man besser, wenn der Stabilisator einfach abgeschaltet wird.
5. Bildqualität
Fotos werden in JPG, Videos als AVC (Advanced Video Codec - H.264) in einem MP4-Container gespeichert. Die Datenrate der Videos liegt um die 17Mbit/s. Die Kamera ist alles andere als Lichtstark und so rauschen Bilder und Video bei Dämmerung teilweise recht ordentlich. Bei klaren Bedingungen weiß das Ergebnis aber durchaus zu überzeugen. Ehrlich gesagt empfinde ich die Bildqualität als das größte Plus der Kamera. Sicher gibt es weit besseres, aber nicht in Verbund mit der Flexibilität und zu dem Preis.
6. Wasser
Ja, sie ist Wasserdicht. Natürlich nur bei geeigneter Vorsorge. Eigentlich kann man nicht viel falsch machen, aber offenbar scheint der Fehler im Detail zu liegen, denn einige Leute berichten eben doch über Wassereinbruch nach kurzer Zeit. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen, aber es kann ja sein, daß durch schlechte Fertigungstoleranzen manche Kameras dichter sind als andere. Meine ist jedenfalls dicht, auch wenn man kurzfristig auf unter 5m taucht. An alle, die zu diesem Preis eine vollwertige Kamera für ihr Tauch-Hobby erwarten sei gesagt, daß normalerweise ein simples Unterwasser-Gehäuse schon zwischen 200.- und 600.-EUR kostet.
7. Sonstiges
Der Kartenschacht ist mehr als unglücklich angeordnet. Jedesmal wenn man die SD-Karte entfernen will, muss man zunächst den Akku entfernen. Das nervt einfach nur.
Fazit:
Insgesamt hinterläßt die HX-WA10 also mehr negative als positive Eindrücke und man ist geneigt 2-3 Sterne zu geben. Dieses Resumee täuscht allerdings und offenbart eigentlich nur die übersteigerte Erwartungshaltung. Kehrt man nun nämlich an den Anfang zurück und hinterfragt die eigenen Wünsche (Foto, Video, wasserdicht, kompakt, robust, handlich und günstig) so fällt einem auf, daß alle dies durchaus erfüllt wurde... Nur eben nicht so perfekt, wie der eine oder andere es eben gerne hätte. Mal ehrlich, was muss eine Kamera für unter 300.-EUR alles können um zu gefallen? Daran und an der Tatsache bemessen, daß sich alleine für das Attribut "wasserdicht" gut eine Extra-Kamera kaufen ließe, muss man einfach gestehen, daß die HX-WA10 alles in allem eine unter den eigenen Anforderungen liegende, aber dennoch ausgewogene Leistung abliefert.
Bleibt nur die eine, bittere Frage: Wieso ist sie nicht 200.-EUR teurer, dafür aber in allem etwas besser?