Auf der Suche nach einem handlichen, intuitiv bedienbaren und preiswerten Camcorder, stieß ich auf den Panasonic HC-V100, der inzwischen seit etwa einer Woche in meinem Besitz ist und mein erster Camcorder überhaupt ist. Obwohl das Gerät in einer sehr niedrigen Preisklasse angesiedelt ist, konnte es meinen Erwartungen gerecht werden, wenn auch nicht übertreffen.
Handhabung:
Das Gerät ist tatsächlich sehr einfach zu bedienen. Die Automatik für Belichtung und Fokussierung leistet nach meinem Empfinden gute Arbeit, fortgeschrittenen Benutzer werden sich über einige manuelle Einstellmöglichkeiten freuen, die nicht immer selbstverständlich sind. Die Bedienung des Menüs erfolgt über 6 kleine Knöpfe. Andere Nutzer mögen diese als 'zu winzig' empfinden, ich aber nicht, denn das hat seine Berechtigung und Vorteile: Zunächst muss ich sagen, dass ich froh bin keinen Touch-Screen zu haben, denn so kann ein kleineres, stromsparendes Display verbaut werden, der trotzdem groß genug ist, um alles zu erkennen (weil kein störender Finger über das Bild schwebt). Konsequenz daraus ist der Einsatz von Knöpfen als Bedienelemente. Zwar sind diese recht klein, allerdings in solchen Abständen angeordnet, dass es i.d.R. nicht zu Fehlbedienungen kommt.
Verarbeitung:
Was die Verarbeitung angeht, braucht sich niemand etwas vormachen. Es handelt sich um ein Einsteigermodell für 300€ (lt. Hersteller), mit Plastik wo man auch hinschaut. Bemerkbar macht sich das aber nur bei der Bedienung des Displays, wenn dieses unter Druck nachgibt und gelegentlich leise knarrt. Persönlich stört mich das wenig, denn dafür ist die Kamera ja auch günstig und macht gute Aufnahmen.
Bildqualität:
Das bringt uns zum vielleicht wichtigsten Aspekt. Über das Bild der Kamera lässt sich meines Erachtens nicht wirklich meckern. Allein durch die Full-HD Auflösung kommt insgesamt ein sehr stimmiges Bild herüber, egal ob im Freien oder im Zimmer. Da lassen sich auch das, bei genauerem Hinschauen ersichtliche, geringfügige Bildrauschen und die etwas schwachen Farben verschmerzen, zudem eröffnen manuelle Einstellungen die Möglichkeit zur gezielten Bildverbesserung. Ich gebe zu bedenken, dass dieser Umstand vermutlich jede Einsteigerkamera betreffen wird. Der Bildstabilisator leistet jedenfalls so gute Arbeit, dass ein Kauf des nächst teureren Modells mit besserem Bildstabilisator(HC-V500), allein deshalb nicht notwendig wird. Das bringt mich allerdings zum nächsten Punkt. Ein wichtiger Unterschied zum großen Bruder ist nämlich, dass dieser sowohl die Auflösung 1080p/50i als auch 1080p/50p beherrscht, während die HC-V100 einzig den 50i-Modus bietet. Das heißt konkret: das Bild liegt nur in 25Bildern pro Sekunde vor, wird vom ausgebenden Gerät, im Zeilensprungverfahren (siehe Wikipedia) aber in 50 Bilder pro Sekunde dargestellt. Dieser Unterschied wird dem Betrachter unter Umständen aber gar nicht so deutlich auffallen. Ich jedoch konnte starke Unterschiede zwischen verschiedenen Abspielprogrammen bzw. Codecs feststellen. Konkret konnte der Windows Media Player die Videos nahezu einwandfrei anzeigen, während ich beim populären VLC-Player, die typischen Artefakte aus dem Zeilensprungverfahren beobachten konnte (Treppenbildung: sieht aus wie ein verwischtes Bild und lässt den Eindruck entstehen, der Camcorder erzeugt ein schlechtes Bild). In aller Deutlichkeit muss aber erwähnt werden, dass dadurch auch weniger Speicherplatz verbraucht wird, als bei 1080p/50p. Die Wahlfreiheit hat man, wie bereits angedeutet, erst ab der Panasonic HC-V500 bzw. anderen Herstellern. Dennoch: per se liefert die HC-V100 ein gutes, zufriedenstellendes Bild.
Tonqualität:
Oftmals wird in dieser Preisklasse die schlechte Tonqualität angeführt. Grundsätzlich sollte man bei auch bei diesem Gerät keine Wunder erwarten. Nach meinem subjektiven Empfinden leistet die Panasonic trotzdem gute Arbeit und exakt das was von einem derartigen internen Mikro zu erwarten ist. Wer den Camcorder bedient, wird sehr deutlich und klar zu verstehen sein, wer 3-4 Meter vor der Kamera steht, kann auch gut verstanden werden, nur eben etwas leiser. Es sollte jedoch jedem klar sein, dass Konzerte oder andere Tonvorführungen aus Lautsprechern blechern klingen werden. Solche Szenarien sind allerdings auch nicht das typische Einsatzgebiet der Panasonic. Wer auf guten Ton Wert legt, sollte dann lieber zu einer Kamera wie der Panasonic HC-V707 greifen, die mit einem Mini-Klinken Anschluss ausgestattet ist und so die Kopplung mit einem externen Mikro erlaubt.
Besonderheiten der Kamera/Unique Selling Proposition:
Was diese Kamera trotz ihrer Mittelmäßigkeit (eher im Sinne von Ausgewogenheit) auszeichnet, ist die ausgesprochen gute Akkulaufzeit gepaart mit der bereits erwähnten Qualität von Bild und Ton. Wahrscheinlich durch den Verzicht auf Touch-Screen und weiteren (entbehrlichen!?) Funktionen ist eine Aufnahmedauer von etwa 160min (lt. Hersteller) im Dauerbetrieb durchaus realistisch. Auch im praxisnahem Gebrauch, mit häufigem Ein 'und Ausschalten sowie der Verwendung des Zooms wird kein Käufer enttäuscht werden. Für eintägige Veranstaltungen, wie z.B. Hochzeiten, können ein-oder zwei Akkuladungen wahrscheinlich ausreichen. Im Vergleich: die etwa doppelt so teure HC-V707 mit Standardakku erreicht gerademal 60min im Dauerbetrieb (was vom Hersteller gern verschwiegen wird). In diesem Sinne gilt je nach Kundenbedürfnis: Weniger ist manchmal mehr! Abgesehen davon ist auch der Weitwinkel hervorzuheben, der auch im beengten Raum viel Bild einfangen kann. Zudem laden die sehr kompakten Abmaße geradezu ein, um den Camcorder zum alltäglichen Begleiter werden zu lassen!
Fazit:
Diese Kamera wird keinen preisbewussten Käufer und Gelegenheitsfilmer enttäuschen, der sich mit grundlegenden Funktionen zufrieden gibt und dem einfache Handhabung, kleine Bauform und eine lange Akkulaufzeit wichtiger sind als teuer erkaufte Spitzenqualität in Bild und Ton, die ohnehin nur in einer ganz anderen Preisklasse zu erwarten ist.