Habe mich auf das Leica sehr gefreut, da 50mm Äquivalentbrennweite noch dazu so lichtstark zu den "klassischsten" Objektiven überhaupt gehören. Auf mFT entspricht der Tiefenunschärfe-Effekt bei Offenblende etwa f/2.8 auf Kleinbild bezogen, also doch etwas Potential vor allem im Nahbereich, wenn auch nicht gewaltig. Ein 50mm f/1.8 auf Kleinbild sieht dann doch noch etwas extremer aus.
Der Tiefenschärfe-Unterschied zum populären 20mm Pancake ist zwar vorhanden, aber in vielen Fällen vernachlässigbar, wenn man die Brennweitenunterschiede durch die Aufnahmedistanz ausgleicht.
Enttäuscht hat mich das Objektiv aber im Bezug zur Größe/Preis und vor allem da im direkten Vergleich zum 20mm Pancake. Sogar auf f/4 abgeblendet, zeigt das Leica an manchen Stellen im Bild gewisse Unschärfen, die beim Pancake bereits knackscharf sind. Die Unschärfen sind über das Bild verteilt, fast so als würde man durch ein altes Fensterglas durchfotografieren. Aber nicht einmal in der Mitte kann das Leica mit dem Pancake mithalten. Das Pancake ist sogar da schärfemäßig überlegen und erreicht bereits bei f/3.2 ein Optimum.
Sehr interessant die Tatsache, dass das Leica genauso wie die meisten "billigen" mFT Objektive auch auf Softwarekorrektur zur Verzeichnung setzt. Obwohl Leica sich immer strikt gegen Softwarekorrekturen ausspricht, benötigt das 25mm fast genauso eine starke Entzerrung wie das 20mm Pancake, was normalerweise im Randbereich zu einer weiteren Unschärfe führt, wenn man besonders kritisch ist. Meine Schärfetests habe ich übrigens auf Pixelebene aus RAW ohne Softwarentzerrung durchgeführt.
Ich muss gestehen, dass mich das Leica sehr enttäuscht hat. Bei der doppelten Größe und beinahe dem doppelten Preis ist es nur marginal lichtstärker und vor allem unschärfer als das Pancake. Ich hätte ins Korn gebissen und gerne das größere und schwerere Leica rumgetragen, wenn es wirklich superscharf gewesen wäre. Aber so bleibt das Pancake oben und ich bin froh damit Platz und Gewicht gespart zu haben (ganz zu schweigen von der finanziellen Seite).
Ich mag vielleicht sogar ein defektes Exemplar erwischt haben, aber gerade wenn ein Objektiv unter dem Label "Leica" vertrieben wird, sollte ein gewisses Maß an Qualitätskontrolle gewährleistet sein, auch wenn es in Wahrheit mit Leica nur den Namen gemein hat. Doch auch die bekannten Vergleichsfotos von Peter Lück zwischen dem Leica und dem Voigtländer Nokton zeigen, dass das Leica schärfemäßig bei weitem nicht mit dem Nokton mithalten kann. Dem Nokton fehlt eben leider der Autofokus und es ist noch größer und schwerer.
Das Leica fokussiert zwar schneller als das Pancake, aber auch beim Leica macht der Autofokus einen etwas "kratzenden" unruhigen Eindruck und es kann von der Geschwindigkeit bei weitem nicht mit den 14-45 oder 14-140 Objektiven mithalten.
Für mich leider ein nein, vielleicht bringt ja Olympus in dieser Brennweite noch etwas besseres und leichteres raus, aber dieses Leica trägt nur den Namen.