Seit einigen Jahren kenne ich die ein oder andere Panasonic Digitalkamera aus eigener Erfahrung. Ich nutze die LC1, FX8, FZ8, L1 und hatte mehrere Wochen lang die FX500. Der Vergleich mit älteren Lumix-Modellen fällt mir also leicht.
Fast könnte man meinen, die LX3 wäre eine Mischung aus der alten LC1 Bridgekamera mit dem hervorragenden Leica 28-90/2.0-2.4 (KB) und der alten FX8 Minikamera. Das Objektiv der LX3 reicht natürlich nicht an die LC1 heran und die LX3 ist größer und schwerer als eine Kamera der FX-Serie. Ganz abwegig ist der Gedanke allerdings nicht, daß Panasonic der Versuch, LC1, FX8 und sogar L1 DSLR in einem Gerät zu vereinen, gelungen ist.
Vorbildlich ist die Verarbeitung der LX3. Das ist bei Lumix-Kameras zwar nicht ungewöhnlich, dennoch war ich froh, keine Mängel im Detail erkennen zu müssen, wie ich sie zuletzt bei mehreren Exemplaren der aktuellen FX500 gesehen hatte. (Knackendes Gehäuse beim Drücken des Mode-Schalters, weil die Frontplatte nicht vernünftig befestigt wurde und sich bewegte...) Die Teile sind hauptsächlich aus Metall, von den Knöpfen und dem Batteriefach abgesehen. Das Gehäuse ist rundum sauber verarbeitet, alle Teile sitzen fest, Knacken und Knirschen sucht man vergebens. Das große LCD löst angenehm auf, Pixelfehler im Display scheint es bei Panasonic ohnehin nicht zu geben, ich selbst hatte bisher jedenfalls keine. Der Ein/Aus-Schalter ist nicht so wackelig wie bei der FX500.
Die Schutzabdeckung für das Objektiv - welches relativ rabiat ausfährt - ist nicht unbedingt für Grobmotoriker oder Wurstfinger geeignet. Das Abnehmen mag noch gehen, beim, Anbringen sollte man allerdings höchste Aufmerksamkeit walten lassen. Ich kann mir gut vorstellen, daß die heute gängigen Alkoholtests künftig dadurch abgelöst werden, daß man den Autofahrern eine LX3 übergibt und sie auffordert, den Objektivschutz zu befestigen...
Der Tragegurt der LX3 fällt positiv auf. Man kann die Kamera um den Hals hängen. Beim Radfahren und Wandern ist das praktischer als die üblichen Handschlaufen.
Der Akku ist der LX3 ist ein alter Bekannter aus der FX8, bei mir sorgte das für Freude und sparte mir 50 Euro für einen Zweitakku.
Der optische Sucher ist getrennt erhältlich und kann auf den Blitzschuh gesteckt werden. Vollkommen überzogen ist die Preisvorstellung von Panasonic. Mit etwa 50 Euro hatte ich gerechnet, 250 Euro soll dieses winzige Stück Glas kosten. Für den gleichen Preis gibt es brauchbare Festbrennweiten für digitale Spiegelreflexkameras zu kaufen...
Die Bildqualität der LX3 ist für eine Kamera dieser Größe beachtlich. Wer Kameras aus der Zeit der FX8 oder LC1 kennt, weiß, daß alle ISO-Werte jenseits der 100 in der Praxis unbrauchbar waren, zumindest bei Panasonic. Wie schon bei der FX500, kann man auch bei der LX3 bedenkenlos bis ISO 400 gehen. In Verbindung mit der ISO-Automatik, bei der man den maximalen ISO-Wert festlegen kann, ist das sehr nützlich. OIS arbeitet gewohnt zuverlässig, wie immer sollte man es im Mode 2 laufen lassen.
Das Objektiv bildet auch bei voller Brennweite, die lobenswerterweise auf 60 mm (KB) begrenzt wurde, ausgesprochen gut ab, für ein Gerät dieser Größe eigentlich hervorragend.
Wie bei Panasonic üblich, kann der automatische Weißabgleich bei Bewölkung nicht wirklich überzeugen, man sollte ihn in solchen Situationen manuell auf "Wolken" stellen.
Die Kamera fokussiert schnell, ich wähle gewöhnlich 1-Feld-Highspeed. Im Makromodus dauert das Fokussieren allerdings oft länger, als man es sich wünscht.
Das Schreiben der Fotos auf die Speicherkarte in der Kombination Jpeg + RAW geht verhältnismäßig schnell.
Die auf Wunsch vollständige manuelle Kontrolle bis hin zum manuellen Fokussieren ist besonders in Extremsituationen sehr hilfreich. Das manuelle und freie Festlegen des AF-Punktes ist genau so angenehm wie die Funktion, die versucht, die Schärfe bei bewegten Motiven nachzuführen.
Die mitgelieferte Software Silkypix liegt mittlerweile in der Version 3 vor. Besitzer der L1 DSLR wird es freuen, daß man auch die RAW-Daten dieser Kamera mit Silkypix verarbeiten kann. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, die zur L1 mitgelieferte Silpypix-Version konnte allerdings keine Fotos der LC1 öffnen. Aufnahmen aus der LC1 erkennt Silkypix 3 übrigens nicht.
Mein Fazit: Wer die Leistungsfähigkeit, aber auch Größe und Gewicht von digitalen Spiegelreflexkameras kennt, wird in der LX3 keinen wirklichen Ersatz, dennoch eine praxistaugliche, angenehme Ergänzung finden. Wer bisher nur digitale Kompaktkameras genutzt hat, wird in der LX3 einen großen Schritt nach vorn sehen.
Ergänzung:
Panasonic bietet für die LX3 verschiedene Taschen an. Die klassisch anmutende Originaltasche aus schwarzem Leder ist zweiteilig. Das Unterteil wird am Stativgewinde der LX3 verschraubt. Die "Schraube" ist so gestaltet, daß in ihre Unterseite ein Stativkopf geschraubt werden kann. Die LX3 kann also in der Tasche verbleiben, wenn sie auf einem Stativ befestigt ist. Das Oberteil der Tasche ist mit drei Druckknöpfen am Unterteil befestigt. Es kann für schnelle Schnappschüsse zurückgeklappt oder bei längeren Fototouren abgenommen werden. Der Innenbereich dieser hochwertig verarbeiteten Tasche ist mit weichem Stoff ausgekleidet. Besser können die Taschen alter Analogkameras seinerzeit kaum gewesen sein.
Die Tasche ist nicht günstig, wertet die LX3 aber enorm auf. Sie schützt die Kamera und sieht gut aus. Außerdem kann man die LX3 besser greifen und stabiler halten, wenn sie in der Originaltasche sitzt.
Unverständlich ist, warum in Deutschland nur eine einfache Tasche für die LX3 angeboten wird. Die "richtige" Tasche muß man in Japan oder in USA/Kanada einkaufen, im Internet ist das kein Problem. Nicht vom Preis abschrecken lassen, es lohnt sich wirklich... Sie nennt sich DMW-CLX3.
2. Ergänzung - Oktober 2009:
Mittlerweile hat Panasonic die Kamerasoftware Version 2.0 veröffentlicht. Es gibt einige Ergänzungen und Verbesserungen, die zeigen, daß man die LX3 bei Panasonic auch weiterhin "ernst" nimmt und pflegt. Persönlich freue ich mich am meisten über die folgenden Änderungen:
Der Name des Fotografen kann endlich im Kameramenü eingegeben werden, auf Wunsch zusätzlich die eigene Internetseite usw...
Die LX3 erlaubt es nun, daß die Kamera sich die letzte Position des Menüs merkt. Ruft man das Menü zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf, startet es an der zuletzt verwenden Stelle. Das erspart das erneute Durchklicken der einzelnen Menüseiten. Sehr praktisch.
Nicht weniger praktisch ist die neue Funktion der LX3, sich die aktuelle Brennweite des Zoomobjektivs zu "merken". Schaltet man in den Wiedergabemodus, fährt das Objektiv bekanntlich kurz danach ein. Ein Zurückschalten in den Aufnahmemodus führte bisher dazu, daß das Objektiv in seine Ausgangsposition von 24 mm (KB) ging. Das passiert nicht mehr, hatte man zuvor 50 mm eingestellt, fährt es nun auch wieder genau an diese Position. Das trifft auch auf den manuellen Fokus zu.
Die Belichtstungsanpassung ist nun bis +3 und -3 möglich, bisher lag die Grenze bei +2 bzw. -2.
Das Bildformat 1:1 ist nun im Menü auswählbar. Kreative Leute werden das zu schätzen wissen. Die LX3 bietet jetzt die Formate 3:2, 4:3 und 16:9 ohne Auflösungsverlust und 1:1 mit (naturgemäß) entsprechendem Verlust der Auflösung.
Nach einem Jahr mit der LX3 bin ich noch immer sehr zufrieden mit der kleinen Kamera. Neben der LX3 habe ich eine Nikon D3, meine persönliche Meßlatte liegt entsprechend hoch. Natürlich gibt es enorme Unterschiede zwischen diesen beiden Kameras. Das, was die D3 im Bereich professioneller Spiegelreflexkameras ist - die derzeit beste Wahl für Fotografie bei schwachem Licht - ist die LX3 für Minikameras. Es macht einfach Spaß, mit diesem kleinen Ding unterwegs zu sein. Ich bin gespannt, was die LX4 im nächsten Jahr bieten wird. Viel muß sich meiner Meinung nach nicht verändern. Die ohnehin gute LCD-Auflösung könnte man verdoppeln, das Rauschverhalten sollte optimiert werden, so daß ich die Grenze, die ich bei der LX3 auf ISO 400 gelegt habe, auf 800 erhöhen kann. Außerdem wünsche ich mir endlich einen Anschluß für einen Kabelfernauslöser.