Wie der Titel schon andeutet, sprachen Ende 2010 für den Panasonic Blu-ray-Recorder vor allem zwei Argumente: es gab ihn, und er hatte keine Konkurrenz. Die Grundausstattung mit Festplatte, Blu-ray-Recorder und zwei HD-Sat-Tunern ist der richtige Ansatz. Die Modelle werden alternativ mit 250 GB oder 500 GB Festplatte und in silber oder schwarz angeboten.
So geniert man sich, Kritik zu üben; aber wenn man bedenkt, dass man doch recht stolze Preise für die Geräte bezahlen muss, fragt man sich auch, ob man nicht etwas mehr Kundenfreundlichkeit und Leistung verdient hätte - vor allem aber mehr Kapazität:
HD-Filme in 720p, wie sie von ARD, ZDF und arte ausgestrahlt werden, benötigen etwa den 3-fachen Platz von herkömmlichen Video-Dateien. Dennoch schränkt Panasonic hinsichtlich der Festplatten-Kapazität seine Kunden auf einen Bruchteil der aktuellen technischen Möglichkeiten ein. Auch das Preis/Leistungs-Verhältnis ist kritisch: Nach heutigen Preisen hätte man alleine für den Aufpreis vom "kleinen" auf das "größere" Modell statt nur 250 GB mehr locker die 8-fache Kapazität erhalten müssen. Auch selbst nachrüsten wird anscheinend blockiert - wie Panasonic mitteilte, kann "keine größere, andere Festplatte verwendet werden".
Wer meint, 36 (DMR-BS785) bzw. 76 Stunden (DMR-BS885) HD-ready-Kapazität seien reichlich: Glückwunsch! Andere werden mit 18 bzw. 38 HD-Filmen nicht weit kommen - insbesondere nicht, wenn man die Werbung nicht löschen darf.
Über einen Kauf des Panasonic sollte man also nur nachdenken, wenn man bereit ist, aufbewahrungswürdige Filme grundsätzlich auf Disc auszulagern - was aber bei verschlüsselten Filmen i.a.R. vom Kopierschutz blockiert wird!
Es folgt eine ständig aktualisierte Auflistung unserer Beobachtungen seit November 2010. Natürlich ist nicht jeder Punkt für jeden gleich wichtig. Allerdings kann man oft erst beurteilen, was nützlich ist, wenn man etwas kennt. In dieser Hinsicht waren wir vom 5 Jahre alten Topfield 5000 PVR TWIN Satelliten-Receiver mit 500 GB Festplatte verwöhnt, der einige nützliche Funktionen bietet, die dem viele Jahre neueren Panasonic fehlen.
Der Übersichtlichkeit wegen sind die einzelnen Punkte mit Stichworten versehen und alphabetisch geordnet.
AUFNAHMEN: Der Panasonic vergibt "automatisch" Kategorien für TV-Aufzeichnungen; diese Kategorien sind oft unsinnig und eigentlich immer nutzlos. Siehe dazu das hochgeladene Foto.
AUFNAHME-PROGRAMMIERUNG: Man kann "vor" und "nach" Aufnahmeprogrammierungen Reservezeiten sowohl individuell als auch standardmäßig (maximal 10 Minuten) vorgeben. Längere Vor- bzw. Nachläufe kann man von Hand einstellen.
BEAMER-BETRIEB: Obwohl Panasonic Beamer vertreibt, wurde bei der Fernbedienung nicht an dunkle Räume gedacht. Es gibt keine Tasten-Beleuchtung. Unter der 10er-Tastatur fehlt ein fühlbarer Zwischenraum. Die um den Cursor herum angeordneten Haupt-Funktionen wie "Guide", "Direct Navigator" und "Function Menu" kann man leicht mit den Pfeiltasten verwechseln. Die "delete"-Taste liegt im Nummernblock. Selbst mit viel Übung vertut man sich da häufig.
DLNA: Damit soll man z.B. auf einem PC Filme über LAN ansehen können, die auf der Panasonic-Festplatte stehen. Das funktioniert unregelmäßig - bei vielen Titeln zeigt ein "i" an, dass der Typ nicht bekannt ist. Wenn man einen zweiten Film anschauen möchte, oder wenn sich der Panasonic in Standby zurückgeschaltete hatte, muss man den Media-Player nochmals starten. Informationen erhält man über Länge, Genre (wenn man es nicht selbst eingetragen hat...), Größe (leider völlig falsch, siehe hochgeladenes Foto), Typ, Aufnahmedatum, Dateinamen und -Pfad. Kopieren, speichern und brennen darf man nicht. HD+ - Filme laufen grundsätzlich nicht über DLNA.
GERÄUSCHE: Zumindest unser 500-GB-Exemplar ist absolut leise - eigentlich hört man nur ggf. das BD-Laufwerk. Die Lade öffnet und schließt leiser als z.B. bei dem LG Blu-ray-Brenner an meinem Arbeitsplatz-PC.
GNU: Die Software der Geräte steht unter GNU-Lizenz. Das sollte mächtigen und interessierten Entwicklern ermöglichen, von Panasonic den Source-Code zu erhalten.
HDMI-ANSCHLUSS: Dazu werden teilweise falsche Informationen verbreitet. Es gibt am Panasonic nur einen einzigen HDMI-Ausgang zum Anschluss eines einzigen AV-Receivers, Bildschirms oder Beamers. Vor allem: Das ist KEIN Eingang. Über diesen Anschluss können keine Aufnahmen erfolgen. Für die Wiedergabe von Blu-ray-Filmen in Full-HD ist in aller Regel erforderlich, dass das angeschlossene Wiedergabegerät einen korrekten HDCP-Handshake abwickelt. Wo das nicht der Fall ist, wird das Bild in der wesentlich schlechteren SD-Qualität gelíefert.
INTERNET: Mit den unhandlichen und eingeschränkten Web-Funktionen weiß offenbar kaum jemand etwas anzufangen. Ein einfacher Browser hätte mehr Sinn gemacht - aber ganz offensichtlich bezahlen die wenigen Anbieter an Panasonic für die Exklusivität.
KATALOGISIERUNG: Bei der Wiedergabe von Aufzeichnungen kann man die Programm-Information nicht abrufen. Dafür muss man erst den Film stoppen. Mit dem Topfield konnte man Aufzeichnungen in Verzeichnisbäumen hierarchisch anordnen - eine solche sehr praktische Funktion sucht man beim Panasonic vergebens, mit dem schon wegen der trägen Bedienung die Übersicht über mehrere Dateien schnell verloren geht. Wenigstens bietet eine Gruppierungs-Funktion eine bescheidene Möglichkeit, die Bestände wenigsten in einer Ebene "aufzuräumen". Am übersichtlichsten ist noch die Film-Liste, die man sich am PC über DLNA anschauen kann. (siehe Fotos) Leider sind die übertragenen Daten fehlerhaft.
KOMPRESSION: Es werden mehrere Kompressionsstufen angeboten. Der Preis sind vor allem Bewegungs-Unschärfen. Ein Zwei-Stunden-Film wird in etwa einer halben Stunde komprimiert, aber nur, wenn das Ziel auf der Festplatte liegt. Natürlich ist es Unfug, einen Film erst in HD aufzunehmen und dann zu komprimieren. Bei Kompressionsläufen muss man einkalkulieren, dass wegen der schwach dimensionierten CPU sonst gar nichts mehr geht.
KOPIEREN AUF BD: Man kann ohne weiteres auf eine bereits bespielte BD-RE weitere Videos dazu kopieren. Das ist ganz klar die Star-Kompetenz des Asiaten. Im High-Speed-Modus geht das auch schnell und im Hintergrund. Wenn man aber einen Film in komprimierter Form auf Disc kopieren will, muss man 1:1 warten - für einen 2-Stunden-Film also 2 Stunden. Und das Gerät ist ansonsten blockiert.
KOPIEREN AUF FESTPLATTE: Über Datenträger gelingt nur schwer ein Transfer in den Panasonic. Manche mit PC-Software bespielte BDs kann man zwar von Disc anschauen, aber der Panasonic bietet keine Kopie auf seine Festplatte an. Generell muss man sich beim Überspielen erst durch die Menüs der DVD durchhangeln und diesen Vorlauf später umständlich herausschneiden.
KOPIEREN ÜBER LAN: Abgesehen von DLNA existiert kein Dateihandling über das Netz. Wenn man bedenkt, dass man (außer HD+) problemlos aus dem Panasonic auf BD kopieren darf und diese Kopien ebenso problemlos in PCs einlesen darf, fragt man sich, ob Panasonic das einfach nicht kann. Für technische Probleme sprechen auch die unsinnigen Angaben über die Dateigröße im DLNA-Betrieb.
MENÜS: Die Menüs sind angenehm gestaltet. Wo der Cursor steht, erscheint eine kurze Mini-Vorschau der unterlegten Aufnahme. Aber das Gerät schaltet nach kurzer Zeit "Vorschau" ab und zurück auf TV. Leider ist die Vorschau-Funktion nicht abschaltbar. Wegen der breiten Filmfelder passen nur eine Handvoll Filme (7 Einträge) auf ein Fenster: da verliert man schnell die Übersicht und muss viel und langwierig blättern. Es gibt keine Angaben zur Dateigröße, so dass man nicht überschlagen kann, was noch auf einen Wechseldatenträger passen könnte - der Panasonic macht nur "Restzeit"-Angaben.
MUSIC-CLIPS: Beim Panasonic sucht man vergeblich nach einer Lösung für Videoclips. Da sollte man doch ohne großen Aufwand die gleichen Funktionen wie für MP3-Musikdateien installieren können und gemischte Kataloge bzw. Playlisten anbieten. Wobei die mp3-Funktionen mager ausgefallen sind: Wenn man nicht jeder mp3-Datei einen ###-Präfix verpasst, bleibt der Japaner schon beim ersten Stück hängen. Zudem ist die Zahl der Titel begrenzt. Auch DivX-Video-Dateien, die man - z.B. vom PC - über DVD oder Blu-ray einspielen möchte, müssen peniblen Vorgaben genügen. Eine vorherige Registrierung über das Internet ist erforderlich. Gemischt geht überhaupt nichts - auf dem PC beherrschen schon kostenlose PC-Programme wie "Virtual DJ Home" sowas problemlos.
RISIKEN: Datensicherung und Festplatten-Ersatz sind bei Geräten mit selbst auswechselbaren Festplatten kein Problem. Beim Panasonic aber bedeutet eine Datensicherung, ein paar Tage neben dem Gerät zu sitzen und 20-30 BDs zu bespielen. Ein Ersatz der Festplatte ist nur im Service möglich - neben der Unbequemlichkeit der Abwicklung muss man dabei mit erheblich überhöhten Kosten rechnen, wie ich als Besitzer anderer Panasonic-Geräte schon leidvoll erfahren musste: da ist ein kleiner Defekt oder eine Alterung oft schon ein Totalschaden.
Lesen Sie weiter... ›