Ich habe diese Kamera als Zweit- oder, wenn man so will, Pocketkamera zusätzlich zu einer Sony F717 gekauft. Mein Anspruch war also nicht eine Kamera, die alles besser können muss, sondern brauchbare Bilder trotz handlichen Formats macht.
Grundsätzliches:
Generell wird bei Kompaktkameras zu viel Wert auf "viele Pixel" gelegt. Gerade unerfahrene Käufer klammern sich gerne an Zahlen, um die Qualität einer Kamera sozusagen "auf einen Blick" erfassen zu können. Dabei entstehen Bilder auch 180 Jahre nach Erfindung der Fotografie vor allem durch eines: Licht. Damit dieses Licht schöne Fotos ergibt, benötigt man lichtstarke Objektive und einen großen Bildsensor. Da beides in Kompaktkameras keinen Platz findet, schon gar nicht bei Kameras unter 200 Euro, versuchen die Hersteller mit viel (preiswerterer!) Elektronik gegenzusteuern.
Allerdings ist nicht jede Bildsituation so zu korrigieren. "Viel Pixel und wenig Licht" ergeben oft Bilder, deren Bildrauschen keine Freude am Foto aufkommen lässt. Dies ist, neben oft mäßiger Verarbeitung, das Hauptproblem vieler "Kompakter". Wer also Qualität über alles -auch über ein kompaktes Äußeres!- stellt, sollte eher bei Spiegelreflex- oder Bridgekameras suchen. Eine Kompaktkamera stellt einen Kompromiss zwischen Größe, Preis und Bildqualität dar. Ob es ein fauler Kompromiss ist oder eine Lösung, die allen Kriterien gerecht wird, gilt es herauszufinden.
Modellreihe:
In Deutschland gibt es zwei ähnliche Lumix LS-Modelle: die LS60 und LS75. Beiden gemeinsam sind drei Highlights, die sie in dieser Klasse einzigartig machen. Das Wichtigste: ein optischer Bildstabilisator. Er ermöglicht verwacklungsfreie Bilder und somit längere Belichtungszeiten. Im Gegensatz zu billigen digitalen Systemen gleicht das bewegliche Linsensystem die Bewegung aus. Das funktioniert hervorragend und entlastet die Elektronik -scharfe Bilder ohne Rauschen sind die Folge.
Gegen Verwacklungen durch das Motiv ist der Bildstabilisator aber machtlos. Hier hilft das zweite Highlight, die intelligente ISO-Kontrolle. Sie analysiert das Motiv. Stellt sie eine Bewegung fest, erhöht sie schrittweise die Empfindlichkeit, so dass die Bewegung durch kurze Belichtungszeiten "eingefroren" wird. Die Kombination dieser (abschaltbaren) Funktion mit dem Bildstabilisator ermöglicht erst echte Schnappschüsse. Für interessante Bilder aus ungewöhnlichen Perspektiven kommt das dritte Highlight zum Einsatz: die High-Angle-Taste. Sie schaltet das LCD-Display so um, dass es besonders gut von unten erkennbar wird. Dadurch kann man die Kamera hoch über den Kopf halten (oder, als Tipp, um 180° drehen und aus der Froschperspektive fotografieren!).
Die Modellunterschiede: die weitgehend identischen Kameras haben entweder 6 (DMC-LS60) oder 7,2 (LS75) Millionen Pixel. Das wäre zu vernachlässigen, aber die LS75 bietet noch 5 Mio. Pixel als Zwischenstufe, während die LS60 nur die Wahl zwischen 6 und 3 Millionen lässt. Auch das Display der LS75 ist 25% größer und bietet 115.000 statt 85.000 Pixel Auflösung. Deswegen entschied ich mich für die nur unwesentlich teurere LS75. Nebenbei bemerkt, ist nur die LS75 neben silber auch in schwarz erhältlich.
Der Vollständigkeit halber: in manchen Ländern gibt es zusätzlich das Zwischenmodell LS70, das die höhere Auflösung der LS75 mit dem kleinen LCD-Display der LS60 kombiniert.
Fotofunktion:
Gerade im Vergleich zu meiner "großen" Kamera war ich über die guten Aufnahmen der Lumix erstaunt. Eine meiner ersten Aufnahmen damit war ein Makrofoto, freihand ohne Blitz von einer Blüte aufgenommen. Dieses Foto ist außergewöhnlich scharf und sehr gut belichtet, ich hätte so etwas in der Kompaktklasse nicht erwartet. Auch ein Testfoto einer Tageszeitung aus mehreren Metern Entfernung wurde so scharf, dass man den Text mühelos lesen kann. Dank gutem automatischen Weißabgleich wurde auch die Papierfarbe perfekt getroffen. Der dreifache optische Zoom bei 7,2 MPixel ergibt übrigens bei 5 MPixel 3,6fache und bei 3 MPixel 4,5fache Vergrößerung -auch das war ein Grund, auf die zusätzliche 5MP-Auflösungsstufe der LS75 Wert zu legen. Die Auslöseverzögerung ist sehr gering, der Blitz lädt schnell nach und 19 Motivprogramme sind für jede Situation verfügbar. Als Beispiel habe ich das Motivprogramm "Sonnenuntergang" genutzt und ein wirklich atemberaubendes Foto aufgenommen (siehe Kundenbilder) -wiederum frei Hand und ganz automatisch. Wer will, kann aber auch innerhalb der Motivprogramme die Belichtung korrigieren.
Natürlich gibt es auch bei der LS75 Situationen, in denen Bildrauschen sichtbar wird. Wenn eine Kamera zum Beispiel in dunklen Räumen die Empfindlichkeit erhöht, weil sonst das Bild verwackelt oder unterbelichtet würde, ist das unvermeidlich. Spezielle Programme wie das sehr empfehlenswerte "Noise Ninja" können das später korrigieren. Nicht vergessen: die Alternative wäre entweder ein unbrauchbares Bild oder das Benutzen einer großen, schweren Fotoausrüstung! Panasonic gibt übrigens in der Bedienungsanleitung an, dass das Rauschen durch Umschalten auf das Farbprofil 'Natural' verringert wird.
Videofunktion:
Obschon die LS75 sogar Aufnahmen im 16:9-Format bietet, nutze ich diese Funktion nicht. Der Grund: unverständlicher Weise verzichtet Panasonic auf die sonst übliche Tonaufzeichnung. Darum ist diese Funktion für mich nutzlos und führt zum Punktabzug.
Handhabung:
Die Kamera liegt gut in der Hand und ist sehr gut bedienbar. Betriebsbereit ist sie allerdings als "Hemdtaschen-Kamera" mit 184 Gramm zu schwer. Am Gürtel fühlt sie sich wohler. Sehr angenehm ist der Zoomhebel am Auslöser; in dieser Klasse ist das besser als die Lösungen aller Konkurrenten. Die Verarbeitung ist gut; ein Metallgehäuse stünde ihr dennoch besser. Der große 2,5"-LCD-Monitor ist ein schönes Detail. Ärgerlich ist aber der auch bei anderen Herstellern zu beobachtende Trend, den optischen Sucher einzusparen. Außenaufnahmen bei Sonnenlicht werden so unnötig erschwert, da das Display in solchen Fällen keine ausreichende Kontrolle bietet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Sucher die Kameras viel teurer machen würde; falls aber doch, würde ich den Mehrpreis zahlen wollen.
Die Kamera wird mit zwei AA-Batterien geliefert. Ich setze stattdessen Ansmann 2700 mAh-Akkus ein. Ein Akkusatz hält durchschnittlich 200-250 Aufnahmen und somit sehr lange. Zwei zusätzliche Akkusätze finden selbst in kleinen Kamerataschen (mein Tipp: Tamrac 4390) noch Platz. Erwirbt man das passende, aber teure Ladegerät, kann man die Akkus auch in der Kamera laden. Die Kamera hat 27 MB internen Speicher und ist über SD-Karten preiswert erweiterbar. Schon eine 1GB-Karte (unter zehn Euro zu bekommen) fasst 270 Bilder in bester Auflösung oder 390 Bilder mit 5 MPixel. Dabei werden Fotos erfreulich wenig komprimiert; ein 7,2 MPixel-Bild hat über 3 MByte. Zum Vergleich: es gibt Kamerahersteller, die ein 6 MPixel-Bild auf 800 kByte komprimieren. Dann hilft die höchste Auflösung wenig.
Fazit:
Für fehlende Tonaufzeichnung und den fehlenden optischen Sucher muss sich die Panasonic einen Punkt von den sonst fälligen 5 abziehen lassen. Die restlichen 4 Punkte sind durch Ergebnisse, die erstaunlich dicht an der Fotoqualität meiner "Großen" liegen, redlich verdient. Ich würde dieses Modell sofort wieder kaufen, nicht nur als Zweitkamera.
Die Beispielbilder zu diesem Bericht finden Sie oben auf der Amazon-Seiten unter "Kundenbilder". Über eine Bewertung auch dieser Bilder würde ich mich freuen!