Habe mir die FZ200 vor einem Monat als Nachfolger meiner leider defekten FZ18 zugelegt. Die Kamera als vollwertigen DSLR Ersatz zu bezeichnen, wie es einige in ihren Rezensionen machen, halte ich für etwas gewagt, ich benutze sie hauptsächlich für mein "Urban Exploration" Hobby, dafür ist eine Bridgekamera mit so vielen Funktionen, wie sie die FZ200 hat (erträgliches Gewicht ohne nerviges Objektiv wechseln, gute Videofunktion, Weitwinkel und für den Notfall auch mal Tele und wichtig: bis zu 60s maximale Belichtungszeit) wie gemacht, meiner Meinung nach. Ich habe lange überlegt, ob als Neuanschaffung eine Bridgekamera, eine Systemkamera oder doch eine DSLR das richtige wäre, vorallem finanztechnisch war die FZ200 aber nach langem Abwägen für mich die richtige Wahl. Für den Preis wäre wohl nur eine Einsteiger DSLR mit Kit-Objektiv ohne Brennweitenspielraum drin gewesen, die dazu noch größer, schwerer und wahrscheinlich mechanisch doch anfälliger gewesen wäre. Ich bin kein Profifotograf sondern eher Hobbyknipser, der gerne auch mal ein paar fototechnische Sachen ausprobiert.
Der Reihe nach:
Gehäuse, Akku und Verarbeitung:
Die Kamera wiegt wesentlich mehr als meine alte FZ18, lässt sich aber im Notfall trotzdem noch für den schnellen Schnappschuss mit einer Hand bedienen, ansonsten wirkt die Verarbeitung der Kamera sauber und ordentlich. Kleiner Kritikpunkt meinerseits wäre höchstens, dass das Objektiv im ausgeschalteten Zustand nicht ganz im Gehäuse verschwindet und somit der Objektivdeckel im Gegensatz wie bei der "alten" nun auf den Objektivtubus (etwas fummelig) geclipst werden muss. Der originale Akku hält nach eigenen Erfahrungen sehr lange durch (Bilderanzahl kann ich nicht sagen, da ich mal filme, mal mit oder ohne Blitz knipse und auch noch Langzeitbelichtungen mache), als Ersatzakku habe ich mir den einwandfrei funktionierenden Lookit Akku dazu bestellt, da mir das Original Panasonic Modell zu teuer war. Der Lookit hält meiner Meinung nach fast genauso lange wie das Original, trotz der 300mAh weniger.
Display und Sucher:
Das klappbare Display ist eine enorme Bereicherung gerade z.B. bei dem Einsatz auf einem Stativ oder bei Aufnahmen nah am Boden. Ansonsten wirkt es sehr scharf und lässt auch bei starker Sonneneinstrahlung noch alles erkennen. Merkwürdig ist das Verhalten des Displays (und auch des Suchers) bei sehr schlechtem Licht, es wird extrem langsam und fängt an zu rauschen, das scheint mit der offensichtlich vorhandenen Restlichtverstärkung zusammen zu hängen, der Vergleich zur FZ 18 zeigte, dass diese bei sehr schlechtem Licht gar nichts mehr auf dem Display zeigte, während bei der FZ200 ein stark verrauschtes, aufgehelltes Bild zu sehen ist. Ich dachte zunächst an einen Defekt, das Modell eines Kollegen zeigt aber das gleiche Verhalten. Das I-Tüpfelchen wäre noch ein Touchdisplay wie bei den G-Modellen zum fokussieren gewesen, aber Panasonic brauch ja noch Features fürs nächste Modell ;). Der Sucher ist zwar hochauflösend, mir persönlich aber zu klein und das Bild zu weit weg, er war für mich aber auch kein Kaufkriterium, für den Notfall ist er auf jeden Fall brauchbar.
Bedienung und Menüführung:
Da gibt's aus meiner Sicht nicht viel zu beklagen, die Menüs sind übersichtlich und gut strukturiert, einzig das manuelle Fokussieren ist mir bisher noch nicht gelungen, entweder bin ich zu grobmotorisch oder aber das manuelle Fokussieren lässt sich mit dem Schiebeschalter am Objektiv wirklich nur bescheiden lösen. Ein manueller Fokusring wäre da angebrachter gewesen, da ich selbst aber eh ausschließlich den Autofokus nutze, ist das für mich kein Beinbruch. Etwas vermissen tue ich persönlich den Minijoystick der FZ18, als Ersatz habe ich mir wichtige Funktionen wie beispielsweise Auto Bracket und Blitzstärke auf die 3 frei konfigurierbaren Fn Tasten gelegt. Etwas befremdlich war mir anfangs die manuelle Belichtungseinstellung, eine Belichtungszeit von beispielsweise 1/15 sek wird bei der FZ 200 nur als 15 dargestellt, das ist leicht verwechselbar mit 15 sek (wird als 15" dargestellt).
Fotografieren:
Eins vorweg zum von einigen beobachteten "Blaustich" der Fotos: dieser lässt sich nicht verleugnen und liegt an einem meiner Meinung nach nicht optimal funktionierenden automatischen Weisabgleich, der häufig für kalte Farben bei Fotos sorgt. Wer unbedingt die intelligente Automatik (iA) benutzen will und den Blaustich verhindern möchte, sollte bei Wählrad Stellung "iA" einmal ins Menü gehen und dort auf "iA+" umstellen, danach lässt sich der Weisabgleich mit der "Pfeil rechts (WB)"Taste problemlos auch im iA Modus anpassen. Bei Außenaufnahmen erwies sich die Voreinstellung "Tageslicht" für mich optimal. Aus meiner Sicht der einzige gravierende Mängel an der Kamera, hier sollte Panasonic dringend via Firmware Update nachbessern.
Ansonsten muss ich sagen, ich bin kein Profifotograf, die FZ200 produziert aber meiner Meinung nach für eine Bridge Kamera gute bis sehr gute Fotos, soweit ich das beurteilen kann. Die Blende F 2.8 bei vollen 600mm KB machen sich im Vergleich zur FZ18 auf jeden Fall bemerkbar, die von mir gemachten Testfotos sind immer noch kontrastreich, scharf und farbenfroh. Wer zunächst verpixelte Fotos bei vollem Zoom produziert, sollte auf jeden Fall vor dem in Betracht ziehen eines Defektes der Kamera prüfen, ob er nicht im Modus iA in den Bereich des "intelligenten Zoom" gekommen ist, dann sehen die Fotos nämlich wirklich nicht mehr schön aus. Positiv aufgefallen ist mir vor allem der extrem schnelle Autofokus im Weitwinkelbereich und der astreine Bildstabilisator, durch diesen lassen sich auch bei schlechtem Licht und unbewegten Motiven freihand noch tolle Fotos ohne Blitzlicht anfertigen. Bei der ISO Empfindlichkeit sollte man nicht weiter als ISO 800 gehen, ISO 1600 ist meiner Meinung nach nicht mehr zu gebrauchen, dagegen sehen ISO 800 Fotos auf meinem 24" Display am PC noch einwandfrei und scharf aus, sofern man nicht in die 100% Ansicht geht, aber Hand aufs Herz, wer guckt sich bitte seine 12 Megapixel Fotos mit 100% auf einem Full HD Monitor an? In etwa produziert die FZ200 bei ISO 800 ungefähr die gleichen Fotos (von der Qualität her) wie die FZ18 auf ISO 400, für mich persönlich definitiv ein Fortschritt. DSLR Qualität darf man aufgrund des kleinen Sensors aber auf keinen Fall erwarten. Tele-Makros lassen sich auch ohne Vorsatzlinse erstellen, die von mir getesteten Motive sahen alle, meiner Ansicht nach, klasse aus. Hauptsächlich benutze ich persönlich den Modus "P" (Programmautomatik) im Freien beziehungsweise die manuelle Belichtung "M" auf Stativ in schlecht beleuchteten Innenräumen.
Die Kamera bietet weiterhin viele Einstellungsmöglichkeiten zur manuellen Anpassung nach eigenen Wünschen und eine Vielzahl an Motivprogrammen, von letzteren habe ich bisher nur die HDR Funktion verwendet und das Panorama Motivprogramm getestet. Das HDR Programm produziert bei Tageslicht eine dezente Kontrasterhöhung, ohne dass das Foto dabei so aufgeblasen wirkt wie einige HDR Kompositionen, die im Netz zu finden sind und via Bildprogramm erzeugt wurden. Ich war positiv überrascht, meiner Ansicht nach erfüllt die HDR Funktion der Kamera genau das, was ich persönlich von einem HDR Foto erwarte. Bei schlechtem Licht ist die Funktion allerdings nicht zu gebrauchen, da automatisch auf bis zu ISO 1600 gegangen wird, ohne das ich den ISO Wert beeinflussen kann, jedenfalls habe ich keine ISO Begrenzung im Motivprogramm finden können. Da verschafft dann die Autobracket (Belichtungsreihen) Funktion Abhilfe, hier kann die Belichtung auf bis zu +-3 EV angepasst werden, leider sind nur Belichtungsreihen mit 3 Fotos möglich, schade. Die Panoramafunktion ist nur was für Notfälle, da es schwer ist, die richtige Schwenkgeschwindigkeit hin zu bekommen, hier ist man mit dem manuellen Erstellen besser bedient.
Video:
Die Videoqualität ist, sofern man in AVCHD aufnimmt, qualitativ sehr hochwertig, die 50p in Full HD sehen ziemlich beeindruckend aus, qualitativ auf gleichem Niveau wie eine gleich teure, vernünftige Amateur Videokamera. Aufnahmen im MP4 Format haben mir dagegen gar nicht zugesagt, bei Kameraschwenks war meiner Meinung nach ein doch wahrnehmbares Schlieren zu sehen. Bei schlechtem Licht macht sich Bildrauschen in allen Aufnahmemodi bemerkbar, "völlig verrauscht und unbrauchbar", wie von einigen suggeriert ist bei mir allerdings keine Aufnahme geworden. Ein Nettes Gimmick ist die High Speed Videofunktion, diese lässt nette Spielereien mit immerhin 100 Bildern/sek bei einer 720er HD Auflösung zu (oder 200 Bilder/sek bei VGA Auflösung), brauchen tue ich sie aber nicht wirklich, ein Test an der Autowaschanlage sah aber unterhaltsam aus. Der Ton wird in bei normalen Videos in Stereo aufgenommen und hört sich eigentlich recht gut an, der Kameramann sollte allerdings nicht außer Atem sein, da die Atemgeräusche, bedingt durch die Lage des Mikrofons leider deutlich mit aufgenommen werden, hier könnte man wohl nur mit einem externen Mikrofon Besserung verschaffen. Zoomen lässt sich bei Videoaufnahmen angenehm weich, allerdings muss man erst ein Gefühl für die Zoomwippe entwickeln. Der Bildstabilisator funktioniert übrigens auch bei Videoaufnahmen einwandfrei.
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