Die FZ20 ist ziemlich dicht an einer DSLR dran. Diese Tatsache verleitet leider ziemlich schnell dazu, die Panasonic mit den Einsteiger DSLRs zu vergleichen. Bei einem solchen Vergleich sieht sie zwar nicht schlecht aus, aber sie verliert ihn doch klar in Sachen Bildqualität.
Ich habe die Kamera jetzt schon einige Zeit und bin eigentlich mit ihr ziemlich zufrieden.
Was die Kamera als erstes interessant macht, ist das tolle Leica Objektiv mit 12x optischen Zoom und einer durchgehenden Blende von 2.8, das auch noch den sehr guten optischen Bildstabilisator von Panasonic eingebaut hat. Das ermöglicht es, den kompletten Zoombereich auch tatsächlich nutzen zu können, ohne immer ein Stativ mitschleppen zu müssen.
Die Kamera liegt sehr gut in der Hand, auch große Hände haben Platz, und sie fühlt sich auch gut an. Das Bedienkonzept ist hervorragend durchdacht. Die Tasten und Räder sind gut mit einer Hand zu erreichen. Bei der linken Stützhand muss nur aufgepasst werden, dass sie das AF-Hilfslicht nicht abdeckt. Das ist aber kein Problem, man muss es eben nur wissen. Die Menüführung ist äußerst klar und übersichtlich gestaltet. Die Anleitung muss praktisch nur von Foto-Neulingen gelesen werden.
Was die Kamera auch für den etwas ambitionierteren Amateur sehr interessant macht, ist die Tatsache, dass alles optional manuell eingestellt werden kann. Das geht über den Autofokus - der auch schon mehrere Einstellmöglichkeiten hat -, die Blende und Verschlusszeiten (8s - 1/2000s) bis hin zum Weißabgleich. Zum schnellen Knipsen bietet die Kamera aber auch eine komplette Automatik und etliche Motivprogramme für verschiedene Situationen, auch Makro.
Der eingebaute Blitz leistet gute Dienste. Er ist ziemlich stark für einen Einbaublitz (7 m), aber in der Leistung regulierbar. Einschaltbarer Anti-Rote-Augen-Effekt versteht sich von selbst. Die Blitzsynchronzeit beträgt laut Anleitung sagenhafte 1/2000s! Es gibt aber sogar einen Blitzschuh zum Anschluss eines externen Blitzes. Eine Anschlussmöglichkeit für ein Stativ ist ebenfalls vorhanden. Sucher und Monitor sind gut. Blöd nur, dass der Monitor nicht abgedeckt werden kann. Somit bleiben beim Benutzen des Suchers, was natürlich stromsparender ist, immer lästige Fettflecken von der Nasenspitze auf dem Bildschirm zurück.
Die Kamera braucht nach dem Einschalten ungefähr 4 Sekunden, bis sie einsatzfähig ist. Dann aber ist sie ziemlich schnell. Die Auslöseverzögerung liegt bei 0,0008 Sekunden. Im Zusammenspiel mit einem recht fixen Autofokus können so auch sich schnell bewegende Objekte eingefangen werden. Sportfotografie ist möglich. Im hohen Zoombereich ist der AF bei schlechten Lichtverhältnissen allerdings schnell überfordert und muss öfters nachjustieren oder gibt uU ganz auf. Dann ist Handarbeit gefragt.
Die Serienbildfunktion hängt natürlich von der gewählten Auflösung ab. Aber in höchster JPEG sind immerhin maximal 4 Bilder/s drin (eher 3), bei TIFF funktioniert die Serienbildfunktion nicht.
Die Batterie hält angeblich ~250 Bilder durch. Ob das wirklich stimmt, konnte ich noch nicht austesten. Allerdings habe ich grundsätzlich eine Erstazbatterie dabei und bin bis jetzt noch bei jedem Einsatz mit der Stromversorgung zurecht gekommen.
Die Kamera hat einen Selbstauslöser und die Möglichkeit, einen Fernauslöser anzuschließen. Es können sogar Filter vor das Objektiv geschraubt werden. Eine zwar einfache doch effektive Sonnenblende wird mitgeliefert. Die Kamera verfügt über USB 2.0.
Die Möglichkeit, auch Filmchen in mieser Bild- und Tonqualität (10fps oder 30fps bei 320x240) aufnehmen zu können, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Mich stört sowas bei einem Fotoapparat nur und finde es überflüssig.
Nun zu den wirklich negativen Punkten:
Die Kamera hat einen einstellbaren ISO Bereich von 80 - 400. Davon ist der 400er aber eigentlich nicht zu gebrauchen. Da rauscht das Bild doch zu sehr. Ein ganz typisches Problem von 5 MP Kameras.
Das Programmeinstellrad verrutscht relativ leicht, wenn die Kamera aus der Tasche geholt oder reingesteckt wird. Beim Fotografieren selbst stört das weniger, da dabei das Rädchen schön brav im eingestellten Raster bleibt.
Die Bulb-Funktion fehlt.
Und die mitgelieferte 16 MB SD Karte ist ein Witz, der lieber weggelassen werden sollte. Was für eine Materialverschwendung. Da würde nicht mal ein einziges TIFF Bild draufpassen. Ich würde mindestens eine 512er Karte dazukaufen. Ideal wären 1 GB oder gar die ganz neuen 2 GB SD Karten.
Fazit:
Die Kamera ist gut und macht auch gute Bilder in weiten Licht- und Zoombereichen. Ideal wäre ein größerer Sensorchip, dann vielleicht mit 6 MP wie aus der 10D oder D70. Damit würde das Bildrauschen bei schlechtem Licht sicherlich geringer sein. Allerdings müsste dann auch das Objektiv notwendigerweise größer sein bzw wäre ein 12fach Zoom bei 2.8 vielleicht gar nicht möglich. Im Vergleich zu den extrem flachen Kameras wirkt die FZ20 schon klobig. Ich aber finde, dass nur mit einer Kamera gut fotografiert werden kann, die auch in der Hand vernünftig gehalten werden kann. Gerade bei Brennweiten jenseits der 300mm.
Die Kamera ist bestimmt kein vollständiger Ersatz für eine DSLR. Die machen einfach bessere Bilder, gerade bei ISO 400 und höher, und sind einfach vielseitiger. Als ich zum Spaß mit der Panasonic Architektur fotografiert hatte, hatte ich mich zB doch sehr nach einem Shift-Objektiv gesehnt. Man kann halt nicht alles haben. Aber für eine sogenannte Prosumer-Kamera ist sie momentan wohl das beste, was zu dem Preis erhältlich ist. Selbst ein vollausgerüsteter DSLR Besitzer kann sich die Panasonic zulegen, wenn er mal nicht ~15 kg Gepäck im Wert von über 10.000 Euro mit sich rumschleppen will (Wissen Sie, was ein bildstabilisiertes 300mm/2.8 von Canon kostet? Und dazu kämen noch das EF 70-200/2.8 IS und das EF 24-70/2.8, sollte der Zoombereich der FZ20 abgedeckt werden).
Wer eine 5 MP Kamera sucht, die nicht unbedingt in die Jackentasche passen muss, kommt an der FZ20 jedenfalls nicht guten Gewissens vorbei.