Völlig Panasonic untypisch haben die Japaner, der erst vor einem Jahr auf den Markt gebrachten Lumix FZ 100, schon jetzt eine Überarbeitung angedeihen lassen und ihr Bridgekamera Aushängeschild als FZ 150 neu aufgelegt. Panasonic hatte sehr schnell begriffen, daß die Nachfolgerin der legendären FZ50, die bekanntlich einige Jahre den Markt dominiert hat, nicht das Dottergelbe vom Ei war. Auch ich hatte die FZ100 ausprobiert, meine sehr hohen Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt. Die 100er war gut, aber bei Weitem nicht perfekt. Die FZ50 hatte die Messlatte über die Jahre zu hoch gelegt. Wie macht sich nun die Neue? Auf meinen Ausflügen mit dem Motorrad haben sich die MFT Kameras und div. Bridgemodelle als Begleitung etabliert. DSLR Technik ist in meinem Tankrucksack kaum noch vertreten. Warum auch wenn es Bridge oder mFT - Kameras gibt? Ich war gespannt wie sich die Neue Panasonic macht.
Auf den ersten Blick zeigt sich die Kamera aus Fernost kaum verändert. Gewicht und Größe sind fast identisch. Die gewohnt erstklassige Verarbeitung und die Verwendung hochwertiger Materialien ist gleich geblieben. Wie eineiige Zwillinge wirken die beiden Cams. Auf den zweiten Blick fällt jedoch der zusätzliche Zoomhebel auf. Dieser sitzt nun an der linken Seite des Objektivtubus. Ich finde das ganz gelungen, da es die Handhabung verbessert. Die Kamera lässt sich beim Zoomen so stabiler halten. Angenehm: die alte Wippe am Auslöser ist geblieben. Das von Leica gerechnete Zoom von 25 bis gewaltigen 600mm, bei einer Lichtstärke von F2,8 bis F5,2, blieb brennweitentechnisch gleich. Laut Panasonic hat es jedoch nun eine hochwertigere Vergütung, die die Reflexionen deutlich verringern und den Kontrast verbessern soll.
Interessanter wird es bei den Innereien der Lumix. "Downsizeing" bei der max. Auflösung. Nur noch 12,1 anstatt 15,1 Mio Pixel werden jetzt auf die Fläche des ebenfalls neuen Sensors gepresst. Dieser hat mit 1:2,33" die identische Größe des Vorgängers. Ein deutliches Indiz und Hoffnung auf eine bessere Bildqualität der neuen FZ. Das war für mich einer der zentralen Kritikpunkte an der FZ 100. Panasonic will mit dem neuen Sensor auch die Schnelligkeit beim Auslesen, sowie das Fokussieren deutlich verbessert haben. Ich war gespannt wie sich das in der Praxis auswirkt. Vor allem auf die Bildqualität der neuen Pana Bridge war ich gespannt.
Kurzum, der Coup ist geglückt. Die FZ100 ist nicht wiederzuerkennen. Die Nachfolgerin ist deutlich schneller. Sie fokussiert wie der Leibhaftige und gefühlt doppelt so schnell. Auch die Bildbearbeitung ist fix. Panasonic hat diesbezüglich nicht zu viel versprochen. Das operative Ersetzen des 15MP Sensors gegen ein 12MP Exemplar hat es gebracht. Weniger Daten, schnellere Übertragung. Schnellere Bildfolge. Und die Bilder?
Auch da spielt die 150er in einer anderen Liga. Die Bilder wirken nicht mehr so 'vermatscht". Das Rauschen wurde deutlich verringert. ISO geht jetzt bis 3200(vorher 1600). Wobei die Pana nach wie vor nicht das High ISO Monster ist. Für mich ist bei 400 Schluß. Danach nehme ich die Großsensorentechnik. Die Bilder empfinde ich im Vergleich zur 100er wesentlich schärfer und detailreicher. Der Auto Weißabgleich ist gut. Ausreißer hatte ich bisher keine. Vignettierung und andere Effekte sind für das exzellente Objektiv kaum ein Thema. Die Farben sind panatypisch mit einer (sehr)leichten Tendenz zu rot, ohne unnatürlich zu sein. Im Vergleich dem Effekt der Kodak und Fujifilme nicht unähnlich. Farbsäume sind im Gegensatz zur 50er minimal deutlicher. Aber da hilft einfaches Abblenden. Das lichtstarke und von Leica gerechnete Objektiv ist für mich ein Meisterstück. Hat mich das der 50er schon begeistert, legt das neue nochmal deutlich zu. Obwohl fast 200mm Brennweite mehr, ist das neue Objektiv am Ende wirklich gut zu gebrauchen und die Bilder sind besser wie die der 50er bei 420mm. Vergleichsbilder mit der FZ50 habe ich dazu eingestellt. Die 25mm Anfangsbrennweite sind für Innenraumaufnahmen und Landschaften ein Traum.
Natürlich kann die FZ auch manuell und lässt genügend Gestaltungsspielraum für Kreativität. Die Panasonic kann auch RAW. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der kleineren, aber nicht viel schlechteren, zweistelligen FZ-Reihe. So ist den Bildern noch etwas mehr zu entlocken. Das Klappdisplay ist gerade bei Makros die erste Wahl und auch abbildungstechnisch eine Wucht. Gerade bei Makros läuft die FZ mit einer Naheinstellgrenze von 1cm zur Höchstform aufläuft. Eine der Spezialitäten der FZ Reihe. Der optische Sucher ist einer der besseren aus dem Lager der EVF und für eine Bridge OK. Sony kanns zwar besser, aber man muß auch was zu meckern haben.
Wie schon bei der FZ 100 finde ich das Drehrad an der Rückseite gelugen. Die Navigation wird so einfacher und schneller. Wie bei meiner 7D(im Quickmodus) gefällt mir auch bei der Pana der schnelle Zugriff auf die wichtigsten Bildparameter per FN Taste. Genialer Weise sind diese Werte auch noch frei wählbar. Durch eine Memoryfunktion merkt sich die FZ, in welcher Brennweite das Objektiv vor dem Ausschalten stand und fährt nach Wiederinbetriebnahme, wie von Geisterhand, an diese Brennweite zurück. Die FZ hat sowohl einen Blitzschuh für einen Systemblitz, wie auch einen Stereo-Microanschluß. In Verbindung mit der sehr guten und auch für Anfänger übersichtlichen Menüführung, den ausgesprochen praktischen Menüprogrammen und ihrer fast wunschlos machenden Ausstattung, ist die FZ eine sehr sehr gute Kamera. Gerade für Aufsteiger denen eine kompakte zu wenig Möglichkeiten bietet und eine DSLR Ausrüstung zu umfangreich erscheint ist die FZ ideal.
Kurz und Knapp
Positives:
+ Verarbeitung und Haptik
+ Bedienung, Menü und Ausstattung
+ Einstellrad und Individualfunktionen
+ vielseitig durch großen Brennweitenbereich
+ Anfangsbrennweite von 25mm
+ Lichtstarke Optik
+ 3" Klappdisplay
+ Weißabgleich sehr gut
+ RAW
+ neuer Sensor
+ verbessertes Rauschverhalten
+ Makromodus, Naheinstellgrenze 1cm
+ Zubehör, Blitzschuh, div. Anschlüsse
Negatives:
- Hoher Preis
- EVF(opt.Sucher) könnte noch besser sein
Neutral(weil nicht genutzt):
o Verbesserter Videomodus(Full-HD-Auflösung im AVCHD-Format und mit Stereo-Ton)
Mein Fazit: Downgesized gefällt sie mir besser die Panasonic Bridge. Die Überarbeitung der FZ 100 war bitter nötig, zeigt aber auch dass es nicht immer noch mehr Auflösung sein muß. Ob dies der Beginn einer neuen FZ Epoche sein wird wie geunkt wird, muß sich aber erst noch zeigen. Die Gene dazu hat sie aber die neue "FZ". Aber die Konkurrenz schläft nicht.
Nachtrag 11/11: Da ich mit beiden(FZ50/150) heute unterwegs war, sind mir zur Handhabung im direkten Vergleich zur FZ50 heute noch ein paar Dinge aufgefallen. Der seitliche Deckel für die SD Karte wie ihn der Pana Oldie hatte wurde eingespart. Wie bei vielen FX und FS Modellen, oder auch den Pana EVILs(GF-1 usw.), hat der Kartenslot jetzt neben dem Akku in der Bodenplatte seinen Platz gefunden. Gerade beim Stativeinsatz oder wie bei der Nutzung des Sun Sniper Gurts muß nun die Verschraubung gelöst werden, damit die Klappe ganz aufgeht. Beim Sun Sniper Gurt
Sniper-Strap The Pro Kameragurt (Stahlseil, Kugellager-Anschlussschraube) schwarz fehlt nicht viel, aber es reicht eben nicht ganz um die Karte zu entnehmen, bzw. sie ins Gerät zu stecken. Das war bei der FZ50 luxuriös gelöst. Im direkten Bildvergleich(den höheren Speed der Neuen lasse ich aussen vor) schlägt sich die FZ50 wacker, doch die 150er Lumix liefert eindeutig die besseren Ergebnisse in allen Belangen.