Vorab zwei Dinge:
Ich bin kein Lonely-Planet-Jünger, es ist immer wieder ein Ärgernis, wenn der Lonely Planet einen Ort irgendwo auf der Welt empfiehlt und dort plötzlich Horden von Backpackern auftauchen. Deswegen greife ich sehr gerne zu deutschen Reiseführern - der Tansania-Band aus dem Reise Know-How Verlag ist zum Beispiel um Längen besser als der Lonely Planet. Deswegen habe ich mir trotz schlechter Rezensionen auch die Panama-Ausgabe von Reise Know-How gekauft, in der Hoffnung, dass die kritisierten Mängel in der aktuellen Auflage abgestellt sind. Sie sind es nicht, das sei vorab gesagt. Zum Glück also reiste ich mit Freunden, die den Lonely Planet besaßen.
Der Reiseführer von Linda O'Bryan und Hans Zaglitsch ist schlichtweg lieblos und oberflächlich; es fehlen viele Informationen, und man bekommt immer wieder das Gefühl, die beiden Autoren hätten bestimmten Orte gar nicht bereist oder nur mal kurz an einem Nachmittag vorbeigeschaut.
Zwei Beispiele: Wir waren von Bocas del Toro angesichts der schieren Touristen-Zahl sehr enttäuscht und sind am folgenden Tag gleich nach Bastimentos weitergereist. Nach Ansicht des Reiseführers nur etwas für den "anspruchslosen Touristen", was allerdings hanebüchener Unsinn gibt. Es gibt Unterkünfte,die zwar einfach, aber sauber und durchaus empfehlenswert sind. Es gibt Restaurants, die sehr gutes Essen zu angemessenen Preisen anbieten. Und der Ort hat Atmosphäre. Hätte wir nur auf den deutschen Reiseführer gehört, einer der Höhepunkte unserer Reise wäre uns entgangen.
Ein anderes Beispiel: Isla Taboga. Selbst in der älteren Ausgabe des Lonely Planet ist dort ein Hostel verzeichnet; die neueste Auflage des deutschen Buchs erwähnt das Haus nicht. Dabei ist es die einzige billige Alternative auf der Insel, um zu übernachten (und sie ist nicht nur billig; ich fühlte mich bei dem argentinisch-amerikanischen Ehepaar gleich sehr gut aufgehoben!). Hätte ich nur den deutschen Reiseführer gelesen, ich hätte die Insel gar nicht angesteuert. So habe ich dort ein paar sehr angenehme Tage verbracht. Es mag ja sein, dass die Autoren keine Lust auf billige Unterkünfte haben. Deswegen müssen sie sie in ihrem Buch aber nicht ignorieren. Im Gegenteil: Ein guter Reiseführer listet Alternativen aus verschiedenen Preiskategorien auf. Vielleicht war das den Autoren zu viel Arbeit - dann hätten sie aber erst gar keinen Reiseführer schreiben dürfen.
Eine eindringliche Empfehlung von mir also: Kaufen Sie auf keinen Fall diesen Reiseführer! Sie würden es in Panama bereuen.