Diese Rezension enthält Spoiler.
Zwar verflucht Pamiu nicht sein eigenes Abbild und hört auf zu altern, doch erweist die Story mMn gewisse Ähnlichkeiten zu dem viktorianischen Gentleman. Vielleicht liegt es auch nur an mir, oder Fiolka, hatte sich ein Beispiel für Pamius Eitelkeit, welche ins Verderben führte, genommen (was selbstverständlich nicht unlöblich ist).
Der junge Pamiu, wunderschön, von allen bewundert und geliebt ' selbst vom Pharao Khufu -, erweist sich in seiner Eitelkeit als machthungrig und gierig und betrügt für sich selbst, die Menschen die er liebt und denen er ein Versprechen gab. Um sich selbst nicht zu schaden und an Macht zu gewinnen, beginnt er sogar für den Pharao und dessen Mutter zu morden. Ohne dabei zu verstehen, dass gerade diese Opfer ihn verändern und dem einstigen Pamiu schaden. Also folgen Jahre der Wollust und Habsucht, in denen Pamiu zu Ruhm und Ansehen kommt. Seine Jugendliebe Neferiabet, deren Mutter er im Kindbett vor ihrem Tod versprochen hatte, Neferiabet stets zu schützen, wird schließlich gezwungen ihren verhassten Bruder, den Pharao, zu heiraten, um sie von Pamiu fernzuhalten. Letztlich geben sich Pamiu und Neferiabet doch ihren Gefühlen hin und Neferiabet bleibt schwanger, was Pharao und Erstgemahlin prompt erfahren und die beiden trennen und bestrafen. Neferiabet, welche nach der Geburt der Tochter verbannt wird, da Pamiu sich für sich selbst und nicht für die Frau entschlossen hatte, vergiftet sich selbst und stirbt im Kindbett, wie einst ihre Mutter. Neferiabet erinnerte mich hier an Sibyl Vane, welche sich verschmäht von Dorian, ebenfalls das Leben nahm. Nun kann Pamiu um seine unglückliche Geliebte trotz Trauer keine Träne weinen. Wie könnte er auch, da er doch in Hochmut und Eitelkeit verfallen ist? Schließlich beginnen die Charaktere zu bereuen und sich zu wandeln. Pamiu verliert seinen Stand und seine Habe und in den Süden verbannt. Etc.
Pamiu ist das zweits Buch Fiolkas, welches ich lese und gefällt mir doch um einiges besser als Bint-Anat. Es ist, was die Geschichte anbelangt, doch ein wenig oberflächlich und erwähnt historische Details lediglich (beispielsweise die im Buchrücken erwähnte Cheopspyramide. Nur ihr Fundament wird beschrieben und der Missmut der Arbeiter). Aber der Roman ist auch nur auf 270 Seiten ausgelegt, in denen die Tragweite der Charaktere wichtiger ist. Und die Charaktere sind meines Erachtens wirklich gelungen. Pamiu ist alles andere als ein perfekter, stereotyper Protagonist, der Pharao ein cholerischer, eifersüchtiger, egoistischer Herrscher (angeblich von Herodot belegt), die Frauen, wie so oft, zänkerisch und intrigant (abgesehen von einer Esoterikerin, die erst gegen Ende auftaucht). Keine der Personen würde mit dem Morden zögern. Mir gefiel es, dass die Charaktere allesamt nicht perfekt (wenn auch wunderschön') waren, sondern schlechte und lasterhafte Seiten haben. Einiges, so wie die Treue und Loyalität, die Pamiu mit dem Pharao verbindet, erscheinen zum Teil dennoch unglaubwürdig (hat Pamiu ihn zu Beginn gar nicht gemocht und war ihm später treu ergeben).
Zudem weist der Roman Charakterentwicklungen vor. Leid und Angst, lassen die Personen im Roman Reue verspüren und somit versuchen sie ihre Taten zu sühnen. So auch die zunächst 'böse' Meritates, die den Hass zwischen ihr und Neferiabet, der ihnen in die Wiege gelegt wurde, schließlich leid wird und emanzipierte Züge aufweist. ;) In einer Szene meint sie zu Neferiabet in etwa 'wir sind zwar Feindinnen, aber sind wir nicht auch Frauen? Warum müssen wir uns den Männern hingeben [']'. Meritates und Pamiu sind für mich die beiden tiefgründigsten Charaktere, welche am meisten Entwicklung aufzuweisen haben (Pamiu insofern, dass er sich in der Verbannung, frei von Ruhm und Ehre, schließlich zum ersten Mal 'frei' fühlt und sich dem Alter 'im Gegensatz zu Dorian - und dem Schicksal hingab).
'Pamiu ' Liebling der Götter' ist vielleicht kein Stück Weltliteratur, aber Fiolka lässt den Leser durch detaillierte Beschreibungen kurz in die faszinierende Welt Ägyptens eintauchen und, auch wenn man sich nach dem Lesen nicht als erleuchteter Historiker fühlt, hat somit einen interessanten und eigentlich ganz guten historischen Roman für zwischendurch geschrieben.