Palo Santo heißt "Heiliges Holz". Das Holz stammt aus den Antillen und in Form von Tee oder Räucherwerk gilt es als Allheilmittel. Und die Assoziation mit "Tee" und "Räucherwerk" zeigt den größten und einzigen Nachteil dieser Platte: Sie kommt zum falschen Zeitpunkt.
Ein spätherbstliches Wunderwerk. Was einst als Splittergruppe der famosen "Okkervil River" geplant war, ist mittlerweile ein eigenständiges Projekt von Will Sheff. Palo Santo beginnt leise. Ein sanftes Dahingleiten, Klavier und Rauschen, aber immer wieder unterbrochen von Wechseln, sich ändernde Lautstärke und Ausbrüche im Gesang. Lichtstrahlen in einer Nebellandschaft.
Obwohl das Instrumentarium üppig ist, kommt es in den jeweiligen Songs nur spartanisch zum Einsatz. Nicht nur in der Handhabung der Instrumente, auch im Gesang kommt immer wieder ein Vergleich auf: Die späten Talk Talk bzw. Mark Hollis. Ein weiteres Namedropping würde jedoch nur verwirren, da Shearwater durchaus eigenständig sind und ihren ganz besonderen Reiz ausüben. Und mit "Hail, Mary" gibt es gar sowas wie einen Hit. Ganz sicher ein Highlight im laufenden Musikjahr.