Die Lektüre von Fernando del Pasos Mammutwerk "Palinurus von Mexiko" erfordert höchste Konzentration. Der mexikanische Student Palinurus liebt seine Kusine Stephanie, beginnt Medizin zu studieren, nimmt im August 1968 an den Studentendemonstrationen teil, wird von einem Panzer angefahren und stirbt. Diese knappe Handlung ist das Unwesentlichste in dem knapp 900seitigen Roman. Der eigentliche Schauplatz ist die Sprache. Palinurus monologisiert. In teilweise seitenlangen Sätzen versucht er, seine Geliebte und Kusine Stephanie zu beschreiben. SeineWorte haben ihre alltägliche Signifikanz verloren. Auch seine zweite Leidenschaft, die Medizin, ist ihm bloß ein phonetisches Abstraktum, der Körper eine Anhäufung von Fachtermini. Palinurus beherrscht sie im Schlaf und übersteht dennoch nicht die erste Vorlesung im Seziersaal der Universität von Mexiko-Stadt. In einer Endlosschleife läßt del Paso Sprache um sich selbst kreisen, hypothetisch, indirektiv, ein Experiment, das zuweilen amüsant, meist aber sehr mühsam zu lesen ist. Dennoch ist es schlüssig: Für Palinurus haben die Begriffe ihre Erscheinungen verloren. Die Fülle der Möglichkeiten, Realität in Worte zu fassen, verschwimmt in seiner Phantasiezu einer Kolportage der Bezüglichkeiten, die Welt dissoziiert in Sprache. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)