Rund 10 dialogfreie Minuten, in denen eine Reiterschar ein kleines Goldgräberdorf in Schutt und Asche legt, muss man warten, bis die knapp 15-jährige Megan mit ihrer eigenwilligen Version des Psalm 23 den "Pale Rider" herbeibetet - natürlich eine Schlüsselszene des 1985 fertiggestellten Spätwestern, mit welchem Clint Eastwood sein erstes Dutzend Regiearbeiten vollmachte.
So wird auch gleich deutlich, dass es nicht nur um den unvermeidlichen Showdown der Revolverhelden geht; Eastwood spielt, wie man es auch aus seinen anderen Filmen kennt, eine ganze Reihe von Themen an, ohne sich erkennbar festzulegen.
Da wäre die Religiosität und die damit verbundene Hoffnung der kleinen Goldgräber, dass ihnen eine höhere Macht zur Seite stehen würde. Sogar ein wenig Ökologie versus Raubbau wird thematisiert. Da ist das Verhältnis von Mutter (Carrie Snodgress, 39) und Tochter (Sydney Penny, 14), die sich beide in den stolzen Helden verlieben. Schließlich die Unwirklichkeit des geisterhaften Ritters auf seinem herrlichen, weißen Pferd. Und natürlich die in Western unvermeidliche Frage, ob man auch einen aussichtslosen Kampf führen soll - weil ein Mann eben tun muss, was ein Mann tun muss.
Eastwood legt seinen Priester zurückhaltend, aber sehr konkret an. Das läuft nicht ohne brutale Kämpfe, eine versuchte Vergewaltigung und ausufernde Schießereien ab. Mit dem aus seinem Bond-Auftritt bekannten "Beißer" (Richard Kiel, 46) bringt Eastwood aber auch eine beängstigende Figur, die zunächst der Lächerlichkeit ausgesetzt wird, sich dann aber zum lieben Monster wandelt: Ein Hauch von Schmunzeln ist gestattet.
Manche Bilder der Boulder- und Sawtooth-Mountains sind von beeindruckender Farbenpracht - zum Beispiel, wenn der Priester (Clint Eastwood, 55) auf Megans Gebet hin erstmals ins Geschehen reitet. Aber viele Aufnahmen wirken auch ausgesprochen düster oder fahl, wie der lange Ritt der Reiter zu Beginn des Films, bei dem auch Unschärfe, Rauschen, Konturen, unruhige Kamera und digitale Artefakte in gemeinsamer Anstrengung für ein enttäuschendes Bild sorgen. In solchen Partien wirkt der Film bildtechnisch gesehen äußerst alt - nun, vielleicht hat es der Star-Regisseur ja so beabsichtigt - andere Szenen begeistern geradezu mit ihren Farben wie die Szene des Goldfunds.
Im amerikanischen Originalton kommen die modern-anspruchsvolle Musik von Lennie Niehaus ebenso wie Geräuscheffekte und Dialoge transparent, räumlich und dynamisch. Leider liegt in Deutsch nur eine Monospur vor, was aber der Verständlichkeit der Dialoge keinen Abbruch tut.
Die Warner Home Video Blu-ray vom August 1985 kommt in ungeschnittener Original-Länge von 116 Minuten in Deutsch (Mono), Englisch (True HD 5.1), Französisch, Italienisch und Spanisch und zahlreichen Untertitelungen. Da war auf der 25 GB - Disc wohl kein Platz mehr für Extras - wenn man von Trailern absieht.
Die hohe Farbsättigung der DVD findet man auch hier wieder, ebenso den teilweise überhöhten Kontrast. Auch die z.B. in den Anfangsszenen störenden Effekte wie Rauschen, unruhige Kamera und leichte Fehlbelichtung konnte man nicht wegzaubern, gegenüber der DVD sind immerhin Verbesserungen des Gesamteindrucks erzielt worden.
Auch beim Ton konnte Warner aus dem Original keine Wunder zaubern, was besonders die synchronisierten Versionen betrifft. Insgesamt sind Bild und Ton in der Fachpresse als durchschnittlich bewertet worden.
Für Westernfreunde, die einen vielschichtigen Hintergrund und den Originalton schätzen, ist der Film durchaus zu empfehlen.
film-jury 3* A0786 2.1.2012eg Genre: Action | Western