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Heute freilich ist uns Palästina weniger als kultureller Wurzelgrund denn vielmehr als jene Region der Welt im Bewusstsein, an deren politischer Zerrissenheit man schier verzweifeln mag. Seit Israel 1967 Teile der so genannten Westbank und den Gazastreifen besetzte und unter eigene Verwaltung stellte, ist Palästina die offene Wunde der internationalen Politik und Diplomatie. Spezialliteratur über Einzelaspekte des israelisch-palästinensischen Dilemmas gibt es zuhauf. Eine Darstellung der großen historischen Entwicklungslinien in deutscher Sprache aber suchte man bislang vergebens. Mit dem vorliegenden Bändchen haben Dietmar Herz und Julia Steets diese Lücke größtenteils geschlossen.
Sie geben einen gerafften und sehr guten Überblick über die Geschichte und die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Besonderheiten Palästinas und des Friedensprozesses, wobei sie die Jerusalem-Frage bewusst nur am Rande behandeln. Zu diesem Themenkomplex hat Bernard Wasserstein mit Divided Jerusalem kürzlich eine hervorragende Studie vorgelegt, auf die die Autoren im Vorwort als Entschuldigung dafür verweisen, dass sie diese Frage selbst weit gehend ausgeblendet haben. Diese Entschuldigung muss man gelten lassen. Eine adäquate Berücksichtigung des Jerusalem-Problems hätte den Rahmen dieser kleinen Regionalgeschichte ebenso gesprengt wie dem Buch eine thematisch ganz andere Richtung gegeben.
Zu wünschen aber wäre deshalb umso dringlicher, dass das Wasserstein-Buch bald einen deutschen Verlag findet. Denn ebenso wie es keinen Zweifel daran geben kann, dass eine friedlichen Koexistenz von Palästinensern und Israelis letztlich ohne Alternative ist, ist diese ohne eine Einigung in der Jerusalem-Frage undenkbar. --Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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