Herz und Steets haben in knapper und komprimierter Form viele interessante Hintergründe zur Palästina-Problematik zusammengefasst. Wichtig sind die Beschreibung der historischen und geographischen Verhältnisse in und um Palästina, insbesondere auch unter Einschluß von Gaza und der West-Bank, die hergestellten Bezüge zum Islam, und der Hinweis auf die wohl überlegte Verwendung von Begrifflichkeiten, die in einer derart Emotionen beladenen Thematik von Bedeutung sein können. Der Versuch einer ausgeowgenen Darstellung wird auf den ersten zwanzig Seiten erkennbar, wendet sich aber im weiteren Verlauf klar zur pro-arabisch/palästinensischen Seite. Die Schilderungen der völkerrechtswidrigen israelischen Besatzungspolitik wirken generell zu plakativ. Unausgewogen gestaltet sich auch die Photoauswahl. Darstellungen israelischer "Säuberungsaktionen" in den besetzten Gebieten und ihre Wirkungen sind bekannt (Photo: Soldat zielt neben/auf palästinensische Frau mit Kind), was fehlt sind hier aber Bezüge auch zu den Selbstmordattentaten und ihren fatalen Wirkungen im Kernland Israel. Neben dem teilweise zu schlichten Kartenmaterial haben sich kleinere sachliche Defizite im Text eingeschlichen. Sinvoll wäre der Hinweis gewesen, dass McMahon gegenüber Hussein von Mekka (1915) entscheidende Teile der Ostküste des Mittelmeeres von einem zu errichtenden arabischen Großreich ausgenommen hatte. Der Vorwurf gegenüber Großbritannien, in der Palästina-Frage durch die Balfour-Declaration (1916) die Araber hintergangen zu haben, wird dadurch relativiert. Wichtig ist auch, dass im Rahmen der UN-Teilungsresolution nicht von einem "palästinensischen Staat" die Rede war, sondern lediglich von einem arabischen. Dass Hussein 1988 aufgrund eines steigenden Einflusses Arafats auf die West-Bank verzichet haben soll, scheint mir ebenso umstritten. Wahrscheinlicher ist wohl, dass er Arafat und die PLO gegenüber der Hamas und anderen Radikalen zu stärken versuchte, nachdem er in Tunis erheblich an Einfluss verloren hatte. Auch muss der Versuch Husseins, nach 1948 die West-Bank in den jordanischen Staat zu "integrieren" , wohl eher als machtpolitische Annexion gesehen werden. Es scheint, als ob die Autoren Gefahr laufen, genau in die Falle zu geraten, vor der sie zuvor gewarnt hatten - nämlich die Begrifflichkeiten so zu verwenden, dass sie nicht einen parteiischen Eindruck hinterlassen. Hilfreich wäre im Übrigen auch ein Hinweis auf den Inhalt des Selbstbestimmungsrechtes, das die Palästinenser 1974 zugesprochen bekamen. Denn hieraus ergibt sich für sie auch das Recht auf Widerstand gegen den Besatzer, das heute eine so wichtige Rolle als Legitimierung spielt.
Zweifellos sind nie alle wichtigen Aspekte in einem Werk zusammenzufassen. Positiv erscheint, neben den wissenswerten zahlreichen Querverweisen der Einschluß des Kapitels über die palästinensische Kultur und Gesellschaft, das für das Verständnis der Problematik nicht fehlen darf. Alles in allem ist das Buch als Einstieg in die Thematik für den Laien gut geeignet und für diesen Zweck "empfehlenswert". Das Preis-Leistungsverhältnis ist in jedem Fall gewahrt. Dem Leser sei zu empfehlen, alle Informationen zur Nahost-Thematik - aus welchem Umfeld auch immer sie kommen - kritisch zu hinterfragen.