"Wenn Sie das Land verändern, verändern Sie den Glauben."
(Graf de la Bouche zu Zar Peter I.)
Ohne eine Kriegserklärung fällt am 12. Februar 1700 ein Heer des Kurfürsten August des Starken von Sachsen, der in in Personalunion auch König von Polen und Großfürst von Litauen ist, im schwedischen Livland ein. Der antischwedischen Allianz hatten sich das ebenfalls in Personalunion regierte Dänemark-Norwegen und Russland angeschlossen. Die Schweden blieben zunächst siegreich und erreichten, dass Dänemark-Norwegen bereits am 18. August 1700 und Sachsen-Polen-Litauen im Jahre 1706 aus dem "Großen Nordischen Krieg" als Gegner ausschieden. Der schwedische König Karl XII. konnte sich nun seinem letzten verbliebenen Gegner, dem Zaren Pjotr I. Alexejewitsch Romanow, genannt Peter der Große, zuwenden. Die Niederlage in der Schlacht bei Lesnaja am 09. Oktober 1708 vereitelte jedoch Karl's Versuch direkt nach Moskau vorzustossen und zwang ihn vielmehr in die Ukraine auszuweichen. Beim Ort Poltawa kam es am 8. Juli 1709 zur Entscheidungsschlacht.....
.....die 298 Jahre später dem russischen Regisseur als Hintergrund für seinen Film "Sluga Gosudarev" (Der Diener des Zaren) dienen sollte. Während die englischen Titel "The Sovereign's Servant" dem Originaltitel und "Battle of Poltava" dem finalen Inhalt des Films gerecht werden, hat die MIG Filmgroup mit ihrem deutschen Titel "Pakt der Bestien" mal wieder voll daneben gegriffen. Im Film gibt es weder das eine, noch das andere. Eine mehr oder weniger suggerierte Assoziation zum französischen Film "Pakt der Wölfe" gerät zum Fehlschluss, denn Christophe Gans' Spektakel von 2001 spielt 70 Jahre später in Frankreich und bietet darüber hinaus mystische Gruseleffekte.....
......denn diese benötigt der farbenprächtige russische Historienfilm nicht: Am Hofe Ludwis XIV. geraten der Chevalier Charles de Bressé (Dmitry Miller) und der Graf de la Bouche (V. Malikov) wegen Mademoiselle Charlotte de Monterras (Kseniya Knyazeva) in einen Streit, der ein Degen-Duell nach sich zieht. Der Sonnenkönig, der die schöne Charlotte für sich selbst beansprucht, vom Grund des Streites jedoch nichts weiß, schickt la Bouche zum Schwedenkönig und de Bressé zum russischen Zaren. Bressé macht dort Bekanntschaft mit Grigoriy Voronov (Aleksandr Bukharov), dem Diener des Zaren, der das Geheimnis um einen mysteriösen schwarzen Reiter aufklären soll, dem bisher alle Kuriere zu Opfer gefallen sind. Gemeinsam überstehen Bressé und Voronov zahlreiche Überfalle und Scharmützel, bis es zur entscheidenden Schlacht kommt, bei der sich auch die einstigen Duellanten wieder gegenüber stehen.....
Auch die um 14 Minuten gekürzte deutsche DVD-Version hat optisch und inhaltlich einiges zu bieten. Der Hof eines selbstgefälligen Ludwig XIV. (Dmitriy Shilyaev) mit dekadenten, dem Müßiggang und der Intrige verfallenen Höflingen und Hofdamen. Realistische Duell-, Kampf- und Schlachtenszenen, die allerdings nichts für zart besaitete Gemüter sind. Ein polnisches Geschwisterpaar als frühe "Partisanen". Verführerische Edelfräuleins und frivole Marketenderinnen. Eine reiche Ausstattung an Perücken, modischer Kleidung, Uniformen, Waffen, Flaggen und zeitgemäßen Gegenständen. Dazu eine differenzierte Darstellung der Ereignisse, wie das Leid der Zivilbevölkerung und grauenhafte Verletzungen der Soldaten. Keine Schwarzweiss-Malerei bei den Charakteren, wie Karl XII. (Eduard Flerov) und Peter I. (Andrey Sukhov) etc. und eine Infragestellung von Krieg und Gewalt, gleichgültig von welcher Seite und wer damit begonnen hat. Gute schauspielersiche Leistungen, gepaart mit einer spannenden, zu keiner Zeit vorhersehbaren Handlung mit einem verblüffenden Ende.....
.....sowie historische Details, wie der Sturmangriff auf Veprik. Eine Schußverletzung am Fuß, die Karl XII. erleiden musste und deshalb die schwedische Armee nicht in die Schlacht bei Poltawa führen konnte. Die Unterstützung der Schweden durch den ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Stepanowitsch Masepa, der von den Russen daher als Verräter angesehen wurde. Der Vertraute des Zaren, Alexander Danilowitsch Fürst Menschikow (1672 - 1729), dargestellt von Andrei Ryklin, wird von seinem Feund Voronov als einstiger Pastetenmacher bezeichnet, was zutreffend ist, denn der deutsche Reichsfürst und Herzog von Ingermanland und spätere Feldmarschall stammte aus einfachen Verhältnissen und hatte tatsächlich Piroggen verkauft. Anachronistisch ist hingegen das Poker spielen am Hofe des Sonnenkönigs mit einem modernen französischen Blatt.....
.....trotzdem und trotz des irritierenden deutschen Titel ist "Der Diener des Zaren" nicht nur ein unterhaltsamer und nachdenklich stimmender Film, sondern auch eine Lehrstunde über einen entscheidenden Wendepunkt der europäischen Geschichte. 5 Amazonsterne.