Inhalt:
Das Abi ist bestanden, die Freunde wissen bereits was sie im Anschluss machen möchten, nur Marlene hat noch keinen Plan. Um sich darüber klar zu werden und auch um sich von ihrer Mutter zu lösen, zieht Marlene in die Atelierwohnung ihres kürzlich verstorbenen Vaters, einem Kunstmaler. Ein Sommerjob bringt eigenes Geld, das gut verplant werden muss. Mit ihrer ersten eigenen Wohnung erfährt sie Pflichten und Verantwortung genauso, wie die wunderbaren Freiheiten, die dieses 'aufsichtslose' Leben bietet.
Neben all den zu bestehenden Herausforderungen wie Arbeit, Freundschaften, einer ersten Liebe und Begegnungen mit einem wirklich ekelhaften Hausmeister, gilt es ein recht gruseliges Rätsel zu enttarnen; Die einzige Hinterlassenschaft des Vaters, ein Portrait Marlenes, verändert sich auf mysteriöse Weise. Zunächst nur wenig, dann aber immer stärker, bringt es Marlene dazu, an ihrem Verstand zu zweifeln.
Den Täter lernt der Leser als geheimnisvollen Ich-Erzähler kennen, eine Art Stalker, der Marlene zu lieben glaubt, sie heimlich beobachtet, und dessen Gedanken in kursiver Schrift zwischen die einzelnen Kapitel gesetzt sind.
Meinung:
Ein spannendes Buch, nicht nur für junge Erwachsene, ist Sabine Ludwig da gelungen. Wie in allen ihren Büchern schafft sie es auch in 'Painting Marlene' ihre Leser tief in die Geschichte zu verweben und mit Charme und Esprit zu unterhalten. Als Inspirationsquelle diente das 'Bildnis des Dorian Gray', wobei sich Sabine Ludwigs bemerkenswerte Geschichte leicht und natürlich, in eine eigene Richtung entwickelt.
Von den Charakteren war mir sicherlich Marlene am sympathischsten. Gerade weil sie noch etwas naiv und unselbstständig agiert, wirkte sie auf mich besonders glaubwürdig. Den Zwiespalt junger Menschen, die sich bereits erwachsen und selbstsicher fühlen, es aber noch nicht wirklich sein können, zeigt das Buch lebensnah und in vielen Variationen. Und auch dass das nicht Schlimm ist. Dass es Menschen gibt, die einen mögen und akzeptieren, obwohl man zuweilen unsinnige, unreife und wenig rühmliche Dinge tut oder sagt. Auch Marlenes Freunde sind noch im Wandel. Mal mysteriös und cool in seinem Handeln (Jasper), immer zuverlässig an Marlenes Seite und doch chaotisch (Georgie mit seinem Auto) oder leicht eifersüchtig und trotzdem die beste Freundin (Rike).
Auch die Erwachsenen in der Geschichte sind 'lebendige Wesen', sie verändern und verwandeln sich ebenso. Die Mama, eine Lehrerin, hat Schwierigkeiten, Marlene vertrauensvoll ins eigene Leben zu entlassen, entdeckt aber durch ihre unfreiwillig gewonnene 'Freiheit' ihr zeichnerisches Talent wieder - und nicht nur das. Selbst der unsympathische Hausmeister wird durch seine neuerdings wieder berufstätige Frau zu neuen Taten und Einsichten gedrängt.
Sehr klasse fand ich auch den Sprachstil der einzelnen Personen. Ein wirklich gewöhnungsbedürftiger Hausmeister Wedau berlinert sich gnadenlos durchs Buch und ist in seiner sexistischen Verklemmtheit einer der Prüfsteine von Marlenes Selbstständigkeit. Die Sprache der Kids ist insgesamt ziemlich gut getroffen, lebensnah und nicht gekünstelt, was möglicherweise dem Umstand geschuldet ist, dass Frau Ludwig selbst Kinder hat und gut zuhören kann. Einzig mit dem Schluss war ich nicht ganz glücklich. Am Ende überstürzen sich die Ereignisse fast und ehe man sich versieht, befindet man sich wieder im ruhigen Fahrwasser einer gut ausgegangenen Geschichte. Ist sie gut ausgegangen? Das lohnt sich auf jeden Fall selbst herauszufinden!