Die Karriere des Jeffrey Atkins begann mit seinem Debüt "Venni, Vetti, Vecci" mehr als vielversprechend. Leider wurde man danach zu geldgierig, was sich auch auf das Sophomore "Rule 3:36" auswirkte, welches man aber noch als gut bezeichnen kann. 2001 war dann Album Nr. 3 an der Reihe, "Pain Is Love". Wenn man sich so Cover und Booklet anschaut, auf denen eigentlich nur Gewalt- und Armutsszenen abgebildet sind, so könnte man schon fast in Versuchung kommen, ein politikkritisches Werk in den Händen zu halten, doch bei Gästen wie J.Lo, Missy Elliott, Case oder Ashanti verpufft dieser Gedanke relativ schnell wieder. Ja Rule's Entdecker und Mentor Irv Gotti produzierte die gesamte Platte, was zwar eintönig klingt, dennoch überraschend abwechslungsreich geworden ist.
"Pain Is Love" beginnt hart, nämlich mit "Dial M For Murder". Dunkle Beats und E-Gitarren begleiten Rule, der seine raue Stimme einzusetzen weiß, dennoch ist der Song insgesamt recht lahm und unspektakulär, sodass er einem doch recht bald auf den Senkel geht. "Livin' It Up" zusammen mit Case ist da das absolute Gegenteil und zeigt, wie dieses Album eher einzuschätzen ist, nämlich chartorientiert und kommerziell. Leider ist auch die Labelhymne "The INC." nicht mehr als Durchschnitt, was an dem doch sehr langweiligen Instrumental liegt und auch die Performances von Rule, Caddillac Tah, Black Child und Ashanti sind jetzt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Deutlich besser gefällt mir da "Always On Time". Es ist zwar ebenfalls eher poppig, doch das stört mich hier nicht. Die Melodien dazu, die teilweise von Gitarren geschaffen werden, sind einfach ein Traum, emotional und entspannt zugleich, dazu zeigt Rule mal Gefühle und rappt über seine Lady und auch Ashanti macht mit ihrem Refrain einen guten Job. Auch "Down Ass Bitch" dreht sich um das weibliche Geschlecht, hat einen verdammt chilligen Sound, der erneut einer Gitarre zu verdanken ist, aber auch Ja Rule überzeugt durch einen Mix aus Gesang und Rap, wobei besonders der gesungene Hook nach meinem Geschmack ist. Was hier vereinzelt gut ist, ist irgendwie gleichzeitig das Problem der ganzen Platte. Denn was Ja früher ausgezeichnet hat, nämlich die harten Songs, klappt hier fast nie. Das zeigt sich gut an den nächsten Tracks, von denen das ruhige "Never Again" gut, das harte "Worldwide Gangsta" doch eher mies und lächerlich ist. Auf das allseits bekannte "I'm Real (Murder Remix)" zusammen mit J.Lo gehe ich jetzt nicht näher ein, denn jeder sollte selbst wissen, dass das nur eines ist: Chartpop, wobei man auch hier etwas Gutes finden kann, denn Ja's kratziger Gesang gefällt mir auch hier. Eines der mit Abstand besten Stücke erreicht man mit "Smokin And Ridin". Endlich mal straffe und schnelle Beats, dazu flotte Melodien und ein Ja Rule, der mal zeigt was er so kann. Auf die Gäste Jodie Mack und 0-1 hätte man zwar gut verzichten können, doch sie zerstören den Track auf keinen Fall. Das nun langsam beginnende Ende ist qualitätsmäßig dem Rest des Albums doch um Welten überlegen. Den Anfang macht "Lost Little Girl", eine eher dramatische Nummer, die durch abgefahrene Synthesizer-Effekte seine eigene Note bekommt und Ja Rule erneut in Bestform zeigt. Was besonders an ihm gefällt ist, dass er seinen Rap-Style immer variiert. Mal schnell, mal entspannt, mal aggressiv, mal Gesang - toll. "So Much Pain" kommt einem sofort bekannt vor. Es ist eine Coverversion von 2Pac's "Pain" vom "Above The Rim" Soundtrack. Das geniale und emotionale Instrumental wurde zum Glück übernommen, dafür ersetzt Ja Rule nun Stretch, der beim Original dabei war. Am Besten ist natürlich die Strophe von Pac, doch auch Ja macht einen ordentlichen Job. Der Closer "Pain Is Love" hat es leider nicht so in sich, eigentlich ist er in keinster Weise interessant, dafür kann Ja aber mit dem abermals gesungenen Hook noch mal einiges rausreißen.
Das komplette Album ist eine ständige Berg- und Talfahrt. Wirkliche Hits gibt es wenige, dafür auch kaum Totalausfälle. Alles bewegt sich eher im unspektakulären Mittelfeld. Dass diese Platte weltweit über 13 Millionen Einheiten verkauft hat, ist mir zwar etwas schleierhaft, aber sicher auf den doch sehr radiofreundlichen Sound zurückzuführen. Wer Ja Rule mag kann sicher zugreifen, ansonsten verpasst man nicht all zu viel, wenn man sich diese Platte nicht nach Hause holt.