Kaum zu glauben, daß dies das Debüt Hendersons als Bandleader sein soll: diese wohldosierte Mischung aus progressiven und eingängigen Momenten, diese konzeptionelle Geschlossenheit und emotionale Stringenz, die das Album auch gleich zum Verkaufsschlager avancierten, ließen eigentlich einen langen Reifungsprozess seiner Urhebers vermuten. Doch gelingt dem bis dato unbekannten Henderson auf Anhieb ein Meisterwerk, so als wäre Miles Davis eben mal aus Illinois hereingeschneit und hätte gleich "Kind of Blue" eingespielt... Einige Monate zuvor, im Frühjahr 1963, war Henderson von seinem "Entdecker" und Mentor Kenny Dorham nach NY geholt worden, um an seiner Seite "Una Mas" einzuspielen, was für den Tenorsaxophonisten die erste Plattenaufnahme überhaupt bedeuten sollte. Schon dort stellte er sein Können eindringlich unter Beweis; er hatte von Anfang an seine eigene Stimme und Spielweise gefunden, an der es eigentlich nichts mehr Wesentliches zu verbessern gab.
Kenny Dorham hatte während einer Tour durch Brasilien 1961 die Gelegenheit hautnah die einheimische Bossa nova- und Sambamusik kennenzulernen und ließ Elemente davon in einige seiner späteren Kompositionen einfließen, woraus auch der Evergreen "Blue Bossa" hervorging. Henderson steuert mit "Recorda Me" seinerseits einen Bossa nova bei. Im Übrigen sind auf der CD nur Eigenkompositionen zu hören, zwei von Dorham, vier von Henderson. LaRoca (d) bringt die Latinrhythmen auf geschmackvolle Weise zum swingen, tatkräftig unterstützt von den pointierten Basslinien Butch Warrens. McCoy Tyner versteht es diesem gutgelaunten Rythmusgespann auch bei den tagträumerischen Bossas eine gehörige Portion Extraboost zu geben und setzt mit charakteristischen Quartvoicings und kraftvoll-filigraner Tastenarbeit seine unverwechselbaren Akzente.