Hörbuch-Rezension: PAGANINIS FLUCH, von Lars Kepler, gelesen von Wolfram Koch
6 Audio CDs im Pappschuber zum Einstecken, Bearbeitete Fassung, Laufzeit: 429 Minuten, 82 Tracks, erschienen bei Lübbe-Audio
Für mich war PAGANINIS FLUCH von Lars Kepler ein wahnsinnig zähes Hör-Erlebnis, von Hörvergnügen mag ich nicht sprechen.
Es kamen beim Hörbuch jedenfalls zwei ungünstige Konstanten zusammen: Meine Abneigung gegen die banal-plumpe Erzählart des Autors und die nüchtern-distanzierte Stimme des Vorlesers, Wolfram Koch, mit dem ich einfach nicht warm werde. Keine gute Kombination.
Im Fall PAGANINIS FLUCH fingen sich nach kurzer Zeit an, meine Haare zu sträuben, nicht des Inhalts wegen, sondern der Sprache wegen, der sich die Autoren (handlet sich um ein Ehepaar aus Schweden, das unter dem Pseudonym Lars Kepler veröffentlicht) erzählt. Stakkato. Ohne Eigenschaften zu beschreiben. Grade so, wie ein Grundschüler einen Aufsatz schreibt. Kepler lässt alle Personen in der Gegenwart und aus ihrer Sicht berichten.
Das klingt wie: "Joona Linna nimmt seine Pistole. / Jonna Linna sieht einen dunklen Schatten. / Joona Linna atmet tief ein. / ..."
Mir fiel Ähnliches bisher nur bei Karin Slaughter auf; und zwar nicht positiv.
Im Nachhinein kann ich mir nicht einmal vorstellen, wie man diese distanziert klingende kalte Drehbuch-Anweisungs-Sprache beim Lesen verkraften kann.
Dass die Geschichte wie ein Fernseh-Thriller zusammenkonstruiert daher kommt, die Polizei-Ermittler sich seltsam unprofessionell verhalten, und eine seltsam unsympathische Quoten-Ermittlerin aus einer anderen Behörde mit eingebunden wird, dass die/ der Täter unbarmherzig grausam ist/ sind --- das alles ist für mich als Thrillerhörbuchfresser, noch nicht einmal so schlimm. Ich nehme Hörbücher diese Art immer von ihrer unterhaltsamen Seite wahr.
Wenn zum Beispiel ein Kontrolleur für Waffenausfuhr unter merkwürdigen Umständen stirbt, sein Nachfolger dann mit allen Mitteln und mit viel Druck dazu gebeten, ja sogar getrieben wird, einen bestimmten Ausfuhr-Vertrag für eine Waffenlieferung zu unterschreiben, und wenn genau dieser Nachfolger jetzt nicht von alleine auf den Trichter kommt, dass er instrumentalisiert wird, dann bitteschön --- soll er halt ausbaden, was er sich einbrockt.
Grandios auf jeden Fall die Idee mit dem Foto. Sehr schick auch die Sex-Szene anfangs, an genau der Stelle hat mein Mann mitgehört und war freilich einigermaßen irritiert, was ich da schon wieder höre..?
Mit viel gutem Willen kann ich mich nach sieben Stunden tapferen am Ball Bleibens zu einem "nicht schlecht" durchringen. Freunde werden Lars Kepler (also das schwedische Autorenehepaar namens Alexandra und Alexander Ahndoril) und ich nicht werden.
Vielleicht, wenn das alles dereinst im Fernsehen anzuschauen sein wird - was schwer zu vermuten ist -, werde ich wieder mit dabei sein wollen, wenn Joona Linna ermittelt.